Happy-End für Teil der Gruber-Mitarbeiter: Firma FischerHaus kauft Produktionshalle in Altenkreith

Von Oliver Hausladen · 26. Februar 2025 um 14:47

Die Flaggen des neuen Inhabers wehen bereits auf dem Produktionsgelände von Gruber Holzbau in Altenkreith (Landkreis Cham) und zeugen davon, dass es nun nach der Insolvenz doch weiter geht: Die Firma FischerHaus mit Sitz in Bodenwöhr hat den Standort im Rodinger Ortsteil gekauft und will bald wieder mit der Produktion loslegen. Etwa 50 ehemalige Beschäftigte von Gruber werden dort zunächst wieder Arbeit finden.

„Wir haben gute Nachrichten dabei: für die Region, für viele fleißige und fachkundige Mitarbeiter, für eine traditionsreiche Marke und für das schnelle, ökologische Bauen“, verkündete Barbara Fuchs, Inhaberin von FischerHaus, am Mittwoch in Altenkreith. Gemeinsam mit Insolvenzverwalter Dr. Hans-Peter Lehner gab sie bekannt, dass sie den Produktionsstandort an der B 85 erworben hat. Hier wird sie künftig weiter das „Gruber Naturholzhaus“ produzieren und vertreiben lassen, nachdem die Unternehmensgruppe mit insgesamt etwa 270 Mitarbeitern Insolvenz angemeldet hatte.

Viele Gemeinsamkeiten

Eigentlich hatte die Region die Hoffnung auf ein Happy-End schon aufgegeben: Insolvenzverwalter Lehner hatte vor einigen Wochen verkünden müssen, dass sämtliche Gespräche mit Übernahme-Interessenten gescheitert seien. Diese Nachricht rief wiederum Barbara Fuchs auf den Plan. „Die Unternehmen FischerHaus und Gruber sind beide über 60 Jahre alt. Wir kennen einander schon lange, waren einander freundlich gesinnte Konkurrenten“, erläuterte sie. Neben der Geschichte verbinde die Firmen vieles in Sachen Produkt-Philosophie: Die Ökologie der Häuser aus Holz, die zertifizierte Qualität sämtlicher Baumaterialien und die energieintelligente Bauweise. Neben niedrigen Heizkosten profitiere der Kunde sowohl bei FischerHaus als auch bei Gruber von einer individuellen Planung, exakt abgestimmt auf den Bedarf.

Betrieb läuft wieder an

Sie habe entschieden, „Gruber Naturholzhaus“ als eigenständige Marke in die Dachmarke FischerHaus einzugliedern, sagte Fuchs, „die Marke soll und darf nicht sang- und klanglos verschwinden.“ Der Betrieb in Roding soll bereits Anfang bis Mitte März wieder anlaufen. Fuchs plant, zunächst rund 50 Mitarbeiter der ehemaligen Gruber-Belegschaft zurückzuholen.

Arbeit gäbe es genug: Viele Kunden, die mit dem Unternehmen vor dessen Insolvenz bereits einen Werkvertrag abgeschlossen hatten, profitierten nun. Ihre Vorbereitungen könnten nun 1:1 und ohne weitere Zeitverzögerung umgesetzt werden.

„Wir belassen das Produkt, wie es ist“, so die Geschäftsführerin. Die Verwaltung soll künftig über den Hauptstandort Bodenwöhr laufen, auch dabei will Fuchs ehemalige Gruber-Experten integrieren.

Den Ausschlag für die Kaufentscheidung gegeben hätten vor allem die „sehr motivierten Mitarbeiter“ sowie die Lage nur 17 Kilometer vom Firmensitz in Bodenwöhr und direkt an der B85 gelegen, erläuterte die Geschäftsführerin. FischerHaus sei ebenso wie Gruber ein inhabergeführtes Familienunternehmen. Auf der Website fischerhaus.de verweist die Firma auf die starke Eigenkapitaldecke und die regelmäßig von unabhängiger Seite zertifizierte hohe Bonität.

