Stadt will Risse in der Werftstraße richten – Anwohner sorgen sich weiter um Ufermauer

Im Juni schaffte es die Heimat von 200 Bewohnern in der Regensburger Werftstraße bundesweit in die Nachrichten: Dass die Stadt die aufgerissene Straße richten lassen möchte, um solche Szenarien in Zukunft weitestgehend zu vermeiden, kann die Anwohner nicht beruhigen.
Die Risse entstanden, weil das Grundwasser während der Flut durch die Fahrbahndecke drückte, heißt es in einer Vorlage des Tiefbauamts, über die der Planungsausschuss am Dienstag beraten soll. Nachdem sich das Hochwasser zurückgezogen hatte und der Grundwasserspiegel wieder gesunken war, wurde der Untergrund der Werftstraße untersucht. „Es konnten keine gravierenden Tragfähigkeitseinbußen oder Auswaschungen festgestellt werden“, steht in der Vorlage. Allerdings habe die Werftstraße Schäden davon getragen, die nun repariert werden sollen.
Das soll auch geschehen, weil die mobilen Katastrophenschutzelemente in der Werftstraße verankert werden. Dieses System werde noch so lange gebraucht, bis der staatliche Hochwasserschutz steht. Daher sei es geboten, die Werftstraße bis dahin für Hochwässer zu ertüchtigen.
Das ist geplant
Der bei Überschwemmungen kritische Abschnitt der Werftstraße ist laut der Vorlage rund 450 Meter lang. Er beginnt im Westen bei der Treppe zur Eisernen Brücke und endet auf dem Weg in Richtung des Parkplatzes am Alten Eisstadion. Besonders unter dem Hochwasser gelitten habe demnach ein etwa 200 Meter langer Abschnitt im Westen und ein etwa 100 Meter langer Bereich zwischen den Einmündungen zur Inselstraße und der Straße Am Winterhafen im Osten. An beiden Stellen plant die Stadt nun eine Erneuerung des Fahrbahnoberbaus.
Dafür will sie 500 000 Euro in die Hand nehmen, die außerplanmäßig bereitgestellt werden sollen. Die Maßnahme soll, soweit möglich, noch im Jahr 2024 umgesetzt werden.
„Das war schon lange an der Zeit. Das hätte schon vor Jahren passieren müssen“, sagt Anwohnerin Michaela Vierthaler. Sie wisse von Menschen, die sich bei der Wetterlage in diesen Tagen schon sorgen, ob nicht bereits das nächste Hochwasser ins Haus steht.
Für Richard Weidmüller, auch er ist Anwohner in der Werftstraße, hört sich die Vorlage auf den ersten Blick zwar ganz gut an. Er fragt sich aber auch, warum hier lediglich von neuem Asphalt die Rede ist und nicht von der Ufermauer. Seit dem Hochwasser weist er darauf hin, dass seit Jahren klar ist, dass dieses Bauwerk marode ist. Er fragt sich, was die nun geplante Verstärkung der Asphaltschicht bei einem Hochwasser bringen soll. „Dann hält der Asphalt, aber die Ufermauer schwemmt es weg“, sagt er über den Untergrund, auf dem sein Haus steht.
Tatsächlich ist die Ufermauer mit keinem Wort in der Vorlage erwähnt, über die nun beraten werden soll. Die Stadt räumte zuletzt ein, dass Sanierungsbedarf an der Kaimauer besteht. „Aktuell wird – unabhängig vom Hochwasserereignis im Juni 2024 – ein Sanierungskonzept von der Stadt erarbeitet. Eine Umsetzung ist für die Jahre 2026 und 2027 vorgesehen“, gab Katrin Butz von der städtischen Pressestelle dazu im Juni Auskunft.
Die Zukunft der Mauer
Damals hieß es weiter: „Sobald die Sanierungsplanung voraussichtlich bis Ende dieses Jahres vorliegt, können belastbare Aussagen zu den erforderlichen Maßnahmen und Kosten getroffen werden.“ Es sei beabsichtigt, die Umsetzung im Jahr 2025 zu beschließen, die Genehmigungen einzuholen und die Ausführung vorzubereiten.
Aber auch das konnte die Anwohner zuletzt nicht beruhigen. Denn sie haben einen städtischen Grundsatzbeschluss zur Sanierung und statischen Ertüchtigung der Ufermauer in der Werftstraße aus dem Jahr 2018 entdeckt. In dem heißt es: „Statische Berechnungen aus dem Jahr 2012 ergaben für die Ufermauer eine gerade noch vorhandene Standsicherheit, die jedoch nicht in Gänze den aktuellen Normanforderungen genügt. Nur aufgrund eines vorhandenen lastfreien Streifens entlang der Ufermauer und der Herausnahme der vorhandenen Poller aus der Nutzung durch die Schifffahrt musste die Ufermauer nicht gesperrt werden.“ Laut dieser Vorlage war einmal geplant, die Ufermauer bereits 2021 zu ertüchtigen.
Weidmüller aber will nun auch wissen, was mit dem staatlichen Hochwasserschutz ist, der an dieser Stelle geplant ist. Er hegt die Vermutung, dass das Projekt aus Kostengründen eingedampft worden sein könnte. „Aber das sollte man den Menschen dann auch einmal sagen“, fordert er. Zum Hochwasserschutz heißt es in der Vorlage für Dienstag: „Der Bau dieses Vollschutzes, der durch den Freistaat Bayern erfolgt, ist derzeit etwa im Jahr 2030 zu erwarten.“ Nähere Angaben seien wegen eines noch durchzuführenden Rechtsverfahrens aber nicht möglich.
