Ilmtalklinik Mainburg gibt Unfallchirurgie und Endoprothetik an Pfaffenhofener „Schwester“ ab

Die Ilmtalklinik GmbH wird die Unfallchirurgie samt Endoprothetik-Zentrum zum 1. Juli 2025 vom Standort Mainburg im Landkreis Kelheim abziehen und nach Pfaffenhofen verlagern. Diesen Schritt hat der Aufsichtsrat vorige Woche beschlossen, wie die Klinikleitung am Montag bekanntgab.
Die Bürgerinitiative „Rettet das Krankenhaus Mainburg“ sieht darin den Beweis, dass das Haus „ausbluten“ solle und warnt vor einer „absehbaren Unterversorgung der Mainburger und Hallertauer Bevölkerung“.
Bislang gibt es an der Mainburger Ilmtalklinik (ITK) den Fachbereich Orthopädie/ Unfallchirurgie samt Endoprothetikzentrum. Das Team von Chefarzt Dr. Thomas Pausch behandelt laut Klinik-Homepage „akute Verletzungen und degenerative Veränderungen des gesamten Stütz- und Bewegungsapparates“, und zwar ambulant und stationär; inklusive Arbeitsunfälle. Erst 2024 war die Endoprothetik übergangsweise in Mainburg konzentriert worden. Nun wird Pausch mit der ganzen Abteilung komplett an die ITK Pfaffenhofen wechseln – „schweren Herzens“, heißt es in einer Pressemitteilung der ITK; aber es sei „die einzige Möglichkeit, meinen Ärzten und dem Team eine echte, langfristige Perspektive zu geben“, wird Pausch zitiert. Die Verlagerung ist ein Baustein des beschlossenen Umbaus des Mainburger Krankenhauses zur „Sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtung“ (SVE).
Verlagerung ist vorgezogen
Pfaffenhofens Landrat und ITK-Aufsichtsrats-Vorsitzender Albert Gürtner teilt mit, „aufgrund der gesetzlichen Vorgaben hätte die Unfallchirurgie am Standort Mainburg ab Ende 2026 ohnehin nicht mehr betrieben werden dürfen“; die Verlagerung sei also nur zeitlich vorgezogen. Auch die Endoprothetik würde ab Ende 2026 die dann geltenden Vorgaben nicht mehr erfüllen. De facto wäre aber wohl schon früher Schluss gewesen, weil sich das Mainburger Personal vermutlich frühzeitig wegbeworben hätte. Aus Sicht von Gürtner ist daher „die Verlagerung der Unfallchirurgie und des EPZ nach Pfaffenhofen die einzige Möglichkeit, dem gut aufeinander eingespielten Team eine langfristige Perspektive zu bieten“.
Gleichzeitig löst der Umzug der Mainburger „Leuchtturm-Abteilung“ ein Personalproblem, schreibt ITK-Geschäftsführer Christian Degen: Die Pfaffenhofener Unfallchirurgie arbeite „derzeit unter ihren Möglichkeiten“, weil Chefarzt und Leitender Oberarzt dort aufgehört haben. Ihnen hatte in Pfaffenhofen seit der Konzentration der Endoprothetik in Mainburg eine Perspektive gefehlt.
Kelheims Landrat Martin Neumeyer bekundet Bedauern, dass man nicht am bisherigen Klinik-Umfang festhalten könne. Aber „mit Blick auf die rechtlichen Vorgaben, personellen Ressourcen und eine dauerhaft wirtschaftliche Tragfähigkeit sehe ich objektiv leider schlicht keine andere Möglichkeit“, wird er in der Mitteilung zitiert.
Die Bürgerinitiative (BI) „Rettet das Krankenhaus Mainburg“ befürchtet als Folge der Verlagerung der Unfallchirurgie eine Art Kettenreaktion. Nämlich, dass auch die Verfügbarkeit rund um die Uhr („24/7“) von Anästhesie-Ärzten auf der Kippe stehen könnte. Ohne diese wiederum könnten auch der Notfall-Herzkatheter und die Intensivstation „nicht länger betrieben werden“, warnt die BI in einer von Sprecherin Annette Setzensack am Wochenende veröffentlichten Mitteilung.
Notaufnahme bleibt vorerst
Dies schließen die ITK und die beiden Landräte in ihrer Mitteilung aktuell aus. Man sei sich einig, „dass wir die Notaufnahme zunächst auch weiterhin 24/7 betreiben wollen und auch die Intensivstation mit Beatmung im bekannten Maße weiterlaufen kann“, so Landrat Neumeyer. Im besten Falle könne die Mainburger Internistik, deren Leistungsumfang voll erhalten bleiben solle, die freiwerdenden Betten-Kapazitäten der Chirurgie mitnutzen. Außerdem plane Chefarzt Pausch Endoprothetik-Sprechstunden in Mainburg.
Die Notaufnahme in Mainburg wird derzeit per Ausnahmeregelung betrieben: Sie ist als „Spezialversorger“ für heuer beantragt, und das soll laut ITK-Geschäftsführer Degen auch für 2026 wieder geschehen. Auch dafür seien aber bestimmte Standards nötig, unter anderem eben die 24/7-Notaufnahme, warnt die BI: Falls diese doch wegfalle und damit der „Spezialversorger“-Status, dann sei dies „von den Verantwortlichen in der ITK bzw. den politischen Entscheidungsträgern vorsätzlich herbeigeführt“. All dies sei inakzeptabel, und es fehle ein Konzept, wie die immer längeren Rettungswege und daraus entstehende „Verfügbarkeitslücken“ kompensiert werden sollen, rügt die Initiative.
Die Pressemitteilung der BI führte am Montag zu einer erregten Debatte im Kreistag; auch deshalb, weil die BI ihre Infos damit offenbar Infos aus der nicht-öffentlichen Aufsichtsratssitzung vom 19. Februar bekanntgab. ITK und Landrat Neumeyer wollten vor einer Veröffentlichung erst den Kreistag informieren; sie gaben ihre eigene Pressemitteilung daher mit Sperrfrist Montagabend heraus. Eine scharfe Diskussion entbrannte auch zu gegenseitigen persönlichen Angriffen in Sachen Mainburger Krankenhaus. (Bericht zur Kreistagssitzung folgt!)