Marodes Ufer an der Werftstraße in Regensburg: Die Spundramme soll es richten

Was haben Venedig und die Werftstraße in Regensburg gemeinsam? Beide stehen auf Eichenpfählen. Während Venedig die Stämme aber turnusmäßig erneuert, ist über den Zustand des Holzes unter der Werftstraße wenig bekannt. Das könnte zur Gefahr werden.
Die Stadt hat es jetzt als Schwachstelle des Systems ausgemacht, in dem im Katastrophenfall der Hochwasserschutz verankert wird. Verbessern will sie dieses mit einer Sanierung der Ufermauer.
Als die mobilen Elemente im Juni das letzte Mal aufgestellt werden mussten, war die Ufermauer schon so wackelig, dass die Stadt nach einigen Tagen die Reißleine zog. Die Bewohner wurden evakuiert, was diese als traumatisierend bezeichneten. Seither pochen sie auf die bereits im Jahr 2018 beschlossene Maßnahme.
Auf der Tagesordnung des Planungsausschusses für Dienstag steht nun eine Vorlage, mit der sich die Verwaltung die Zustimmung für die weitere Planung und die Umsetzung holen will. Planung und Bau sollen insgesamt 6,88 Millionen Euro kosten. Alleine die Ausführung schlage mit 6,29 Millionen Euro zu Buche. Der Freistaat soll sich zu 26,7 Prozent an den Planungskosten beteiligen.
Schwere Maschinen nötig
Laut dem Papier soll die Arbeit von Pontons genannte Arbeitsplattformen aus im Wasser verrichtet werden. Vorgesehen ist, die Oberfläche der Mauer zu reinigen, abgeplatzte Stellen aufzufüllen, Fugen zu vermörteln und Dübel in den Boden zu treiben. Um die große Unbekannte in dieser Rechnung − die Eichenpfähle – in den Griff zu bekommen, soll eine Schutzwand mit einer Profildicke von 50 Zentimetern und einer Tiefe von 9,5 Metern mit einer Spundramme in Boden getrieben werden. Die Baumaschine soll so schwer sein, dass die unsanierte Ufermauer ihr Gewicht gar nicht tragen würde, weswegen auch sie auf einem Ponton im Wasser zum Einsatz kommen soll. Aus der Vorlage geht zudem hervor, dass der geplante staatliche Hochwasserschutz an dieser Stelle erst nach der Sanierung der Ufermauer errichtet werden kann, weil auch die dafür notwendigen Baumaschinen zu schwer für sie wären: „Maßgebend für die statische Bemessung der Ufermauer ist die Lasteinwirkung der Baumaschinen, welche beim staatlichen Hochwasserschutz zum Einsatz kommen sollen.“
Auf die Anwohner kommt durch die Baustelle erneut einiges zu: In der Vorlage ist von deutlichen Überschreitungen der Immissionsrichtwerte zu lesen. Es geht dabei um Lärm und Erschütterungen – bis zu acht Stunden am Tag. Die Stadt will dafür sogar Beweise sichern: Etwa soll der Baulärm überwacht und der Zustand bestimmter Gebäude sowohl vor als auch nach der Baumaßnahme begutachtet werden – etwa wegen möglicher Risse.
Das ist geplant
Aber auch die Reedereien sind betroffen: Zwei der acht Dalben, an denen die Schiffe anlegen, müssen für die Zeit der Baustelle gezogen werden. Weiterhin ist in der Vorlage von einem Ersatzanlegeplatz zu lesen. Ziel sei, dass die Maßnahmen im April 2026 abgeschlossen werden können. Die Sanierung der Mauer soll im November abgeschlossen sein. Erst danach sind die Spundarbeiten geplant.
Anwohner Richard Weidmüller bezeichnet den Zeitplan der Stadt zwar als sportlich, freut sich aber, dass die Sache nun nach so einer in seinen Augen so langen Pause in Angriff genommen wird. Sollte es das Hochwasser gewesen sein, dass der Stadt hier die Augen öffnete, habe die Katastrophe schließlich doch noch etwas Gutes gehabt. Wenn die Mauer erst einmal steht, sei er auch die Unsicherheit los, dass die mobilen Hochwasserschutzelemente nicht mehr halten könnten. „Bis dahin hoffen wir, dass nichts passiert“, erklärt der Anwohner. Dann rechnet Weidmüller damit, dass wieder eine lange Pause kommt. Er geht nicht davon aus, dass er den staatlichen Hochwasserschutz noch erleben wird, der an dieser Stelle geplant ist. „Und da hat mir auch noch niemand widersprochen“, sagt er.