Über 20 Prozent Frauenanteil: Polizei im Landkreis Schwandorf ist so weiblich wie nie

Von Martin Kellermeier, Philipp Breu · 8. März 2025 um 05:00

Polizei ist längst keine Männersache mehr. Auch im Landkreis Schwandorf gehen immer mehr Frauen auf Streife und machen Karriere in Uniform. Und auch der Mix stimmt: Von der Dienststellenleiterin bis zur jungen Streifenbeamtin sind quasi alle Positionen in der Region auch von Frauen besetzt, wie MZ-Recherchen anlässlich des Weltfrauentags zeigen.

Dienstgruppenleiterin Daniela Hirmer war die erste Streife am Tatort des Doppelmords in Büchelkühn

Daniela Hirmer, 31 Jahre alt, ist eine von neun Frauen bei der Polizeiinspektion Schwandorf. Seit Januar 2021 hat sich der Frauenanteil in der Wache an der Wackersdorfer Straße fast verdoppelt. Polizeihauptkommissarin Hirmer ist als Dienstgruppenleiterin dabei die ranghöchste Beamtin. Sie verantwortet während ihrer Schicht das Tagesgeschäft und ist so nah dran an den Einsätzen.

Und so war sie zum Beispiel 2020 beim Doppelmord in Büchelkühn die Erste am Tatort. Seit 2018 arbeitet sie bei der PI Schwandorf, davor war sie auch bei der Einsatzhundertschaft der Bereitschaftspolizei in Nürnberg. Diese Zeit war nicht weniger spannend. Hirmer war zum Beispiel im Jahr 2016 beim Amoklauf im Bereich des Olympia-Einkaufszentrums in München mit mehreren Toten im Einsatz.

Die Bevölkerung würde Polizistinnen längst akzeptieren. „Ich hatte im Dienst bisher sehr selten ein Problem“, sagt Daniela Hirmer. Und sie sieht einen entscheidenden Vorteil, wenn beide Geschlechter auf Streife gehen. Bei körperlichen Durchsuchungen könnten sich so die Frauen den Frauen widmen und die Männer den Männern.

Die 31-Jährige hat als Dienstgruppenleiterin schon viel erreicht. Doch sie ist motiviert, weiter Karriere zu machen. Irgendwann will sie ihre eigene Dienststelle leiten. „Am besten hier in der Region“, sagt Daniela Hirmer.

Erst Elektronikerin, dann Beamtin – Lisa Schwenke bereut ihren Wechsel zur Polizei keine Sekunde

Mit 23 Jahren ist Lisa Schwenke die jüngste Beamtin bei der Polizeiinspektion Burglengenfeld. Sie ist eine von sieben Polizistinnen in der Dienststelle. Der Lebenslauf der Streifenpolizistin ist trotz ihres noch jungen Alters schon jetzt erwähnenswert: Nach der Wirtschaftsschule absolvierte sie zunächst eine Ausbildung zur Elektronikerin für Automatisierungstechnik und arbeitete in diesem Beruf auch noch als Gesellin. 2021 wechselte sie dann zur Polizei.

Ihr Onkel Stefan, der beim Landeskriminalamt in München arbeitet, ist daran nicht ganz unschuldig. „Ich fand es schon immer spannend, was er von seinem Job erzählt hat“, sagt Schwenke. Nun sorgt die junge Polizeimeisterin aus dem Landkreis Neustadt an der Waldnaab für Recht und Ordnung im Städtedreieck. Sie freut sich, dass immer mehr Frauen zur Polizei gehen. Und die Tendenz steigt. In Schwenkes Klasse auf der Polizeischule waren fast genau so viele Frauen wie Männer.

Und wenn die 23-Jährige gerade nicht auf Streife ist und zum Beispiel zwei ausgebüxte Esel bei Schirndorf einfängt, freut sie sich auf viel Zeit mit ihrer Hündin Gina. Die beiden Teilen sich ein Hobby: die Jagd. Und wer weiß: Vielleicht wird Lisa Schwenke einmal Diensthundeführerin bei der Polizei?