Fuchs betonte, dass FischerHaus vor allem dank einer rechtzeitig vollzogenen Differenzierung des Produktportfolios „einigermaßen gut“ durch die Bau-Krise gekommen sei. Der „sehr gute Produktionsstandort in Altenkreith“, der auch Erweiterungspotenzial biete, passe sehr gut zu FischerHaus, betonte sie.

Insolvenzverwalter: „Standort in besten Händen“

Insolvenzverwalter Lehner dankte der Familie Fuchs für die Bereitschaft, die Marke „Gruber Naturholzhaus“ wieder mit Leben zu erfüllen und den Standort weiter zu betreiben: „Das ist auch eine gute Nachricht für die Gläubiger, weil so ein wesentlicher Teil der Insolvenzmasse rasch und zu guten Konditionen verwertet werden konnte“.

Über die Höhe des Kaufpreises haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Besonders freue ihn die Entwicklung für die Mitarbeiter, die FischerHaus nun „von der Ersatzbank wieder aufs Spielfeld holt“, sowie für die Kunden. Der Standort sei „in besten Händen“ zeigte sich Lehner überzeugt.

Nicht so gute Nachrichten hatte er für die Beschäftigten am Standort in Rötz. Es gäbe einen Interessenten am Kauf, dieser plane aber eine andere, „sinnvolle Nutzung“. Ein Drittel der früheren Gruber-Angestellten dort hätten aber bereits neue Jobs.

Freude bei Riedl und Landrat

Als „starkes Signal“, dass es eben doch der Mittelstand sei, der die Wirtschaft am laufen halte, wertet Rodings Bürgermeisterin Alexandra Riedl den Neustart: „Ein solches Produkt, das genau dafür geschaffen ist, Klimaschutz mit zusätzlichem, hochwertigem Wohnraum zu kombinieren, und in dem so viel Erfahrung steckt, hat eine gute Zukunft verdient.“ In schwierigen Zeiten seien der Kauf und der Erhalt von 50 Arbeitsplätzen eine wichtige Botschaft, betonte die Rathaus-Chefin.

Landrat Franz Löffler war terminlich verhindert, gratulierte aber per Pressemitteilung der Firma FischerHaus und insbesondere der geschäftsführenden Inhaberin Barbara Fuchs und wünschte im Namen des Landkreises viel Erfolg. „Das regionale Familienunternehmen aus Bodenwöhr beweist Mut und unternehmerische Weitsicht, sich mit der Produktpalette Naturholzbau noch breiter und nachhaltiger für die Zukunft aufzustellen. Ein Musterbeispiel für die Tatkraft des Handwerks in unserer Region“, so Löffler.

Besonders freue er sich, dass zunächst 50 Mitarbeitende am Standort in Altenkreith weiter beschäftigt werden. „Ein Faktor für die Entscheidung war sicher, dass unsere Region ein produktionsfreundliches Klima für den Holzhausbau bietet: Von der Ausbildung der Zimmerer am Baukompetenzzentrum in Furth im Wald bis hin zum Waldreichtum und der Identifikation der Region mit diesem qualitativ hochwertigen heimischen Rohstoff“, sagte der Landrat.

FischerHaus GmbH & Co. KG

Hersteller von Familienhäusern: Die FischerHaus GmbH & Co. KG ist vielfach ausgezeichneter Hersteller von Ein, Zwei- und Mehrfamilienhäusern sowie Funktionsgebäuden in Holz-Großtafelbauweise. Das inhabergeführte Unternehmen gilt in der Branche als Vorreiter auf dem Sektor energieeffizientes, individuelles Bauen.

1961 gegründet: Gegründet 1961 im Bayerwald, produziert das Familienunternehmen seit 1971 in Bodenwöhr (Landkreis Schwandorf).

Modernste Fertigungsmethoden: Durch modernste Fertigungsmethoden, eine ausgereifte und zukunftsweisende technische Ausstattung sowie die nachhaltige Philosophie zu Produktion und Produkt gehört FischerHaus nach eigenen Angaben zu den führenden Unternehmen dieser Art in Deutschland.

Geschäftsführerin Barbara Fuchs (Mitte) und Insolvenzverwalter Dr. Hans-Peter Lehner (2. von links) erläuterten, wie es weitergeht.