Alpaka-Nachwuchs in Kelheim: Bei Familie Plank kann man die Tiere hautnah erleben

Ein Geburtstagsgeschenk veränderte das Leben von Lea und Florian Plank – heute setzen sie auf Alpakazucht und Erlebnisangebote statt Milchwirtschaft. Mit ihrem Hof in Kelheim schaffen sie einen Ort, an dem Besucher Natur und Tiere hautnah erleben können.
Landwirtschaft bedeutet längst nicht mehr nur Ackerbau und Viehzucht. Immer mehr Höfe setzen auf ein zusätzliches Standbein: Erlebnisangebote für Besucher. Ob Bauernhof-Cafés, Streichelzoos oder Wanderungen mit Tieren – das Konzept der Erlebnislandwirtschaft boomt. Statt nur regionale Produkte zu verkaufen, schaffen immer mehr Landwirte Erlebnisse, die Menschen den direkten Kontakt zur Natur und zu Tieren ermöglichen.
Alpakazucht und Erlebnisangebote statt Milchwirtschaft
Ein Beispiel dafür sind Lea (29) und Florian (31) Plank von Bergtraum Alpalas. Im Kelheimer Ortsteil Affecking haben sie auf dem Hof von Florians Onkel eine neue Richtung eingeschlagen: Statt Milchwirtschaft setzen sie auf Alpakazucht und Erlebnisangebote wie Alpaka-Wanderungen und das Weidezeit-Angebot.
Damit sind sie nicht allein – immer mehr Landwirte verknüpfen nachhaltige Landwirtschaft mit touristischen Erlebnissen. „Die Erlebnislandwirtschaft gewinnt auch im Landkreis Kelheim zunehmend an Bedeutung“, bestätigt Wolfgang Beck, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands (BBV).
Ein Geschenk mit Folgen
Früher standen auf dem Hof der Familie Plank Milchkühe. Doch als Florian Planks Großvater starb, entschieden sie sich gegen eine kostspielige Modernisierung des Stalls. Stattdessen suchten sie nach einer neuen Möglichkeit, den Hof sinnvoll weiterzuführen.
Der erste Kontakt mit Alpakas entstand durch ein Geburtstagsgeschenk: Lea Plank schenkte ihrem Mann eine Alpaka-Wanderung bei einem anderen Anbieter. Begeistert von den sanftmütigen Tieren schickten sie ihrem Onkel spaßeshalber ein Foto mit der Nachricht, sie hätten Alpakas gekauft. Seine positive Reaktion brachte sie zum Nachdenken.
Nach Gesprächen mit ihm war klar, dass dem Vorhaben nichts im Weg stand, solange er keine zusätzliche Arbeit hatte. Aus einem Scherz wurde Realität, und die Planks begannen mit der Planung. Die ersten drei Alpakas – eine Mutter mit Fohlen und eine braune Stute – kamen auf den Hof. Schnell merkten sie jedoch, dass tragende Stuten für Wanderungen ungeeignet waren, und erweiterten die Herde um Hengste, was den Bau eines zusätzlichen Stalls erforderte.
Die Entscheidung für Alpakas fiel nicht nur aus persönlicher Begeisterung, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen. Die klassische Landwirtschaft steckt in der Krise: Hohe Betriebskosten und sinkende Erzeugerpreise erschweren kleinen und mittelständischen Betrieben das Überleben.
Großes wirtschaftliches Potenzial
Hier kommt die Erlebnislandwirtschaft ins Spiel. Statt nur auf Erträge aus Ackerbau und Viehzucht zu setzen, öffnen immer mehr Betriebe ihre Türen für Besucher. „Man kann heutzutage von der Landwirtschaft allein nicht mehr gut leben. Man braucht schon wirklich viel Fläche oder auch viele Tiere, damit es funktioniert“, erklärt Florian Plank.
Auch BBV-Geschäftsführer Wolfgang Beck sieht in diesem Ansatz großes Potenzial: „Die Erlebnislandwirtschaft bietet Landwirten die Chance, ihre Betriebe wirtschaftlich breiter aufzustellen, neue Zielgruppen zu erschließen und eine stärkere Verbindung zwischen Verbrauchern und Landwirtschaft zu schaffen.“ Aus diesem Grund entschieden sich die Planks, ihren Hof für Besucher zu öffnen und Erlebnisangebote rund um ihre Alpakas zu schaffen.
