Das Junihochwasser in Regensburg und seine Folgen: Warten auf den Schutz vor der Katastrophe

Von Heike Haala · 26. Dezember 2024 um 17:00

Den gesamten April und den gesamten Mai war Pardeep Kanyan, Geschäftsführer im Chaska, mit der Dekoration des Lokals in der Werftstraße beschäftigt. Die erste Woche seines Betriebs aber fiel dann buchstäblich ins Wasser.

Denn ausgerechnet zum Eröffnungstermin hatte sich eine Flut zusammengebraut, die sich über Tage ihren Weg durch Regensburg bahnte. Weil der Untergrund der Werftstraße aufgrund des hohen Grundwasserspiegels derart aufgeweicht war, dass sich die darin verankerten mobilen Hochwasserschutzelemente auch hätten lösen können, evakuierte die Stadt diesen Bereich am 3. Juni. Erst vier Tage später konnten die Bewohner zurück in ihre Wohnungen – und Kanyan in sein Lokal.

Essen für einen Tag verrottet

„Wir hatten das Grundwasser in der Duplex und Probleme mit der Toilette sowie dem Fettabscheider“, erinnert er sich. Zudem seien in den Tagen der Evakuierung Zutaten verrottet, mit denen er einen ganzen Tag lang hätte Gerichte zubereiten können. Andere Bewohner der Werftstraße beizeichneten die Erfahrung der Evakuierung als traumatisierend. Dafür, dass sich so etwas nicht wiederholt, soll der geplante Hochwasserschutz für den Unteren Wöhrd sorgen.

Der nahm kurz vor Weihnachten noch eine wichtige Hürde. Der Planungsausschuss beschloss Anfang Dezember, dass die Stadt das Planfeststellungsverfahren beim Freistaat beantragen soll. Die Planfeststellung soll im ersten Quartal des neuen Jahres eingeleitet werden, sagte Rainer Zimmermann, Projektleiter für den Hochwasserschutz Regensburg beim Wasserwirtschaftsamt, in der Sitzung. Die Dauer so eines Verfahrens sei schwer einzuschätzen. Bisher hätten diese etwa zwei Jahre gedauert. Allerdings gebe es zu diesem Thema ja auch Beispiele wie die Sallerner Regenbrücke.

Zimmermann rechnet damit, dass allein die Ausführungsplanung, die nach dem Bescheid für die Planfeststellung ansteht, ein bis zwei Jahre dauern könnte. Erst im Zuge dieser könne ein Bauablauf erarbeitet werden. Als Ziel nannte er während der Sitzung eine Bauzeit von fünf Jahren, was er aber als straff bezeichnete. Erst mit der Ausführungsplanung wird laut Zimmermann auch der genaue Bauablauf erarbeitet. Ebenso sei unklar, wie viel Geld pro Jahr zur Verfügung gestellt werden kann. Davon sei die Bauzeit abhängig.

Auf die Frage, wann der Freistaat das Geld für den Hochwasserschutz am Untern Wöhrd in Regensburg zur Verfügung stellen wird, antwortet ein Sprecher des Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz ausweichend: „Der Hochwasserschutz für Regensburg ist eines der technisch anspruchsvollsten und größten laufenden Hochwasserschutzprojekte des Freistaats.“ Viele Umsetzungsschritte dieses Großprojekts seien bereits erfolgt. „Die einzelnen weiteren Bauabschnitte werden sukzessive umgesetzt. Derzeit laufen Gespräche über die konkrete Zeitplanung“, erklärt er weiter. Sobald die konkrete Zeitplanung klar ist, werde diese der Öffentlichkeit vorgestellt.

Ein Hoffen und Bangen

Derweil bleibt den potenziell von einem Hochwasser Betroffenen und ihren Rettern lediglich, zu hoffen, dass sich so eine Flut wie im Juni nicht wiederholt, bevor der neue Hochwasserschutz steht – oder zumindest die Ufermauer erneuert ist, damit die mobilen Hochwasserschutzwände wieder Halt finden. Diese Baumaßnahme soll frühestens Ende 2025 beginnen können.

Auf die forderndsten Momente angesprochen, antwortet Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer: „Die Entscheidung in der Führungsgruppe Katastrophenschutz treffen zu müssen, die Werftstraße zu evakuieren. Zudem mussten Schiffe verlegt und gesichert werden – und dafür musste ein vierköpfige Team von einem Hubschrauber auf die Decks abseilt werden.“ Umso berührender sei es für sie gewesen, als die Bewohner wieder in ihre Häuser gehen konnten und die Schäden nicht gravierend waren.

Auch Stefan Neudert, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Regensburg, sagt erleichtert gewesen zu sein, dass keine Personen- und größere Sachschäden entstanden sind. „Es hat aber auch gezeigt, wie notwendig der staatliche Hochwasserschutz ist und dass es richtig war, bei dessen Planung auch auf den Schutz vor drückendem Grundwasser besonders Wert zu legen“, betont er.

Kanyans Restaurant in der Werftstraße habe nach dem Hochwasser einen zweiten Start hingelegt. „Es hat ein paar Wochen gedauert und viele Leute haben angerufen, ob sie überhaupt kommen können“, sagt er. Im Moment hat er zwei Wünsche: Dass sich so etwas nicht wiederholt und dass er seine Lieferwagen kurz vor dem Lokal abstellen kann, ohne Knöllchen zu riskieren.

Pardeep Kanyan steht im Lokal Chaska in der Werftstraße. F.: Haala
Das Plakat für das Grand Opening am 1. Juni hängt noch.