Verkehr in Pottenstetten: Risiko und Ärgernis für die Anlieger der Kreisstraße

Wie gefährlich ist die Ortsdurchfahrt von Pottenstetten? Diese Frage bewegt die Dorfbewohner nicht erst, seit vor gut zehn Tagen auf Höhe des Spielplatzes ein mit 26 Tonnen Zement beladener Silozug umgekippt ist. Seitdem aber ist das Eisen besonders heiß. Die Pottenstettener wollen es nun schmieden.
Ihr Ziel für die Anwohner ist klar: Der Verkehr muss gebändigt werden. Aus diesem Grunde lotsten die Stadträte Thomas Hofmann (CSU) und Josef Schießl (FWL) jetzt sogar Landrat Thomas Ebeling zu einem Ortstermin. Der Chef der Kreisverwaltung war am Freitag ohnehin nach Dirnau gefahren, weil ihm die BI „Heimat schützen – Steinbruch stoppen“ ein Unterschriftenpaket überreichen wollte. Da war der Weg nach Pottenstetten nur noch ein Katzensprung.
Häufig wird es brenzlig, selten bekommen Behörden das mit
Mitten im Ort versammelten sich mehrere Anwohner der Kreisstraße SAD10, und auch der Chef der CSU-Stadtratsfraktion, Michael Schaller, gesellte sich dazu. Gemeinsam begutachtete man die deutlich sichtbaren Schäden, die durch den Unfall am 25. Februar entstanden waren. Erneut wurde berichtet, dass sich nur wenige Minuten, bevor der Fahrer des Zementlasters die Kontrolle verlor, ein Kind an der Unfallstelle aufgehalten habe. Glücklicherweise entfernte es sich rechtzeitig.
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Pottenstetten schrammte also knapp an einer Katastrophe vorbei. Es blieb bei Sachschaden. Doch der Schreck steckt die Bewohnern weiter in den Gliedern. Aus den Schilderungen mehrerer Anwohner war zu vernehmen: Dass sich nicht schon viel früher ein schwerer Unfall im Ort ereignet hat, ist nur dem Zufall geschuldet. Brenzlige Situationen habe es in den vergangenen Jahren en masse gegeben, von abrasierten Seitenspiegeln ganz zu schweigen. Das Wenigste sei statistisch erfasst.
Hupen-Protest und eine Watsche
Das Hauptproblem, so hieß es, sei, dass sich zu viele nicht an Tempo 50 halten würden. Manche Anwohner versuchten auf ihre Weise, den Verkehr zu bremsen – und erlebten böse Überraschungen. Weil Autos am Fahrbahnrand abgestellt worden waren, reagierten Lasterfahrer nachts mit Gehupe. Johann Hummel berichtete, er habe sich von einem erbosten Trucker eine Watsche eingefangen.
Bei den Vorstellungen, was zutun sei, herrschte keine Einigkeit. CSU-Rat Hofmann hatte schon im Bauausschuss für einen fest installierten Blitzer geworben. Doch im Ort ist diese Lösung umstritten. Volker Liebl vertrat beispielsweise die Ansicht, „dass so etwas nichts bringt, weil sich die Fahrer darauf einstellen“. Vor dem Blitzer bremsten sie ab, dann würden sie sofort wieder Gas geben. Eine mobile Kontrolle wäre laut Liebl mittelfristig wirksamer.
Der Landrat bittet um Geduld
Auch die Forderung nach Tempo 30 wurde erörtert. Der Landrat hörte sich alles an, um dann vor voreiligen Schlüssen zu warnen und um Geduld zu bitten. Erst solle man die vollständige Analyse des Unfalls vom 25. Februar abwarten, dann sei eine Verkehrsschau mit der Polizei angesagt – und dann müsse man überlegen, ob und wie Verbesserungen zu erzielen seien. Aktuell sei es also zu früh, irgend etwas konkret in Aussicht zu stellen. Der Landrat wörtlich: „Ich will nichts versprechen, was ich dann nicht halten kann.“
Wie die MZ aus verlässlicher Quelle erfuhr, war auch der Unfallfahrer, der die aktuelle Debatte ausgelöst hat, zu flott unterwegs. Offiziell gibt es aber keine Belege, dass in Pottenstetten überdurchschnittlich viele Raser unterwegs wären.
Bürgermeister dringt auf einen Geschwindigkeitstrichter
Laut Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) führt der Zweckverband Verkehrsüberwachung mehrfach im Jahr Messungen durch. Die Zahl der Verstöße sei zuletzt (am 21. Januar) absolut im Bereich des Üblichen gewesen. Es gab zehn Verstöße. Der schnellste Verkehrsteilnehmer war mit 68 km/h unterwegs.
Zum „festen Blitzer“ erklärte Gesche, bei mehreren Verkehrsschauen hätten Polizei und Landratsamt beteuert, dass die Voraussetzungen dafür nicht vorlägen. Aus aktuellem Anlass werde die Stadt diese Frage aber erneut und mit Nachdruck stellen.
Unabhängig davon hat der Bürgermeister kürzlich angeordnet, dass mit mobilen Geräten ab sofort häufiger geblitzt wird. Zudem beauftragte er das Ordnungsamt, bei einem zeitnahen Termin auf einen sogenannten Geschwindigkeitstrichter hinzuwirken. Dadurch soll die zulässige Höchstgeschwindigkeit in einem Teilbereich auf 30 km/h gesenkt werden. Gesche ist überzeugt: Durch diese Maßnahmen ließe sich „rasch eine wesentliche Verbesserung herbeiführen“.
