Ilmtalkliniken Mainburg und Pfaffenhofen: Viel Geld, viele Fragen und auch Lichtblicke

Von Martina Hutzler · 14. Februar 2025 um 11:00

Mit Millionenaufwand stützt der Landkreis Kelheim den Betrieb seines Krankenhauses in Mainburg. Dabei sank das Defizit der zugehörigen Ilmtalklinik GmbH voriges Jahr überraschend deutlich unter dem prognostizierten Wert; es dürfte aber heuer wieder steigen. Am Horizont zeichnet sich unterdessen bereits die Umstrukturierung Mainburgs zu einem „Krankenhaus light“ ab.

Im Kreisausschuss stellte Christian Degen, Geschäftsführer der Ilmtalklinik GmbH (ITK) die jüngsten Zahlen der ITK-Häuser Mainburg und Pfaffenhofen vor. In der Debatte ging es aber dann vor allem um die Zukunft Mainburgs, das wie berichtet innerhalb eines künftigen Klinik-Verbunds Ingolstadt eine „Sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung“ (SVE) werden soll.

Dieser Umbau wird offenbar konkreter: Nächsten Montag debattiert der Kreistag von Pfaffenhofen über die „Umstrukturierung des Standortes Mainburg“ und die dafür nötige „Befassung des Ministerrats“. Ähnliches dürfte auf der Tagesordnung des Kelheimer Kreistags stehen, der sich am Montag, 24. Februar, trifft. Allerdings gibt es in der Krankenhauspolitik derzeit viele Fragezeichen, erläuterte Geschäftsführer Degen. Zwar ist die Krankenhausreform beschlossen, aber deren Umsetzung muss erst inhaltlich und technisch konkretisiert werden.

Beispielsweise gibt es zwar nun den „Grouper“, eine Art Bestimmungsschlüssel, welche Krankenhaus-Behandlung welcher der neu eingeführten „Leistungsgruppen“ zugeordnet wird. Aber man könne den Grouper noch gar nicht anwenden, mangels Schnittstellen zu all den unterschiedlichen Krankenhaus-EDV-Systemen, schilderte Degen. Ferner fehle eine Bundesverordnung dazu, was zur neu eingeführten Sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtung eigentlich konkret gehöre.

„Wir werden alleingelassen“

All das verunsichere die Krankenhausträger, bestätigte Degens Kollegin vom Kelheimer Caritas-Krankenhaus St. Lukas: „Wir werden alleingelassen“, kritisierte Geschäftsführerin Sabine Hehn im Kreisausschuss. Aber auch die bayerische Staatsregierung hinkt bei ihren Hausaufgaben hinterher: Es fehle immer noch ein Krankenhaus-Bedarfsplan, an dem sich die Städte und Landkreise als Klinik-Träger orientieren können „da scheint sich Bayern aus der Verantwortung zu ziehen“, bemängelte Kreisrat Richard Zieglmeier (Grüne). „So ein Plan würde Sinn ergeben“, da müsste Bayern aktiver werden, pflichtete Landrat Martin Neumeyer (CSU) bei und bedauerte: „Wir vor Ort sind die Dummen, die zahlen müssen – und zwar in unvorstellbaren Dimensionen“. All das hat nach Ansicht von Kreisrat Christian Schweiger (CSU) schlimme Folgen für die politische Basis.

„Wir Kommunen tragen die operativen Defizite der Kliniken, ohne dass wir etwas beeinflussen könnten“ – und dafür mache man sich auf kommunaler Ebene „gegenseitig fertig“ und müsse sich von den Bürgern schelten lassen. Das beklagte auch der Landrat und appellierte, insbesondere bei Demonstrationen „die demokratisch Gewählten zu achten, nicht zu verachten“ sowie gefasste Beschlüsse zu respektieren.

Mit all den öffentlichen „Anfeindungen“, so Christian Schweiger weiter, „geht leider völlig unter, was für einen tollen Job die Leute vor Ort machen“, in den Krankenhäusern, in den kommunalen Verwaltungen und in der Politik. Er nahm damit Bezug auf die Zahlen, die ITK-Geschäftsführer Degen zuvor vorgestellt hatte.

Zwar ist das Gesamt-Defizit 2024 der GmbH weiter gestiegen, auf rund 20,34 Millionen Euro. Aber es fiel damit rund 2,6 Millionen niedriger aus als vorab prognostiziert war. Zum einen, weil die Erträge der Krankenhäuser Pfaffenhofen und Mainburg deutlich über den Erwartungen lagen. Zum anderen, weil die Unterhalts-Kosten niedriger ausfielen als geplant: Unter anderem flossen in die Instandhaltung der beiden Häuser statt 731.000 nur knapp 30.000 Euro.

Der Kreis Kelheim trägt vertragsgemäß 27 Prozent des Defizits, also rund 6,1 Mio.. Weil die Krankenhäuser notorisch klamm sind, ist das Geld in Form von Abschlagszahlungen bereits überwiesen. Heuer wird Kreiskämmerer Reinhard Schmidbauer noch eine Schippe drauflegen müssen: Im Wirtschaftsplan 2025 rechnet ITK-Geschäftsführer Degen mit einem Gesamtdefizit von 23,54 Mio.; Kelheims Anteil läge damit bei knapp 6,4 Mio.

Investitionen auf Pump

Zum Defizit kommen alljährlich noch Zins und Tilgung für Investitionskredite fürs Mainburger Haus hinzu; heuer knapp 800.000 Euro. Unter anderem wird derzeit ein „10-Millionen-Paket“ umgesetzt, das die Klinik für die nächsten Jahre ertüchtigen soll. Es wurden vor einigen Jahren aber auch satte zwei Mio. Euro in Planungen für die Generalsanierung in Mainburg investiert, ehe die Kreispolitik das auf 113 Mio. Euro geschätzte Projekt einstampfte: „leider erst sehr spät“, wie die Kämmerei im Sachstandsbericht anmerkt.

Date mit Bayerns Gesundheitsministerin

Treffen: Gesundheitsministerin Judith Gerlach will sich mit der Bürgerinitiative „Rettet das Krankenhaus Mainburg“ treffen: Das bestätigen in separaten Pressemitteilungen die Kelheimer Landtagsabgeordnete Petra Högl (CSU) und BI-Sprecherin Annette Setzensack.

Uneins ist man sich, ob der Termin auf Initiative Högls zustande kam oder eine Reaktion ist auf die BI-Ankündigung einer weiteren Kundgebung zum Erhalt des Mainburger Hauses (Sonntag, 16. Februar, ab 10.30 Uhr am Pfarrheim Pfeffenhausen).

Termin: Das Gespräch mit Gerlach findet nach der Wahl statt. Die BI fordert aber einen Termin „vor dem von Landrat Neumeyer beantragten Kabinettsbeschluss, mit dem die geplante Abstufung des Krankenhauses in Mainburg bestätigt werden soll“.