Steinbruch-Pläne: Burglengenfelder Bürgerinitiative übergibt 2100 Unterschriften an den Landrat

Auf den ersten Blick ist es ein ungleicher Kampf: Bewohner einiger Dörfer aus dem nördlichen Burglengenfelder Umland sowie ein Verein versuchen, Pläne des Weltkonzerns Heidelberg Materials (HM) einzudämmen. Doch die Mitglieder der extra gegründeten Bürgerinitiative haben 2100 Unterstützer hinter sich vereint. Ihre Unterschriften wurden nun an Landrat Thomas Ebeling (CSU) übergeben.
Wie berichtet, hat HM die feste Absicht, den Steinbruch in Burglengenfeld bis 2066 um weitere 45 Hektar zu erweitern. Die Abbaugrenzen für Kalk und Ton würden damit noch näher an die Stadtteile Bubenhof, Kastenhof, Dirnau und Saaß heranrücken. Die Bewohner haben nicht nur Sorge vor einem Wertverlust ihrer Immobilien, sie fürchten auch negative Auswirkungen auf ihre Gesundheit und Lebensqualität.
Aus diesem Grunde wurde im Mai vergangenen Jahres eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen. Treibende Kräfte waren unter anderem die Stadträte Thomas Hofmann (CSU) und Josef Schießl (FWL), aber auch Mitglieder des Reit- und Fahrvereins Dirnau, der seit Jahrzehnten am sogenannten Schwanzlhof, unweit des Steinbruchs, beheimatet ist.
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Die BI hat in mehreren Versammlungen über das Vorhaben von HM informiert, Aufklärungsarbeit für Einspruchsmöglichkeiten geleistet und rund 2100 Unterschriften gesammelt. Diese sollten mit Ablauf der Einwendungsfrist am vergangenen Freitag an den Chef der Kreisverwaltung, Landrat Thomas Ebeling, überreicht werden.
Nicht grundsätzlich gegen das Zementwerk, aber...
Ebeling war dazu auf die Höhen von Dirnau geladen worden. Bei herrlichem Sonnenschein, aber frischen Temperaturen nahm er sich eine Stunde Zeit, die Ausführungen der BI-Sprecher und einiger Anlieger zu hören – und selbst ein paar Takte an sie zu richten.
„Wir sind nicht gegen das Zementwerk. Aber die Pläne sollten im Einvernehmen mit der Bevölkerung entwickelt werden“, betonte BI-Sprecher Hofmann und blickte in Richtung Steinbruch. Die schon jetzt genehmigte Abbaufläche sichere der Fabrik immerhin Material für die nächsten 25 Jahre.
Im Kräftemessen mit dem Baustoffhersteller HM fühlten sich die Bürger von Dirnau und Pottenstetten wie einst Asterix und Obelix gegen die Römer, sagte Hofmann. Aber den wackeren Oberpfälzern sei es gelungen, zahlreiche Unterstützer zu gewinnen. Besonders stolz ist der Landwirt darauf, dass sich der Stadtrat über alle Fraktionen hinweg mit der BI solidarisierte.
Bürgermeister hofft auf faire Abwägung
„Auch wir wollen keinen Krieg mit dem Zementwerk“, sagte Sarah Reif als Vorsitzende des Reitvereins. Die am Tisch liegenden Pläne stellten für die Heimat der Pferdefreunde jedoch eine existenzielle Bedrohung dar. Daher sei es wichtig, einen Kompromiss zu finden.
Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) beschrieb, wie sich die Stadt um einen Mittelweg bemühe. Sie sei Partner der angesiedelten Betriebe, aber verstehe sich natürlich auch als Interessenvertreter ihrer Bürger. Gesche appellierte an HM, die angestrebten Abbaugrenzen zu reduzieren und die Kosten für Beweissicherungsverfahren zu übernehmen. An Ebeling überreichte er den jüngsten Beschluss des Stadtrats zu dem Thema, der eine Liste von Forderungen enthält. Gesche hofft nun, dass im Landratsamt eine Abwägung stattfindet, „die allen Interessen gerecht wird“.
Mitte des Jahres wird es wieder spannend
Der Landrat erklärte, bis Ende Februar seien rund 100 Einwendungen eingereicht worden (*). Die Auswertung werde vermutlich bis zur Jahresmitte dauern. Dann sei auch die Zeit für den Erörterungstermin, bei dem Betroffene erneut die Möglichkeit haben sollen, am Planfeststellungsverfahren mitzuwirken. Laut Ebeling ist damit zu rechnen, dass der Antrag von HM so gestaltet ist, dass ein grundsätzliches Recht auf Genehmigung besteht. Allerdings könnte es Auflagen geben.
Im Anschluss legte der Landrat in Saaß einen Stopp ein und ließ sich von Bewohnern veranschaulichen, was es für sie bedeutete, wenn der Steinbruch noch näher an sie heranrückt.
(*Anmerkung der Redaktion: Nach einer Information des Landratsamts vom Mittwoch, 5. März, liegt die Zahl der Einwendungen doch deutlich höher, nämlich bei 275.)