Als Pressesprecherin ist Corinna Wild aus Oberviechtach eines der Gesichter der Polizei in der Oberpfalz

Eigentlich konnte Corinna Wild nur bei der Polizei landen. Ihr Vater, die beiden Onkel und auch die Tante sind ebenfalls bei der Polizei. „Da habe ich bereits in jungem Alter mitbekommen, dass die polizeilichen Aufgaben sehr unterschiedlich sind und es viele Möglichkeiten gibt“, sagt die Pressesprecherin.

Seit zwei Jahren ist die 31 Jahre alte Polizeihauptkommissarin als Sprecherin des Präsidiums nun die Stimme der Polizei in der Oberpfalz. Vor ihrem Wechsel in die Pressestelle war sie im Sachgebiet Kriminalitätsbekämpfung eingesetzt und übernahm dort diverse Aufgaben. Dazu zählten die Erstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik, Cybercrime, Kriminaltechnik und sie war stellvertretende Beauftragte für Kriminalitätsopfer.

Auch wenn sie als Pressesprecherin nicht mehr mit der aktiven Aufklärung von Straftaten beschäftigt ist, ist ihr Alltag mehr als abwechslungsreich. Gleich ihre erste Pressemitteilung war ein „Kracher“ zum Einstieg. In dem Beitrag ging es damals um die Schlammattacke auf den Nabburger Bürgermeister Frank Zeitler (CSU). Der Vorfall schlug bundesweit Wellen – so berichteten auch der Spiegel und die Bild-Zeitung darüber und zitierten die Schilderungen der Polizeihauptkommissarin aus Oberviechtach.

Sabine Roidl steht an der Spitze der PI Nabburg – Oberpfalzweit ist sie damit die einzige Inspektionsleiterin

Sabine Roidl ist ein Musterbeispiel dafür, wie auch Frauen bei der Polizei Karriere machen. Die Erste Polizeihauptkommissarin steht seit 1. Juli 2023 an der Spitze der PI Nabburg und ist damit momentan oberpfalzweit die einzige Inspektionsleiterin. Überhaupt ist die Polizei in Nabburg absoluter Vorreiter im Landkreis, wenn es um die Frauenquote geht. Von 34 Polizisten sind, Stand Januar diesen Jahres, neun weiblich. Das entspricht einem Anteil von knapp 26,5 Prozent.

Roidl erzählt am Telefon liebend gerne über ihren Beruf. In ihrer Dienststelle ist sie momentan nicht anzutreffen. Sie hat sich aus familiären Gründen eine Auszeit genommen, derzeit leitet Polizeihauptkommissar Alexander Reichsthaler die Geschicke in Nabburg. „Im August kehre ich aber wohl wieder zurück“, sagt sie.

Dass Roidl sich überhaupt für die Polizei entschieden hat, sei reiner Zufall gewesen. Nach der Schule sei sie auf der Suche nach einem abwechslungsreichen Job gewesen – und wurde letztendlich bei der Kriminalpolizei fündig. 1989 bewarb sie sich dort für den gehobenen Dienst. „Der uniformierte Polizeivollzugsdienst war für mich damals gar nicht möglich. Erst 1990 wurden dort die ersten Frauen eingestellt“, erinnert sich Roidl.

Nach der erfolgreichen Auswahlprüfung wurde sie im Landeskriminalamt in München eingestellt. Ein Jahr später startete sie als sogenannte „Direkteinsteigerin“ in den gehobenen Polizeivollzugsdienst mit dem Studium in Fürstenfeldbruck. Nach dem erfolgreichen Abschluss war Roidl beim Landeskriminalamt im Bereich der Prävention tätig.

