AfD-Hochburgen im Landkreis Kelheim mit über 40 Prozent – „Ich schäme mich“

Von Jochen Dannenberg, Etienne Nückel, Martin Rutrecht · 24. Februar 2025 um 15:17

Sie schnellte teils auf über 40 Prozent in einzelnen Stimmbezirken hoch: Die AfD eroberte bei der Bundestagswahl im Landkreis Kelheim mehrere Gemeinden als Hochburgen. Zwar kam die in Teilen rechtsextreme Partei an der Union nirgends vorbei, aber zweitstärkste Kraft wurde sie in etlichen Kommunen.

In einigen Stimmbezirken von Neustadt a.d. Donau hat die AfD sogar Ergebnisse deutlich über der 40-Prozent-Marke eingefahren. Im Stimmbezirk 2, wozu Teile von Neustadt und der kleine Ortsteil Marching gehören, kam die AfD auf 46,4 Prozent. Im Ortsteil Mauern waren es 43,6 Prozent und im Stimmbezirk Neustadt 1 gar 44,1 Prozent.

Die Zahlen haben Neustadts zweiten und aktuell amtierenden Bürgermeister Günter Schweiger, der für die Wählergemeinschaft Schwaig dem Stadtrat angehört und CSU-Mitglied ist, überrascht. „Das ist eine Bundestag- und keine Kommunalwahl gewesen. Ich glaube, es ging um einen Denkzettel an die bisherige Regierung.“ Es drehe sich um Probleme, die nicht in den Kommunen, sondern von der Bundesregierung gelöst werden müssten.

Guter Mittelstand im Ort – „nichts heruntergekommen“

Schweiger sagt es nicht, aber die Enttäuschung ist ihm anzumerken – auch aufgrund des Wahlergebnisses im Stimmbezirk 2. Der 2. Bürgermeister betonte, wenn er in den Neustädter Ortsteilen unterwegs sei, „sehe ich einen guten Mittelstand. Da ist nichts heruntergekommen. Wir machen als Bürgermeister und Stadtrat eine gute Arbeit auch in den Ortsteilen.“

Es klingt Resignation mit, wenn Schweiger zudem sagt: „Ich glaube, die Leute sehen gar nicht mehr, was für sie getan wird. Der Berg dessen, was gut läuft, ist größer, als der, der nicht funktioniert.“

Im Wahlkampf kaum sichtbar

Es habe zuvor keine Anzeichen gegeben, betont der zweite Bürgermeister, die auf einen derartigen Wahlerfolg der AfD hingedeutet hätten. „Im Wahlkampf war die AfD eigentlich nicht präsent, ich sah nur einen Infostand.“ Hat sich möglicherweise ein Teil der Bevölkerung „abgekoppelt“? Der zweite Bürgermeister antwortet nicht direkt, sagt aber: „Wir müssen in der Gesellschaft aufeinander zugehen und unsere Meinungen respektieren.“

Betrachtet man die Gemeinden generell (also nicht einzelne Stimmbezirke), schnitt die AfD am stärksten in Wildenberg ab – mit 29,5 Prozent für Kandidatin Elena Fritz und 33 Prozent für ihre Partei. Was Bürgermeister Winfried Roßbauer (CSU) unmittelbar entlockt: „Ich schäme mich.“ Es sei für ihn nicht nachvollziehbar, dass die AfD gewählt werde. „Wir tun so vieles für die Menschen im Ort. Ich verstehe es nicht.“

Flüchtlingsunterkünfte: Auslöser für Protestwahl?

Im Wildenberger Ortsteil Irlach liegt eine Unterkunft für knapp 30 Ukraine-Flüchtlinge. Spielte das mit rein? „Ich denke nicht. Schon in den letzten Jahren gab es diesen Trend nach Rechts“, sagt Vorsitzende Christina Breiter vom Helferkreis Wildenberg, der die Kriegsflüchtlinge unterstützt. Und bleibt unbeeindruckt. „Wir als Helfer machen weiter unser Ding, wenn wir gebraucht werden. Mit extremen Meinungen befassen wir uns wenig.“ Im Übrigen, so ergänzt Breiter, „gehen die Ukrainer alle arbeiten“. Keiner liege Bürgern faul auf der Tasche rum.

„Wir sind nicht rechter als andere Gemeinden“, sagt Bürgermeister Markus Huber zum Resultat der AfD in Elsendorf (28,0 % Fritz/30,4 % AfD). Für ihn sind die vielen Stimmen Ausdruck von Protestwählern, möglicherweise befördert im Ort durch eine Diskussion um eine Unterkunft für 300 Flüchtlinge im Jahr 2015. „Alle waren dagegen, gekommen ist sie trotzdem.“ Huber (CSU) verspürt „keine Angst, dass die Gemeindepolitik darunter leidet“.

Gemeindefrieden nicht in Gefahr

Abseits der Hallertau ragt Ihrlerstein (24,5/25,3) signifikant heraus. „Schon heftig“ sind diese Zahlen für Bürgermeister Thomas Krebs (SPD). „Eine Unzufriedenheit ist da. Aber ich weiß ehrlich gesagt nicht, was Menschen mit der AfD wollen.“ Potenzielle Auslöser wie einen hohen Asylbewerberanteil gebe es in der Kommune nicht.

Beunruhigend ist die Entwicklung für ihn bezogen auf die Gemeindepolitik nicht. „Sollte diese Partei auch auf Kommunalebene kandidieren – gegen was will sie auftreten? Gegen einen Kindergarten, gegen Straßenbau?“, sagt Krebs leicht süffisant.

Landrat: „Landkreis Kelheim ist nicht rechts“

Großen Wählerzuspruch erfuhr die AfD im Landkreis auch in Siegenburg (26,1 %/ 27,4 %), Biburg (26,0/26,2), Attenhofen (24,7/27,5), Rohr (24,3/ 26,2), Mainburg (23,3/25,8) sowie Painten (23,1/24,1). Zum Abschneiden der AfD im Landkreis (23,0/24,1) sagt Landrat Martin Neumeyer (CSU): „Der Landkreis ist nicht rechts.“ Er führt das starke Ergebnis der AfD auf den Einfluss der bundesweiten Themen zurück. Außerdem habe es mit Elena Fritz aus Bad Abbach eine Kandidatin aus dem Landkreis gegeben.

Das Abschneiden im übrigen Wahlkreis 227

Landkreis Landshut: Mit 19,9 Prozent für Elena Fritz und 23 Prozent für ihre Partei blieb die AfD hier hinter dem Ergebnis im Kreis Kelheim.

Stadt Landshut: Im urbanen Raum konnten Kandidatin Fritz (16,3 %) und die AfD (17,5 %) nicht so punkten wie in ländlichen Gebieten.