Heftige Anwürfe um Kaiser-Therme in Bad Abbach: „Verkaufstheater ohne seriösen Investor“

Von Martin Rutrecht · 1. März 2025 um 18:00

Die Kaiser-Therme in Bad Abbach (Landkreis Kelheim) soll verkauft werden. Mitten rein platzt nun ein Scharmützel. „ProTherme“ spricht von neuen Einsparungen bei Behandlungen und Sauna und bezeichnet den Verkaufsprozess als „Nebelkerze“. Der aktuelle Träger und Bad Abbachs Bürgermeister kontern.

Der Ton ist scharf. In einer „Stellungnahme“ teilt die Aktionsgruppe „ProTherme“ heftig aus. Bad Abbachs Bürgermeister Benedikt Grünewald solle seine Zusagen zum Erhalt der Therme umsetzen „und nicht an der Chronik des Niedergangs mitarbeiten“, heißt es etwa.

An anderer Stelle steht: „Man gewinnt zunehmend den Eindruck, das ganze Verkaufstheater ist nur eine gewaltige Nebelkerze, um alsbald festzustellen, dass die Kaiser-Therme unwirtschaftlich bleibt, rückgebaut und das Bauland veräußert werden muss.“

Die Initiative, die von mehreren Bürgern (unter anderem Marktrat Siegfried Schneider, der das Schreiben auch zeichnet) geführt wird, spricht sich für den Weiterbestand der Therme in öffentlicher Hand aus. Der Zweckverband Kurmittelhaus Bad Abbach wird seine Trägerschaft jedoch spätestens Ende September 2026 abgeben. Eine 50-Millionen-Euro-Sanierung sei nicht zu stemmen. Ein privater Investor soll übernehmen, ist aber noch nicht gefunden.

Keine Behandlung von Privatpatienten? „Nicht zutreffend“

Anfang 2025 wurden Einsparungen in der Kaiser-Therme bekannt: Behandlungsrezepte von gesetzlich Versicherten werden nicht mehr angenommen, abgesehen von Unterwassergymnastik. Nun will „ProTherme“ von einer weiteren Angebotsreduzierung erfahren haben. „Ab 1. April 2025 sollen auch keine Privatpatienten mehr behandelt werden.“

Diese Annahme „ist nicht zutreffend“, entgegnen Zweckverbands-Geschäftsführerin Katrin Landes und Bürgermeister Grünewald auf Anfrage der Mediengruppe Bayern. Mithin gebe es auch keinen Personalabbau, ergänzen sie.

Zwei Tage pro Woche keine Sauna – normaler Sommer-Modus

Bei den Saunen spricht „ProTherme“ ebenfalls von einer anstehenden Reduzierung. „Ab dem 1. Mai wird der Saunabetrieb für zwei Tage in der Woche eingestellt“, heißt es im Schreiben. Laut Zweckverband und Gemeindeoberhaupt sei das keine Neuerung: „Traditionell unterscheidet die Kaiser-Therme Sommer- und Winteröffnungszeiten in den Bereichen Thermalbad und Saunawelt. Die Sommeröffnungszeiten wurden bereits während der Corona- und Energie-Krise immer wieder an das Gästeaufkommen angepasst.“

Von Mai bis August sei die Saunawelt Dienstag und Mittwoch geschlossen. Womit Bad Abbach nicht allein da stehe. „In allen Thermen der niederbayerischen Thermengemeinschaft ist feststellbar, dass sich bei den immer heißer werdenden Sommertagen die Nachfrage und Nutzung der Saunabereiche reduziert“, so Landes und Grünewald. Aus betriebswirtschaftlichen Gründen und um das vorhandene Personal „effizient und kräfteschonend“ einsetzen zu können, würden nach Bedarf an allen Standorten Öffnungszeiten angepasst.

„Mehrere Interessenten“ für Kauf

Die Suche nach einem Käufer stellt sich für „ProTherme“ als „Nebelkerze“ dar. „Den versprochenen seriösen Investor wird es nicht geben, sonst würde man nicht jetzt schon das Leistungsangebot so drastisch zurückfahren.“

Landes und Grünewald sagen: „Die Marktvorerkundung wurde nach Gesprächen mit mehreren Interessenten – u.a. Investoren aus der Bäder-, Touristik- und Freizeitbranche – erfolgreich abgeschlossen.“ Derzeit werde das Vergabeverfahren ausgearbeitet. Das Ziel bleibe „eine Nutzung der Kaiser-Therme nach einer Veräußerung“.

„ProTherme“ regt Genossenschaft für Medizin-Bereich an

Die Initiative schlägt Alternativen der Trägerschaft vor, „beispielsweise eine Genossenschaft für den medizinischen Bereich“. „Patienten und damit Kunden abzuweisen ist extrem geschäftsschädigend. Man beißt doch nicht die Hand, die einen füttert.“ Antwort von Landes und Grünewald: „Der Zweckverband sieht keine Möglichkeit und Sinnhaftigkeit in der Form, die Kaiser-Therme oder Teilbereiche als Genossenschaft weiter zu führen.“

24 Anträge liegen seit November 2024 in Schublade

Ein gewissermaßen Bad Abbach internes Geplänkel entzündet sich um 24 Anträge von „ProTherme“ an den Marktrat, die seit Anfang November 2024 vorliegen. „Die Anträge sind längst überfällig, man versucht sie zu ignorieren“, moniert Marktgemeinderat Schneider namens der Aktionsgruppe.

„Wir hatten vor Weihnachten und in den Sitzungen vom Januar und Februar einfach zu viele andere Themen, die zu behandeln waren“, sagt Bürgermeister Grünewald dazu. Im März stünden die Anträge auf der Agenda. Und Grünewald ergänzt: „Auf eine jüngst eingebrachte Rechtsaufsichtsbeschwerde des MGR Schneider hin hat die Rechtsaufsicht beim Landratsamt Kelheim bestätigt, dass dieses Vorgehen auch völlig in Ordnung ist.“ Nicht-öffentlich zu behandelnde Anträge seien bereits im Januar abgearbeitet worden, so der Bürgermeister.

Wertgutachten kommt Ende April 2025

Frage: „ProTherme“ vermisst ein in Auftrag gegebenes Wertgutachten für die Kaiser-Therme, die Tiefgarage mit dem Thermalbrunnen und für die angebotenen Grundstücke im Umfeld. „Es liegt seit Monaten nicht vor“, schreibt die Gruppe.

Antwort: „Das Wertgutachten soll bis Ende April 2025 fertig gestellt sein“, erklären Zweckverband und Bürgermeister Benedikt Grünewald.