Darum ist das OTH-Stammhaus in der Prüfeninger Straße denkmalgeschützt

Wer in Regensburg Denkmalschutz hört, denkt an die vor Jahrhunderten erbauten Altstadt-Gebäude. Jünger und dennoch ein Baudenkmal ist das Stammhaus der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) in der Prüfeninger Straße. Ein baukünstlerisch wie -technisch und zeitgeschichtlich herausragendes Gebäude sieht das Staatliche Bauamt im OTH-Stammhaus.
Im Vergleich zum hochmodernen Campus am Galgenberg behandeln Studierende das OTH-Stammhaus in der Prüfeninger Straße eher stiefmütterlich: zu alt, hässlich, sanierungsbedürftig, so die vorherrschende Meinung. Zumindest beim letzten Punkt stimmt Stefan Krabatsch, beim Staatlichen Bauamt mit den Liegenschaften der OTH betraut, zu – aber auch nur bei diesem. Ansonsten gilt: „Das ist ein ganz herausragendes Gebäude in baukünstlerischer und zeitgeschichtlicher Hinsicht.“ Dank Denkmalstatus soll dieser Charakter erhalten bleiben bei der anstehenden Sanierung des 50er-Jahre-Baus.
OTH-Mutterhaus in Regensburg: Avantgarde der Baukunst
Bei einem Rundgang durch das Stammhaus mit OTH-Präsident Ralph Schneider, Elke Würth, zuständig für Gebäude und Technik der OTH, und Gerhard Haslbeck, Bereichsleiter Hochschulbau am Staatlichen Bauamt, gerät Krabatsch schnell ins Schwärmen über die aufwendige künstlerische Ausgestaltung des Bauwerks. Nach der schwerfälligen Monumentalarchitektur der Nazizeit bedurfte es einer Design-Neuausrichtung. Neben dem Einfluss der skandinavischen Moderne besinnte man sich der Ideale des Bauhaus: Licht, Luft, Sonne, Öffnung. Auf „viele kleine, zauberhafte Details“ weist Krabatsch bei seiner Führung durch das Gebäude hin: verspringende, schlanke Stäbe am Treppengeländer im Foyer; die in jedem Gang unterschiedliche Gestaltung der Bodenfließen; den gläsernen, schwerelos wirkenden Eingangsbereich; den wächsernen Schimmer der Wandgelmälde.
Eine ausführliche Tour durch das OTH-Stammhaus sehen Sie hier im Video:
Bauhaus-Ideale treffen skandinavische Moderne
Die Flure seien nicht als bloße Wege von A nach B gedacht worden, sondern als Räume des Aufenthalts, der Kommunikation. Großzügige Fenster sorgen für Helligkeit, Krabatsch erkennt eine „fast schon musikalische Komposition“ des hereinfallenden Lichts. Offen verlaufende Rohre unter der Kellerdecke seien in der Nachkriegszeit in Großbritannien in Mode gewesen und im Hochschulgebäude „zur Kunstform erhoben“ worden. Über dem Eingang von der Prüfeninger Straße zeugt ein repräsentativer Balkon noch vom „Geist der 30er Jahre“, erläutert Krabatsch. „Aber feiner, filigraner geht es nicht“, urteilt er über die dünnen, fast verschwindenden Sprossen – ein krasser Gegensatz zur brachialen Architektur des Nationalsozialismus.
Hinter dem Schaltpult im früheren Physiklehrsaal fühlt sich Krabatsch „ein bisschen wie im Deutschen Museum“, auch das Atomlabor im Untergeschoss zeuge von der Technikbegeisterung der 50er Jahre.
Im Start-Up-Lab oder dem Hightech-Labor der Gebäudetechniker sind modernste Geräte mit Rücksicht auf die historischen Räume eingepasst worden. Die Mischung aus zeitgemäßer Nutzbarkeit und Erhalt des Baudenkmals kann als Blaupause für die anstehende Sanierung dienen.
In den 2010er Jahren beginnt das Landesamt für Denkmalpflege den Fokus auch auf Bauwerke der Nachkriegsjahre zu legen. Vieles an Originalbestand ist da bereits kaputtsaniert oder abgerissen. „Die OTH ist ein Präzedenzfall in Regensburg“, wie mit Bauwerken dieser Epoche umzugehen ist, sagt Gerhard Haslbeck. Im September 2018 wird das Stammhaus unter Denkmalschutz gestellt.
Vor dem Abriss gerettet
Überlegungen, die Gebäude in der Prüfeninger Straße 58 abzureißen und das laut OTH-Präsident Schneider „attraktive Gelände als gedankliche Gegenfinanzierung zum Campus am Galgenberg“ mit Wohnungen zu bebauen, sind damit passé. Die Gebäude bleiben Hochschulstandort. Gesundheitsstudiengänge haben dort ihre Heimat, ebenso das ein oder andere Labor, das Start-Up-Lab, eine Teilbibliothek und Büros von Forschungsmitarbeitenden.
Mittlerweile konkretisiert sich die Sanierung des Baus unter Denkmalschutzauflagen. „Das ist keine Bürde, das ist eine Chance“, sagt Haslbeck. In die Ideenfindung, aus der ein Nutzungskonzept entstehen soll, werden bereits Studierende der Fakultät Architektur eingebunden. Die würden sich noch wenig Gedanken machen, was die Denkmalschützer zu ihren Plänen sagen, freut sich Haslbeck über unvoreingenommenen Input. Man brauche zwar ein bisschen Fantasie, um sich vorstellen zu können, wo das hinführen kann, gesteht Schneider angesichts des bestehenden Sanierungsstaus. Doch auch er begreift den Denkmalschutz als Chance: Der Standort könne als „Reallabor der Hochschule“ dienen, indem man Studierende einbezieht. „Die sind ja kreativ, die können sich auch einmal austoben mit wilden, tollen Ideen“.
In den nächsten Monaten soll laut Schneider das Nutzungskonzept erstellt werden, danach kann mit der Planung der Sanierung begonnen werden. Ein baulicher Zeitplan ist noch nicht abschätzbar.