Nach Stationen beim damaligen Polizeipräsidium Niederbayern/Oberpfalz, bei der Verkehrspolizei Amberg, bei der Polizei Weiden und beim Polizeipräsidium Oberpfalz wechselte sie schließlich im März 2023 zur Polizeiinspektion Nabburg. Seit 1. Juli 2023 leitet sie dort bis zu ihrer Auszeit im November 2024 die Geschicke.

Für Roidl war der Einstieg in ihre Karriere kein einfacher. „Früher wurde man als Frau bei der Polizei kritisch beäugt und nicht für voll genommen“, sagt sie. Das sei mittlerweile glücklicherweise völlig anders. Bei der Polizei herrsche ein starkes „Wir-Gefühl“ – jeder sei Teil des Teams. „Ich kann jungen Frauen und Mädchen nur empfehlen, zur Polizei zu gehen“, sagt Roidl. Sie habe den Schritt jedenfalls nie bereut: „Jeder Tag ist eine neue Herausforderung.“ Aber genau diese Abwechslung macht für sie den Polizeidienst aus.

Internetbetrügern auf der Spur – Franziska Bauer ist bei der PI Neunburg Spezialistin in Sachen Cyberkriminalität

Der Vormarsch des World Wide Webs bringt nicht nur Vorteile mit sich. Franziska Bauer kann davon ein Lied singen. Sie ist eine von fünf Polizistinnen bei der PI Neunburg und jagt dort Kriminelle, die für ihre Straftaten das Internet nutzen.

Seit Anfang 2022 ist Bauer bei der PI Neunburg für Cyberkriminalität zuständig, seit 2014 ist sie bei der Polizei. Rund 100 Fälle landen bei ihr jährlich auf dem Schreibtisch. „Die Aufklärung ist schwierig, weil die Betrüger gut vernetzt sind. Meistens erwischen wir die sogenannten Finanzagenten“, sagt Bauer. Dabei handelt es sich um Menschen, die nichtsahnend Opfer von Betrügern geworden sind und ihr eigenes Girokonto für deren Geldwäsche zur Verfügung stellen.

Das Wissen über Cyberkriminalität hat sich Franziska Bauer selbst beigebracht. Neben den Ermittlungen leistet die Polizeihauptmeisterin Präventionsarbeit – beispielsweise an Schulen.

In ihrer Freizeit ist die 31-Jährige oft im Fitnessstudio oder geht mit ihrer zwölfjährigen Bolonka-Zwetna-Hündin Kessie spazieren. Zum Abschalten hilft ihr außerdem ein bewusster Bruch mit der digitalen Welt. Dann nimmt sie ein gutes Fantasy-Buch in die Hand.

Die Zahlen im Überblick

PI Schwandorf: 47 Polizeibeamte, neun weiblich (Anteil: 19,15 Prozent)

APS Schwandorf: 20 Polizeibeamte, fünf weiblich (Anteil: 25 Prozent)

PI Oberviechtach: 23 Polizeibeamte, fünf weiblich (Anteil: 21,74 Prozent)

PI Neunburg: 27 Polizeibeamte, fünf weiblich (Anteil: 18,52 Prozent)

PI Nabburg: 34 Polizeibeamte, neun weiblich (Anteil: 26,47 Prozent)

Pst Nittenau: Acht Polizeibeamte, eine weiblich (Anteil: 12,5 Prozent)

PI Burglengenfeld: 33 Polizeibeamte, 7 weiblich (Anteil: 21,21 Prozent)

Lkr. Schwandorf: 192 Polizeibeamte, 41 weiblich (Anteil: 21,35 Prozent)

Auch das gehört dazu: Lisa Schwenke zeigt eine Zelle bei der PI Burglengenfeld. Foto: Martin Kellermeier
Hat eine beachtliche Karriere bei der Polizei hingelegt: Sabine Roidl. Foto: smx, Archiv
Sie steht im Dienst oft vor der Kamera: Pressesprecherin Corinna Wild. Foto: Tobias Weingärtner
Während ihres Arbeitsalltags hat es Franziska Bauer vor allem mit Internetbetrügern zu tun. Foto: Martin Kellermeier