Widerstand gegen Windrad-Pläne: Sorge um Quellwasser im Waldgebiet Am Frauenstein

Von Stefanie Bauer · 28. Februar 2025 um 11:00

Wie sehr das Thema vielen Bürgern unter den Nägeln brennt, hat sich an der schieren Zahl der Zuhörer gezeigt: Etwa 250 bis 300 Menschen, so die Schätzung einiger Teilnehmer, waren am Dienstagabend zur öffentlichen Bürgerversammlung im Winklarner Feuerwehrgerätehaus gekommen. Das Thema: der geplante Bau von Windrädern im Waldgebiet des Frauensteins.

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Auch eine Delegation aus Rötz war auf der Versammlung vertreten, bei der, wie die Mitglieder des neugegründeten Vereins „Bürgerforum zum Erhalt des Mittelgebirgszuges Frauenstein im Markt Winklarn e.V.“ angeben, „die Vertreter von Wind 18“ – der Projektant – „Rede und Antwort stehen“ sollten. Veranstalter der Versammlung war der Markt Winklarn.

„Auch die Bewohner der Nachbargemeinden sind in Sorge“, heißt es von Seiten des Vereinsvorstands – zum Beispiel Bürger aus dem Rötzer Oberland, von denen gut 170 Anwesen ihr Trinkwasser aus den Quellen Am Frauenstein beziehen. Von diesen werden zum Teil fünf Kommunen versorgt, neben Winklarn und Rötz auch Oberviechtach, Schönsee und Tiefenbach.

Recherchen des Vereins

Und das Trinkwasser ist es auch, das bei den Vereinsmitgliedern, zu denen mittlerweile auch etliche aus dem Rötzer Gemeindegebiet zählen, für die größten Bedenken sorgt, wenn es um die Windräder im Waldgebiet geht. „Insgesamt sind es über 25 Quellen Am Frauenstein“, weiß der Winklarner Ehrenbürger Johann Bock. Vier beziehungsweise bald fünf Quellen versorgen über den Hochbehälter in Heinrichskirchen das Rötzer Oberland.

Immer wieder wird von Vereinsseite betont, man sei weder gegen erneuerbare Energien im Allgemeinen noch gegen Windräder im Speziellen. Doch in diesem sensiblen zusammenhängenden Waldgebiet sei nicht der richtige Ort für ein solches Vorhaben.

Wie bei ihrer ersten Mitgliederversammlung präsentierte der Verein auch bei der Bürgerversammlung am Dienstag seine Recherchen. Man sei, heißt es von Vereinsseite, auf die Gefahren für die Trinkwasserquellen eingegangen: Das seien Sprengungen, auslaufende Gefahrstoffe – über 1000 Liter Öl seien möglich – und mehrere Kilogramm jährlicher Abrieb mit krebserregenden Stoffen bei jeder Anlage.

„Wir haben die letzten hundert Jahre unser Trinkwasser aus den Quellen Am Frauenstein bekommen und wollen diese auch für die künftigen Generationen erhalten“, hatte Johann Bock unterstrichen.

Doch das Trinkwasser ist nicht das einzige, das aus Sicht des Vereins gegen den geplanten Bau der Windräder spricht: Zum Bau einer Einheit würden 5500 Tonnen Beton benötigt. Dazu brauche es große Rodungen für die teilweise langen Zufahrtswege, um den 250 Betonmischern die Zufahrt zu ermöglichen. Wie der Verein recherchiert hat, brenne alle ein bis zwei Monate ein Windrad in Deutschland – die Folgen eines Brandes in diesem Waldgebiet seien nicht auszudenken.

Auch auf Schattenschlag, Eiswurf, Gefahren durch Infraschall und die Waldgefährdung durch die Einschlagschneisen sei man beim Vortrag eingegangen. Was den Vereinsmitgliedern ebenfalls Sorge bereitet: Durch die Zerstörung der Landschaft würde das Naherholungsgebiet mit Flora und Faune teilweise verloren gehen. Probleme könne es zudem nach 25 Jahren beim Rückbau der Anlagen geben, unter anderem bei der Wiederherstellung des Waldbodens, der Entsorgung des Windrades selber und der Fundamente.

