Kaiser-Therme in Bad Abbach: Ärger über Behandlungs-Aus – Mitarbeiter fürchten um Jobs

Um die Kaiser-Therme in Bad Abbach (Landkreis Kelheim), die an einen privaten Investor verkauft werden soll, gibt es neue Aufregung. Rezepte von gesetzlich Versicherten werden nicht mehr angenommen. Langjährige Patienten sind entsetzt – und Mitarbeiter fürchten um ihren Job.
„Was gerade passiert, ist ein menschenverachtendes Vorgehen im Gesundheitssektor. Menschen auszuschließen, die seit Jahrzehnten auf Angebote angewiesen sind, ist schockierend“, sagen Thermen-Mitarbeiter, die namentlich nicht genannt werden möchten, gegenüber der Mediengruppe Bayern. Seit 1. Februar 2025 werden in der Therme von gesetzlich versicherten Patienten keine Rezepte mehr angenommen.
Der aktuelle Träger, der Zweckverband Kurmittelhaus Bad Abbach (gehalten von Bezirk Niederbayern, Landkreis Kelheim und Kommune), bestätigt: „Das ist richtig. Zum Beispiel können keine neuen Kassenrezepte für Physiotherapie, Manuelle Therapie oder Krankengymnastik am Gerät mehr eingelöst werden. Bereits begonnene Behandlungen werden noch vollständig abgeschlossen“, erklärt Geschäftsführerin Katrin Landes.
Für Betroffene „ein Drama“
Patientin Roswitha Behringer empfindet „Enttäuschung und Wut“ zugleich. „Das ist ein Drama – für mich als Betroffene, aber auch für die Mitarbeiter“, sagt die 75-Jährige. Seit 15 Jahren ist sie Gast in der Therme, seit eineinhalb Jahren bekommt sie nach einer Knie-OP Einzel-Wassergymnastik und Lymphdrainage auf Rezept.
„Dafür muss ich mir jetzt anderswo Physiotherapeuten suchen. Nur wo?“, so die Bad Abbacherin. Demnächst stehe bei ihr auch eine Hüft-OP an.
Nach übereinstimmenden Angaben kam das Aus – das nicht für Privatversicherte gilt – sehr kurzfristig. „Ich konnte ein letztes Rezept einlösen und kriege noch die Behandlungen“, erzählt Behringer. Dann aber sei Schluss. Als Badegast will sie der Therme treu bleiben.
Zweckverband: Können Vorgaben nicht mehr einhalten
Zu den Gründen für den Behandlungsstopp sagt der Zweckverband: „Unser Bestreben ist es, die medizinische Abteilung mit den vorhandenen Personalressourcen so optimal wie möglich und zur größtmöglichen Patientenzufriedenheit weiter zu führen.“ Damit ein Rezept abrechenbar bleibe und die Anwendungen der Gesundung zuträglich seien, „müssen zwingend zeitliche Abstände und Vorgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen eingehalten werden. Dies können wir derzeit nicht gewährleisten.“
Ob sich dahinter Personalmangel verbirgt, konkretisiert der Zweckverband nicht. „Eine reguläre Personalfluktuation ist festzustellen“, so der Träger, der spätestens im September 2026 die Kaiser-Therme abgibt. Bis dahin muss wie mehrfach berichtet ein privater Investor gefunden werden – sonst steht die Therme vor dem Aus.
Kein Personalabbau? Eine Patientin widerspricht
Bis 31. Januar eingereichte Rezepte werden in den nächsten Wochen abgearbeitet. Danach, so fürchtet man in der Belegschaft, „sind es zu viele Therapeuten in der Therme“. Der Zweckverband verneint eine anstehende Reduzierung der Mitarbeiterzahl. „Die beschriebene Änderung unserer Praxis hat keinen Personalabbau zur Folge“, erklärt Landes.
Seit 20 Jahren in Therapie
Auch andere Patienten (die nicht genannt werden möchten) reagieren betroffen. „Nur durch die Behandlungen kam ich wieder in die Bahn“, sagt ein 63-Jähriger der Mediengruppe Bayern. Vor über 20 Jahren hatte er einen Arbeitsunfall, seither lässt er sich behandeln. „Mir hat der Kontakt zu den Mitarbeitern auch geholfen. Die menschliche Komponente ist wichtig.“
Für ihn stellt sich nun die Frage: „Wohin soll ich gehen?“ Die Limes-Therme in Bad Gögging wäre eine Alternative. „Aber dorthin sind es 40 Kilometer. Mit angeschlagener Gesundheit lässt sich das nicht einfach machen. Einen Transport müsste ich bezahlen“, sagt er.
Knapp 7800 Einzel-Anwendungen in neun Monaten
Behandlungen auf Krankenkassenrezept sind für die Kaiser-Therme wesentlicher Bestandteil des laufenden Betriebs. „Zwischen Januar und Oktober 2024 fanden 7799 einzelne Kassen-Anwendungen statt“, so der Zweckverband. Der überwiegende Anteil sind Anwendungen „Unterwassergymnastik in der Gruppe“ – diese bleiben ebenso wie Einzel-Unterwassergymnastik als als gesetzliche Kassenleistung weiter erhalten.
Patienten kämen teils aus über 50 Kilometer Entfernung, sagen Mitarbeiter. „Unsere Therme scheint nicht so leicht ersetzbar zu sein.“ Die Patienten fühlen mit den Beschäftigten: „Alle Physiotherapeuten hängen in der Luft.“ Eine 69-Jährige lobt das „tolle Personal“. „Ohne die Kaiser-Therme wäre ich nicht da, wo ich heute bin“, sagt die Frau, die bereits zweimal im Rollstuhl saß.
Wird Wellness das neue Zugpferd?
Möglicherweise will man, so Vermutungen aus dem Personal, die Einbußen durch den Behandlungsstopp über ein neues Wellness-Angebot auffangen. Entsprechende Vorbereitungen dafür hätten aber nicht stattgefunden, heißt es. Der Zweckverband sagt dazu: „Wellnessanwendungen können wir bei freien Ressourcen im medizinischen Team flexibel anbieten, auch am Wochenende.“
Der angestrebte Verkaufsprozess
Vorgeschichte: Der Zweckverband Kurmittelhaus Bad Abbach und deren Träger beschlossen 2024 den Ausstieg aus der Kaiser-Therme in Bad Abbach. Eine notwendige 50-Millionen-Euro-Sanierung sei finanziell nicht zu stemmen, war das Hauptargument.
Einstieg: Seither wird nach einem privaten Investor gesucht. Angeblich gibt es mehrere Interessenten. Das Vergabeverfahren beginnt heuer, eventuell mit einer europaweiten Ausschreibung. Ziel ist ein Abschluss noch in 2025.