Bittere Nachricht bei Gruber Holzbau: Alle 270 Arbeitsverhältnisse gekündigt

Von Oliver Hausladen · 31. Januar 2025 um 12:40

Schlechte Nachrichten von der finanziell in Schieflage geratenen Firmengruppe Gruber: Bei einer Betriebsversammlung am Donnerstag in Roding im Landkreis Cham wurde die Kündigung aller etwa 270 Arbeitsverhältnisse durch Insolvenzverwalter Dr. Hans-Peter Lehner bekannt gegeben. „Mangels Liquidität war der Ausspruch der Kündigungen alternativlos“, bedauert er.

Am 18. November hatte die Geschäftsleitung der Gruber Holzbau-Innenausbau GmbH sowie Gruber Holzwerke GmbH beim Insolvenzgericht Regensburg Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Die weiteren Unternehmen der Gruppe haben danach ebenfalls Insolvenzantrag gestellt. Bis zum 31. Januar waren Lohn- und Gehaltsansprüche der Belegschaft durch das Insolvenzgeld abgedeckt. Im Zuge des Insolvenzverfahrens wurde versucht, den Geschäftsbetrieb bestmöglich aufrechtzuerhalten, erläutert Lehner in einer Pressemitteilung. Allerdings habe eine Planrechnung ergeben, dass eine Fortführung des Geschäftsbetriebs im eröffneten Insolvenzverfahren nicht möglich sei.

Wie Lehner weiter mitteilt, wurden insgesamt über 70 potenzielle Interessenten angesprochen und alle relevanten Unternehmenszahlen in einem Datenraum zur Verfügung gestellt. In etwa zehn Fällen gab es eine Unternehmensbesichtigung. „Letztlich war es nicht möglich, einen Interessenten zu gewinnen, der die Unternehmen ganz oder in Teilen übernehmen will“, schreibt der Insolvenzverwalter. Ob noch in naher Zukunft ein Erwerber übernehmen wird, sei offen. Mit einem konkreten Interessenten würden noch Gespräche geführt, die aber nicht bis zur Insolvenzeröffnung abgeschlossen werden konnten.

„Es ist mehr als bedauerlich, dass ein Unternehmen mit mehr als 60-jähiger Tradition in derartig wirtschaftliche Schwierigkeiten kam, dass ein Insolvenzantrag unausweichlich war“, so Lehner. Grund für die Insolvenz war, dass die Umsatzlage in der Bauwirtschaft sich zuletzt stark verschlechterte. Nachdem die Unternehmensgruppe 2022 noch 94 Millionen umgesetzt hatte, verringerte sich die Umsatzlage in den in den vergangenen zuletzt massiv: 2024 belief sich der Umsatzrückgang hochgerechnet auf 24 Prozent bezogen auf 2022. Demgegenüber war es nicht möglich, auf Konzernebene laufende Kosten in gleichem Maße zu senken.

Im Zuge des Insolvenzverfahrens hätten auch mehrere Gespräche zwischen dem Insolvenzverwalter und Landrat Franz Löffler statt. Dabei wurde auch das Interesse ortsansässiger Unternehmen ausgelotet, schreibt Lehner. „Die gesamte Belegschaft und alle Mitglieder der Familie Gruber haben während der vorläufigen Insolvenzverwaltung hoch motiviert gearbeitet und die Insolvenzverwaltung unterstützt. Von Seiten der Mitarbeiter war eine ungeheuere Loyalität zum Inhaber Gerhard Gruber und seiner gesamten Familie zu spüren“, so Lehner.