Warum das Waldgebiet überhaupt für die Planungen ausgewählt worden ist? Mit dem Signalberg sei das Gebiet der höchste Punkt in der Marktgemeinde, so Sebastian Kunschier, einer der Vereinsvorstände.

Anzahl steht noch nicht fest

Wie Projektleiter Martin Schwandner von Wind 18 auf Anfrage angibt, zeichne sich der Standort grundsätzlich durch ein passendes Windangebot aus, was sich auch dadurch belegen lasse, dass der Regionale Planungsverband erwäge, die genannte Fläche als Windvorranggebiet auszuweisen. Die Planungen, so der Projektleiter, befänden sich am Anfang des Projektierungsprozesses. Es fänden derzeit Abstimmungen und Gespräche mit den Flächeneigentümern, Kommunen und Fachbehörden statt. Des Weiteren werde die Fläche bis einschließlich September 2025 naturschutzfachlich begutachtet. Um wie viele Windräder es sich handeln würde, stehe derzeit noch nicht fest, so Martin Schwandner.

Was die Haupt-Bedenken des Vereins, also etwaige Verunreinigungen des Trinkwassers betrifft, gibt er an: „Der Trinkwasserschutz steht nicht nur für die Bürger, sondern auch für uns an oberster Stelle. Er hat eine elementare und nicht verhandelbare Bedeutung und somit Vorrang vor jeder Windenergieanlage. Die Bedenken der Bevölkerung nimmt die Wind 18 GmbH sehr ernst und zum Anlass, die Planung unter dem Aspekt des Trinkwasserschutzes nochmals zu überprüfen.“

Stimmen aus dem Rötzer Gemeindegebiet:

Historie: Gut 170 Anwesen aus dem Rötzer Oberland beziehen ihr Trinkwasser über den Hochbehälter in Heinrichskirchen aus den Quellen Am Frauenstein. Schon vor gut 70 Jahren wurden die Quellen 1 bis 3 erschlossen, in den 90er Jahren folgte die Quelle 4. Seit Juni läuft ein Bauprojekt mit Kosten in Höhe von fast 500 000 Euro, bei dem zur langfristigen Sicherung der Wasserversorgung die Quelle 5 erschlossen wird.

Resonanz: Aus diesem Grund ist die Bürgerversammlung auch bei Rötzer Bürgern auf enormes Interesse gestoßen, Bürgermeister Dr. Stefan Spindler sowie Georg Reitinger, Wasserbeauftragter der Stadt Rötz, weitere Stadträte und Bürger waren vor Ort. Das Thema wecke bei den Bürgern Emotionen, so Reitinger, der wie weitere Mitglieder der Wasserversorgung „Heinrichskirchener Gruppe“ in engem Kontakt mit dem in Winklarn gegründeten Verein steht. Das Trinkwasser habe oberste Priorität, deshalb sehe man die Windrad-Pläne sehr kritisch, so der Wasserbeauftragte. Er sei „froh, dass es Leute gibt, die sich hier engagieren.“ Auf der Bürgerversammlung habe eine sachliche Diskussion stattgefunden.

Gebiet: Wie Stadtrat Markus Dirscherl berichtet, hätten einige Zuhörer auch die Wirtschaftlichkeit des möglichen Projekts bezweifelt. Für ihn sei auch entscheidend, inwiefern die Einzugsgebiete der Trinkwasserfassungen berücksichtigt würden, da diese möglicherweise faktisch größer sein könnten als derzeit ausgewiesen. In der Wasserschutzzone selbst sind Windräder unzulässig. Deutlich sei zudem geworden: Wenn die Grundstückseigentümer ihre Flächen nicht zur Verfügung stellen würden, könnten die Windrad-Pläne dort auch nicht realisiert werden.

Wasserbeauftragter Georg Reitinger im Gebiet der künftigen Quelle 5. Foto: Archiv/ Bauer