Gründe sind vielfältig: In Pottenstetten und Dietldorf läuft der Grundstücksverkauf schleppend

Von Thomas Rieke · 4. März 2025 um 05:00

Baugrund, vollerschlossen und in guter Lage – so etwas war bis vor wenigen Jahren heiß begehrt. Ein ganzes Bündel negativer Einflüsse, insbesondere die Folgen von Corona und des Ukraine-Kriegs, haben die Situation dramatisch verändert. Zu sehen ist das auch im Burglengenfelder Umland im Landkreis Schwandorf.

Die Rede ist von den Baugebieten Pottenstetten-Mitte und Dietldorf-Straßäcker II. Beide wurden ausgewiesen, weil es hieß, in den Dorfgemeinschaften gebe es speziell unter jungen Familien den dringenden Wunsch, im Heimatort zu bauen. Die Stadt wollte sich dem, trotz vereinzelter Bedenken, nicht verschließen, sondern im Gegenteil, ein Zeichen guten Willens setzen.Mittlerweile sind sowohl in Pottenstetten-Mitte, Teil B (15 Parzellen), als auch in Dietldorf (neun) die Erschließungsarbeiten längst beendet. Doch von einer Ausnahme abgesehen, hat noch niemand einen Spatenstich gewagt.

Blick auf Pottenstetten-Mitte: Am Ende der Stichstraße, die von der Ortsdurchfahrt in den Teil B des Baugebiets führt, steht, fast verloren wirkend, ein neuer Bungalow, sonst hat sich nichts getan.

Ein Sprecher der Familie, die über die Hälfte der Gesamtfläche eingebracht und mit einem zweiten Grundeigentümer privat die Erschließung gestemmt hat, bestätigt das geschwundene Interesse. Vor Corona sei die Nachfrage enorm gewesen, dann sei sie eingebrochen und habe sich bis heute nicht erholt, berichtet er.

Einer hatte Glück, einer Pech

Glücklicherweise sei es ihm gelungen, vier seiner acht Parzellen noch an den Mann zu bringen. Für den Quadratmeter habe er rund 260 Euro verlangt. Damit seien ein Großteil der enormen Vorausleistungen finanziert und interne Ansprüche befriedigt worden.

Die grundsätzlich bauwilligen Dorfbewohner seien aufgrund der allgemeinen Lage eben verunsichert, meint der Mit-Initiator des Baugebiets. Trotzdem, so habe er erfahren, wollten sich zwei Grundstückskäufer heuer oder 2026 ins Abenteuer stürzen.

Die zweite Person, die größere Flächen zu Bauland machte, hatte weniger Glück. Sie musste mit ihrer Firma, die bundesweit im Tiefbau tätig war, 2024 Insolvenz anmelden. Sieben Grundstücke aus Pottenstetten-Mitte flossen in die Insolvenzmasse ein. Nach MZ-Informationen fand sich dafür kürzlich zwar ein Käufer. Wann dieser mit der Vermarktung starten wird, ist jedoch unbekannt.

Auch Josef Schießl, Stadtrat der Freien Wähler Land, sieht in Corona einen Wendepunkt in der Baulandnachfrage. Im Zuge der Pandemie sei sie eingebrochen. Mit den Plänen von Heidelberg Materials, den Steinbruch des Zementwerks noch weiter in Richtung Pottenstetten zu erweitern, habe das erloschene Interesse nichts zu tun, meint Schießl. So wild würden die Auswirkungen für die Ortsmitte schon nicht werden.

Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) konnte die Entwicklung in Pottenstetten bislang nicht beunruhigen. Sie decke sich vielmehr mit den städtischen Erwartungen und sei für ein ländliches Gebiet absolut nicht ungewöhnlich. „Eine schrittweise Bebauung über mehrere Jahre hinweg entspricht unseren Erfahrungen aus vergleichbaren Projekten“, erklärte das Stadtoberhaupt, um zugleich noch einmal daran zu erinnern, was die Intention des Unterfangens gewesen sei: „Wichtig war und ist uns, dass Bauinteressenten die Möglichkeit haben, in ihrer Heimatgemeinde sesshaft zu werden.“ Freilich spiele auch hier die allgemeine Zurückhaltung im Wohnungsbau eine Rolle, sodass sich die Vermarktung langsamer gestalte, als in stabileren Zeiten.

Schwenk nach Dietldorf: Stadtbau-Geschäftsführer Johannes Ortner startete im Sommer 2024 ein Bieterverfahren – mit durchwachsenem Erfolg, obwohl die Grundstücke recht unterschiedliche Größen und damit auch unterschiedliche Preise haben. Sie reichen von rund 90.000 bis 160.000 Euro. Die Frist des Bewerbungsverfahrens wurde einmal verlängert. Zwischenzeitlich ist es offenbar zu einigen Kaufabschlüssen gekommen. Zumindest sind drei Parzellen auf der städtischen Homepage nicht mehr ausgeschrieben.

Stadtbau-Chef bleibt gelassen

Stadtbau-Geschäftsführer Ortner gibt sich viel Mühe, ein positives Bild zu zeichnen. Einerseits räumt er ein, steigende Baukosten, höhere Zinsen und wirtschaftliche Unsicherheiten hätten eben auch in Burglengenfeld zu einer gewissen Zurückhaltung geführt. Andererseits verfolge die Stadtbau ohnehin einen „langfristigen Ansatz“. Eine „nachhaltige und durchdachte Bebauung“ genieße beim städtischen Tochterunternehmen oberste Priorität. Ergo konzentriere man sich auch in Dietldorf auf eine „schrittweise Entwicklung“. Man mache sich keine Sorge, dass plötzlich niemand mehr in dem Ortsteil bauen wolle.

Die Schwelle zur Rentabilität ist allerdings, wie Ortner ebenfalls bestätigt, maßgeblich von der Zahl der veräußerten Parzellen abhängig. Dennoch bestehe für die Stadtbau „keinerlei Notwendigkeit, unruhig zu werden oder gar Schleuderpreise auszurufen“. Damit nicht genug: Grundsätzlich, so Ortner weiter, seien erste Anzeichen zu einer Trendwende erkennbar. Nach MZ-Informationen konnten mindestens zwei Grundstücke in den Baugebieten Hussitenweg II und IV veräußert werden.

In Dietldorf hat die StadtbauMühe, die Parzellen an den Mann zu bringen. Foto: Thomas Rieke