Tiere sind an extreme Wetterbedingungen gewöhnt
Ursprünglich stammen Alpakas aus den Anden in Südamerika, wo sie an extreme Wetterbedingungen gewöhnt sind. In Deutschland kommen sie jedoch gut mit den sommerlichen Temperaturen und kalten Wintern zurecht. „Sie vertragen sowohl Wärme als auch Kälte ohne Probleme“, so Florian Plank. Um im Sommer nicht unter ihrem dichten Vlies zu leiden, werden sie Mitte Mai geschoren, während es sie im Winter vor der Kälte schützt. Auf dem Hof der Planks gibt es zudem genügend Weidefläche, sodass die Tiere sich frei bewegen können.
Neben den Wanderungen und Weidezeiten haben Lea und Florian Plank noch eine weitere Vision für ihre Alpakas: den Einsatz in der tiergestützten Therapie, insbesondere zur Burnout-Prävention. Alpakas sind bekannt für ihre ruhige, entspannte Art – ein Verhalten, das sich auf Menschen überträgt. „Viele sagen, wenn du Zeit mit Alpakas verbringst, wirst du selbst ganz ruhig. Und genau das ist ja das, was gestresste Menschen oft brauchen“, erklärt Lea Plank.
Mit Babybauch auf Baustelle
Das Ehepaar steht bereits in Kontakt mit sozialen Einrichtungen, die mit Kindern, Menschen mit Behinderungen oder stressgeplagten Erwachsenen arbeiten. Für diesen Bereich sind noch weitere Planungen notwendig, doch die Planks sind motiviert, ihr Konzept langfristig auszubauen.
Jeder hat uns damals für verrückt erklärt“, erinnert sich Lea Plank. Sie war hochschwanger mit ihrer zweiten Tochter, als ihr Mann den Stall baute – während sie selbst mit dem Traktor über den Hof fuhr, um die Weide vorzubereiten. Doch das Paar ließ sich nicht beirren.
Handgefertigte Produkte
Mittlerweile haben sie nicht nur eine Herde aus zehn Tieren, sondern auch eine klare Vision für die Zukunft. Mit der Geburt ihres ersten Alpaka-Fohlens, Silver Hunter, wächst die Zucht der Planks weiter.
Neben Wanderungen und Weidezeiten bieten die Planks Alpakaprodukte wie Mützen, Kuscheltiere oder Decken an. Gutscheine für die Erlebnisangebote sowie die handgefertigten Produkte sind über ihren Instagram-Account erhältlich. Die ersten Termine für Alpaka-Wanderungen und Weidezeiten stehen bereits fest. Zudem wollen sie langfristig an Zuchtshows teilnehmen, um die Qualität ihrer Tiere weiterzuentwickeln und sich mit anderen Züchtern auszutauschen.
Bergtraum Alpakas: Erlebnisangebote
Alpaka-Wanderung: Besucher wandern in einer kleinen Gruppe mit maximal vier Tieren durch die Natur. Während der etwa 45- bis 60-minütigen Tour gibt es laut Betreibern spannende Infos über die Alpakas. Die Teilnahme kostet 30 Euro pro Person mit eigenem Alpaka, Begleitpersonen zahlen 10 Euro. Kinder ab 12 Jahren dürfen ein Tier selbst führen.
Lesen Sie außerdem: Mit „Pizza Palooza“ schuf ein Paar die erste fahrende Pizzeria im Landkreis Kelheim
Weidezeit mit Alpakas: Besucher kommen in direkten Kontakt mit den Tieren auf der Weide. Sie können die Alpakas füttern, beobachten und Fotos mit ihnen machen. Der Preis beträgt 5 Euro für Kinder (4–12 Jahre) und 25 Euro für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren. Kinder bis drei Jahren können kostenlos teilnehmen.
Gutscheine und Infos: Mehr Informationen zu den Angeboten sowie Gutscheine und Alpaka-Produkte sind über Instagram (@bergtraum.alpakas) oder online unter www.bergtraumalpakas.de erhältlich.
