Ministerpräsident besucht Krisengebiet in Regensburg: OB fordert bei Söder Hochwasserschutz ein

Von Heike Haala · 4. Juni 2024 um 18:52

Links die 30 evakuierten Häuser in der Werftstraße, rechts der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) auf Stippvisite: Am Eisernen Stegs war die Brisanz der Hochwasserlage in Regensburg am Dienstagnachmittag wie in einem Brennglas abzulesen.

Nachdem die Stadt am Montagabend 200 Menschen wegen des hohen Grundwasserspiegels aus der Werftstraße evakuiert hatte, ist immer noch unklar, wann sie wieder in ihre Häuser zurückkehren können. Die Werftstraße ist weiterhin streng abgesperrt, gab Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, Auskunft. Außer den Einsatzkräften darf dort gerade niemand hin. Denn: Es besteht laut einer Pressemitteilung der Stadt die unmittelbare Gefahr, dass die Hochwasserschutzelemente keinen Halt mehr haben, schlagartig versagen und die Werftstraße geflutet wird.

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Am Nachmittag machte sich Söder zusammen mit Katastrophenschutzminister Joachim Herrmann (CSU) und Umweltminister Thorsten Glauber (FW) ein Bild von der Lage in diesem Gebiet. Nach einem kurzen Marsch im Medientross zum Sandsackdepot mit Blick auf die Werftstraße sagte er, dass er noch keine Entwarnung geben könne. „Im Gegenteil: Wir sind in Hab-Acht. Wir fokussieren uns darauf, dass wir die nächsten Tage gut überstehen“, machte er die Lage deutlich. Gut sei, dass die Regenfälle nachgelassen haben, aber es sei der Zulauf der einzelnen Bereiche in die Donau, der nun hier spürbar ist.

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Sorge um das Grundwasser

„Und wir haben noch eine Sondersituation, die wir jetzt hier gerade erkennen: Eigentlich funktioniert der Hochwasserschutz in Regensburg“, sagte er. Die Stadt sei erfahren, professionell und gut aufgestellt. Aber das Grundwasser mache die Verankerungen der Spundwände wackelig. „So, dass die Evakuierungen notwendig wurden“, erklärte Söder. Er verwies auf das 100-Millionen-Programm des Bayerischen Kabinetts von am Dienstag, zu dem Soforthilfen für Privathaushalte, für Firmen und für landwirtschaftliche Betriebe gehören. Jetzt fange das Aufräumen an: „Deswegen ist jede helfende Hand gefragt“, machte Söder deutlich.

Seit 2001 habe der Freistaat laut Söder vier Milliarden investiert, bis 2030 werde es weitere zwei Milliarden für den Hochwasserschutz geben. Dazu konfrontierte Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) ihn wenig später mit einer deutlichen Forderung: Sie sei froh darum, den Hochwasserschutz zusammen mit dem Freistaat vorangetrieben zu haben. Es sei aber notwendig, am Oberen und Unteren Wöhrd weiterzumachen, sagte sie. Immerhin sei es ja gerade der Untere Wöhrd mit der Werftstraße, der gerade Sorgen bereitet. Und: „Da müssen wir weiter kommen!“

Weil der Hochwasserschutz, der für den Unteren Wöhrd geplant ist und der unter anderem die nun evakuierten Bewohner in der Werftstraße schützen soll, auch elf Jahre nach der Jahrhundertflut im Jahr 2013 nicht steht, schwebte über dem Tag auch die Frage, wie weit dieses Projekt inzwischen gediehen ist. Rainer Zimmermann, stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftsamts Regensburg, sagte dazu auf Anfrage: „Um in die Planfeststellung einsteigen zu können, müssen wir nun die Planung fertigstellen.“ Der Prozess befinde sich in der finalen Phase. Im nächsten Schritt müsse dann geklärt werden, ob der Freistaat das Projekt finanziert. Maltz-Schwarzfischer kündigte an, dass es noch in diesem Jahr einen Einleitungsbeschluss geben soll.

„Wir haben noch ein, zwei Tage echte Anspannung vor uns und die Sorge, dass uns das hält, was wir an Schutzmaßnahmen auf den Inseln aufgebaut haben“, prognostizierte Maltz-Schwarzfischer. Das Problem seien der wackelige Grund, auf dem die Spundwände stehen, und das nur langsam abfließende Wasser. Der Pegel bewege sich laut Maltz-Schwarzfischer auf hohem Niveau, werde aber nicht mehr deutlich höher werden. Der Scheitel laufe gerade bei Kelheim, sagte Glauber am Dienstag. Es werde in Regensburg noch einen leichten Anstieg geben.

Söder dankte der Stadt Regensburg. „Wir wissen, dass wir hier super Profis haben“, sagte er zur Oberbürgermeisterin. Auch bei den Rettern bedankte er sich. „Jetzt hoffen wir, dass wir die nächsten zwei, drei Tage überstehen“, schloss er. Als Dank für die Retter in der Not werde es in diesem Jahr statt des Hofgartenfestes in München einen Helferempfang geben.

Als auch Herrmann den Helfern dankte, rief einer der vor Ort protestierenden Umweltaktivisten dem Ministerpräsidenten zu: „Wann bauen wir Windkraft in Bayern, Herr Söder?“ Der antwortete: „Würden sie mal mithelfen, aufzuräumen?“ Als der Mann zurückschrie, sich schon in die Liste der Hilfsbereiten bei der Stadt eingetragen zu haben, riet Söder ihm, auch woanders anzupacken.

Pegel weiter hoch

Der Wasserstand der Donau bewegte sich laut des Hochwassernachrichtendienstes (HND) am Bayerischen Landesamt für Umwelt am Dienstag über mehrere Stunden bei zwischen 6,15 und 6,16 Metern. Laut Prognose (Stand: 4. Juni, 18 Uhr) ist lediglich noch ein leichter Anstieg möglich. Bereits am Montag aber hatte die Führungsgruppe Katastrophenschutz informiert, dass wegen des hohen Grundwasserspiegels auch nach dem Abfließen der Flut nicht mit einer Entspannung der Lage zu rechnen sei, weil weiterhin Keller und Tiefgaragen volllaufen können. Und so gelten bis auf weiteres der Katastrophenfall, Meldestufe 4 von vier und die schärfste Hochwasserwarnung vor Überschwemmungsgefahr für bebaute Gebiete.

Der Einsatz in der Werftstraße am Montagabend Foto: Haala
Der Waller ist fast schon im Wasser. Foto: Daniel Steffen
Selfie mit Söder