Schlangen-Alarm beim Friseur in Neustadt? Nein, Kornnatter Kaa gehört zum Team

Im Friseursalon „Haircut“ in Neustadt (Landkreis Kelheim) sorgt nicht nur der Haarschnitt für Aufmerksamkeit, sondern auch eine ganz besondere Bewohnerin: die handzahme Albino-Kornnatter Kaa, stolze 33 Jahre alt.
Für viele ist sie eine Attraktion, für manche eine Überraschung – und für Aschenbrenner ein treuer Begleiter, der die Lebenserwartung seiner Art längst überschritten hat.
Während im Salon „Haircut“ in der Bahnhofstraße die Scheren klappern und der Föhn rauscht, gleiten goldene Schuppen lautlos durch ein Terrarium in der Ecke. Wer genau hinsieht, entdeckt Kaa, eine Albino-Kornnatter – und wohl die älteste und außergewöhnlichste Friseursalonbewohnerin in Neustadt a.d. Donau. Seit 33 Jahren lebt die Schlange an der Seite von Friseurmeister Henrick Aschenbrenner. Sie war schon da, bevor seine beiden Töchter geboren wurden, bevor die ersten Stammkunden Platz nahmen – und sie hat längst die Lebenserwartung ihrer Art überschritten.
Aus einem Skorpion wurde eine Schlange: „War schockverliebt“
Doch wie kommt es, dass eine Schlange mitten in einem Friseursalon lebt? Die Geschichte beginnt vor mehr als drei Jahrzehnten, als Henrick Aschenbrenner eigentlich einen Skorpion kaufen wollte. In einer Zoohandlung in Regensburg entdeckte er jedoch Kaa – und war sofort fasziniert. „Ich war einfach schockverliebt“, erinnert er sich. Die Verkäuferin zögerte zunächst, die handzahme Kornnatter abzugeben, doch schließlich wechselte die damals eineinhalb Jahre alte Schlange den Besitzer – und begleitet Aschenbrenner seitdem.
Von der Couch in den Salon
Zunächst lebte Kaa bei Aschenbrenner zu Hause, wo sie schnell mehr wurde als nur ein Haustier – sie wurde Teil der Familie. „Früher haben wir sogar miteinander auf der Couch Fernseher geschaut“, erzählt Aschenbrenner. Als er seinen Friseursalon eröffnete, war für ihn schnell klar, dass sie mitkommen musste. „Da halte ich mich ja im Wachzustand am meisten auf. Und dann war mir klar, die muss mit her“, sagt der Friseurmeister.
Seitdem gehört die Schlange fest zum Salon – und viele Kunden nehmen sie gar nicht sofort wahr. Manche entdecken sie erst nach Jahren, andere wiederum kommen extra wegen ihr. Vor allem Kinder sind begeistert, viele nannten Aschenbrenner schon in jungen Jahren den „Schlangenfriseur“. „Manche Kunden, die damals noch Kinder waren und inzwischen erwachsen sind, sagen immer noch: ‚Wir gehen zum Schlangenfriseur!’“ erzählt er schmunzelnd.
Keine Anzeichen von Altersschwäche
Dass Kaa manchmal auch ganz praktische Vorteile hat, zeigt eine Anekdote aus dem Salonalltag: „Manchmal kommen zu uns Kinder, die sich nur ungern die Haare schneiden lassen. Dann schieben wir einen Barhocker vor das Terrarium, das Kind schaut da rein – und wir schneiden ihm die Haare.“ Die Faszination für die Schlange ist oft größer als die Angst vor der Schere, und so wurde Kaa für einige kleine Kunden zur besten Ablenkung.
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Normalerweise werden Kornnattern 15 bis 20 Jahre alt, doch Kaa hat bereits 33 Jahre erreicht – und zeigt keine Anzeichen von Altersschwäche. „Ich habe sie erst vor Kurzem wieder zum Tierarzt gebracht und ihr scheint es nach wie vor sehr gut zu gehen“, sagt Aschenbrenner. Warum sie so alt geworden ist, kann er sich aber nicht genau erklären. „Ich habe keine Ahnung, warum sie so alt geworden ist. Vielleicht, weil sie sich hier einfach wohlfühlt“, vermutet er. Während viele Terrarienbesitzer auf Heizlampen oder spezielle Bedingungen setzen, lebt Kaa ohne besonderen technischen Aufwand – offenbar mit Erfolg.
Die Reaktionen der Kunden auf die ungewöhnliche Mitbewohnerin sind unterschiedlich. Einige sind neugierig und wollen sie aus der Nähe sehen, andere hingegen halten lieber Abstand. „Es gibt Leute, die zahlen extra nicht direkt an der Kasse, weil sie nicht so nah an ihr vorbeigehen wollen“, erzählt Aschenbrenner lachend. Trotzdem überwiegt die positive Resonanz. Viele Kunden verbinden den Salon längst mit der Schlange – selbst seine Tochter Lea, ebenfalls Friseurmeisterin, wird manchmal darauf angesprochen. „Ich war neulich in Regensburg unterwegs, und jemand meinte zu mir: ‚Hey, dein Papa ist doch der mit der Schlange im Geschäft!‘“
Eine Ära geht zu Ende
Aschenbrenner weiß, dass Kaa nicht ewig leben wird, und denkt bereits über die Zukunft nach. Der Salon steht vor einem Umbau, und er fragt sich, ob er für das Terrarium noch einen Platz einplanen soll. „Jetzt ist halt die Frage, wie lange lebt sie noch? Plane ich sie noch mit ein? Ich habe keine Ahnung“, gibt er zu.
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Eines steht für ihn jedoch fest: Sollte Kaa eines Tages nicht mehr sein, wird es keinen Nachfolger geben. Bis es so weit ist, bleibt die handzahme Albino-Kornnatter aber weiterhin fester Bestandteil von „Haircut“ – als stiller Beobachter, als Gesprächsthema für Kunden und als eines der wohl außergewöhnlichsten Maskottchen eines Friseursalons. Wie lange sie ihren eigenen Rekord noch ausbaut? Das wird die Zeit zeigen.
