Geld für Arbeit im Landkreis: Kelheim will die Ärzte von morgen finanziell unterstützen

Mit finanzieller Unterstützung während des Studiums will der Landkreis Kelheim zukünftige Ärztinnen und Ärzte gewinnen, die für mindestens fünf Jahre im Kreisgebiet arbeiten. Die Rahmenbedingungen für das Stipendiums-Programm sind nun vorgestellt worden.
Der Kreisausschuss hat am Montag Richtlinien für das „Medizinstipendien-Programm“ des Landkreises Kelheim gebilligt. Es soll mit Blick auf die alternde Gesellschaft helfen, die haus- und fachärztliche Versorgung von Abbach bis Aiglsbach auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zu sichern. Stimmt am 24. Februar auch der Kreistag zu, dann könnten schon im Herbst die ersten drei Studis auf monatlich 400 Euro als Finanzspritze hoffen, und zwar maximal 72 Monate lang. Das entspricht umgerechnet den zwölf Semestern Regelstudiendauer. Interessierte müssen allerdings einige Bedingungen erfüllen.
„Bindungsfrist“ ist Pflicht
Franziska Neumeier, Geschäftsstellenleiterin der „Gesundheitsregion plus“ im Landkreis Kelheim, stellte das Förderprogramm im Kreisausschuss vor. Es richtet sich an Studierende, die schon wissen, dass sie nach dem Staatsexamen in eine der folgenden Fachrichtungen gehen: Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Kinderheilkunde (Pädiatrie) oder Neurologie.
Interessierte sollten zudem sicher sein, dass sie nach der Weiterbildung mindestens fünf Jahre als Facharzt im Kreis Kelheim tätig sein wollen; und zwar in Vollzeit. Wer Teilzeit arbeiten will, für den verlängert sich die „Bindungsfrist“ entsprechend. Egal ist dann, ob man in einer Praxis, einem Medizinischen Versorgungszentrum oder einem Krankenhaus arbeitet; ebenso, in welcher der 24 Landkreis-Gemeinden – schließlich sind Ärzte ja auch von der Verfügbarkeit eines Kassensitzes abhängig.
Studieren geht europaweit
Sind beide Aspekte erfüllt, können sich Interessierte bewerben – egal, ob sie mit dem Studium erst starten oder schon in einem fortgeschrittenen Semester sind. Egal ist auch, wo sie in den Hörsaal streben: Erlaubt ist jede europäische Medizinfakultät, die einem hierzulande die staatliche Zulassung (Approbation) sowie die Facharzt-Weiterbildung ermöglicht.
Die Bewerbungsfrist läuft vom 1. März bis 15. Mai – und zwar jedes Jahr: Das Stipendiumsprogramm ist zeitlich nicht befristet. Neben Lebenslauf und einem Antragsformular können Interessierte mit hoher Motivation Eindruck schinden: Das gehört zu den Vergabekriterien (siehe Textende); auch ein Bezug zum Landkreis – etwa Geburts- oder Wohnort hier – ist hilfreich. Über die Vergabe der maximal drei Stipendien entscheidet ein Gremium aus Landrat, „Gesundheitsregion“-Leitung, drei „ausgewählten politischen Vertretern“ und einem Mitglied des Ärztlichen Kreisverbands. Es soll auch eine Nachrücker-Liste geben – für den Fall etwa, dass jemand doch keinen Studienplatz bekommt.
Wer die Förderung ergattert, sollte sich ranhalten: Man muss seine Studienleistungen regelmäßig nachweisen, sollte mit Prüfungen und Co. gemäß Regelstudienzeit vorankommen – oder Abweichungen, etwa krankheitsbedingt, nachweisen. Analoges gilt für die fachärztliche Weiterbildung. Spätestens sechs Monate nach deren Abschluss soll man dann als Facharzt beginnen.
So gibt‘s das Geld geschenkt
Wer all das richtig gemacht hat, braucht die Förderung – die sich auf maximal 28.800 Euro summieren kann – nicht zurückzahlen. Wer z.B. sein Studium länger unterbricht, muss mit einer Förderpause rechnen. Und wer durchs Examen rasselt, das Studium hinschmeißt oder doch nicht im Landkreis bleibt, dem droht die Rückzahlung der Förderung.
Der Kreisausschuss war grundsätzlich einverstanden mit Franziska Neumeiers Vorschlägen. Laut nachgedacht wurde, ob man die Zahl der Stipendien pro Jahr erweitern oder auch einschränken sollte. Unwidersprochen blieb aber dann der Vorschlag von Landrat Martin Neumeyer, das Programm erst mal zu starten und es bei Bedarf anzupassen. Offen blieb die Frage von Kreisrat Christian Nerb (FW), was passiert, wenn es später mal für einen frischgebackenen Facharzt keine entsprechende Stelle im Landkreis gibt.
Kreisrat Thomas Memmel (CSU) warnte andererseits vor allzu großen Erwartungen: „Das Stipendium wird nicht unser Hausarzt-Problem lösen“, denn zum Entschluss, eine solche Praxis zu übernehmen, „gehört viel mehr“, etwa Investitionsbedarf und eine unternehmerische Ader. Es werde eher ein Förderprogramm für angestellte Mediziner – aber das sei auch sinnvoll, sagte er: Auch die Kliniken im Landkreis hätten großen Bedarf. Der Ausschuss empfahl dem Kreistag einstimmig, das Programm zu beschließen.
Für die Umsetzung zuständig sein wird dann Franziska Neumeier (Mail: gesundheitsregionplus@landkreis-kelheim.de)
So läuft die Auswahl ab:
Verfahren: Insgesamt acht Kriterien werden bewertet, von 0 bis 5 Punkten. Die Kriterien werden ein-, zwei- oder dreifach gewichtet. Maximal gibt es somit 100 Punkte.
Kriterien: Dreifache Gewichtung: Motivationsschreiben; ehrenamtliches Engagement; einschlägige Berufserfahrung/ Praktika; schulische/ akademische Leistungen; regionale Verbundenheit; zweifache Gewichtung: Bewerbung; Empfehlungsschreiben/ Auszeichnungen oä.; einfache Gewichtung: Diversität/ Inklusion