Neuer alter Wunsch: Denkmalschutz für das Regensburger Hallenbad gefordert

Von Rainer Wendl · 1. März 2025 um 10:00

Vor der geplanten Sanierung des Regensburger Hallenbads kommt Kritik auf. Ein Stammgast fordert den unveränderten Erhalt und Denkmalschutz für den 50er-Jahre-Bau.

Die Gnadenfrist läuft, ihre Dauer ist ungewiss. Nach der verschobenen Schließung des Hallenbads an der Gabelsbergerstraße hängen an der Eingangstür mittlerweile Hinweiszettel zu Sonderöffnungszeiten am 20. März. Der Betrieb läuft also mindestens noch ein paar Wochen weiter. Stammgästen wie Astrid Loeprecht ist das sehr recht. Sie geht mittlerweile sogar davon aus, dass das Hallenbad bis zum Saisonstart des RT-Bads Anfang Mai durchhält. Über die Zeit danach macht sie sich jedoch Sorgen.

Den ehrgeizigen Plänen der Stadt – bis 2030 soll für 17,5 Millionen Euro die bestehende Schwimmhalle saniert und durch einen Teilneubau mit Lehrschwimmbecken ergänzt werden – traut sie nämlich trotz eines gültigen Stadtratsbeschlusses nicht so recht über den Weg.

Zweifel an Geld für Umbau

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Stadt dieses Geld für so ein Projekt aufbringt. Die Autoindustrie schwächelt, die Auswirkungen werden bald zu spüren sein“, sagt Loeprecht. Ihre Befürchtung lautet daher: Wenn das Hallenbad erst einmal geschlossen hat, wird es so schnell nicht mehr aufmachen. Als abschreckendes Beispiel nennt sie dabei das Volksbad in Nürnberg. Das Jugendstil-Juwel ist seit 1994 zu, erst in diesem Sommer wird die jahrzehntelang verzögerte Sanierung abgeschlossen sein.

Um ein ähnliches Szenario in Regensburg zu verhindern, plädiert Loeprecht für eine kostengünstigere Variante. Das wäre eine Bad-Sanierung für etwa vier Millionen Euro. „Wenn die Stadt darüber hinaus Geld hat, soll sie es lieber in den Wohnungsbau stecken“, sagt sie.

Auf den Teilneubau am Hallenbad würde sie jedenfalls verzichten – aus Geldgründen, vor allem aber der Ästhetik wegen. Mit Blick auf die bestehende Schwimmhalle und den im 90-Grad-Winkel dazu angeordneten Funktionstrakt spricht sie von einer „stimmigen Einheit“. Den geplanten modernen Anbau bezeichnet sie hingegen als „Blubberquatsch“, der die Anlage „entstellen“ würde.

Diese deutliche Meinung hat die Hallenbad-Freundin bereits im Herbst dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und dem städtischen Denkmalamt mitgeteilt, verbunden mit der Forderung, das Ensemble an der Gabelsberger Straße unter Denkmalschutz zu stellen. „In seiner gut durchdachten Funktionalität steckt viel Schönheit“, schwärmte Loeprecht in ihrem unbeantwortet gebliebenen Schreiben, in dem sie unter anderem auf die großzügige Eingangshalle mit ihrem Wellenputz und dem eleganten Treppengeländer eingeht.

Diese Gebäudeteile müssten dem Teilneubau weichen, obwohl sie gestalterisch und inhaltlich zu den wesentlichen Merkmalen des Hallenbads gehören. Loeprecht deutet dazu auf die Inschrift am Fries oberhalb des großen Panoramafensters der Eingangshalle: „Durch Bürgersinn erbaut in den Jahren 1954/55“, steht da zu lesen. Dieser Satz beeindruckt sie tief und lässt sie fragen: „Was wird heute noch durch Bürgersinn erschaffen? Heute wird durch Immobilienspekulationssinn gebaut.“

„Für behutsame Sanierung“

Neu ist die Forderung nach einer Unterschutzstellung freilich nicht. „Die Altstadtfreunde haben sich schon 2018 für den unbedingten Erhalt des Hallenbads ausgesprochen, als erstmals ein möglicher Abbruch im Raum stand“, erinnert der Vereinsvorsitzende Peter Morsbach. Am hohen Wert des Bauwerks lässt er keinen Zweifel: „Es handelt sich um ein herausragendes Beispiel der Architektur der 1950er Jahre in Regensburg.“

Den Denkmal-Rang habe es daher ebenso verdient wie das aus derselben Zeit stammende Gebäude der Fachhochschule an der Prüfeninger Straße, das seit Sommer 2023 dieses Prädikat hat. „Das Hallenbad steht nicht unter Denkmalschutz, was es angreifbar macht“, mahnt Morsbach. Er sieht die Architektur der Nachkriegszeit insgesamt als gefährdet an und verweist auf die Sprengung des Wirsing-Turms am Ernst-Reuter-Platz, den beantragten Abriss des Gefolgschaftshauses der Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft oder den geplanten Abbruch der Kreuzkirche.

Weil sein Vater bei der DLRG war, sei er als Kind Dauergast gewesen und „schwimmerisch im Hallenbad sozialisiert“ worden. Doch nicht nur wegen dieser persönlichen Verbundenheit sagt Morsbach: „Die Altstadtfreunde und ihr Vorsitzender plädieren für eine behutsame Sanierung und unge- schmälerte Erhaltung des Hallenbads.“ Während er damit eine klare Positionierung zum geplanten modernen Anbau elegant umschifft, hofft Astrid Loeprecht auf das Inkrafttreten einer bekannten Regel: Dass Geldnot am Ende oft der beste Denkmalschützer ist.