Das sagen Regensburger Ärzte, Apotheker und Therapeuten zur elektronischen Patientenakte

Von Marion Neumann · 26. Februar 2025 um 09:00

Bringt die elektronische Patientenakte den erhofften digitalen Fortschritt? Ärzte, Apotheker und Psychotherapeuten aus der Region Regensburg sehen Vor- und Nachteile. Bis zur Einführung brauche es aber noch Zeit – und mehr Aufklärung für Patienten.

Dass sich die flächendeckende Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) weiter nach hinten verschieben wird, kommt für Dr. Stefan Semmler nicht überraschend. „Das war absehbar“, sagt der Bezirksvorsitzende der Oberpfalz des Bayerischen Hausärzteverbandes mit Praxis in Lappersdorf.

Ursprünglich war geplant, den digitalen Gesundheitsordner für gesetzlich Krankenversicherte nach dem Start Mitte Januar in Testregionen in Franken, Hamburg und Nordrhein-Westfalen noch im Februar weiter auszurollen. Zwischenzeitlich stand eine bundesweite Ausweitung für April im Raum – doch auch dieser Zeitplan steht auf wackligen Beinen. „Was fehlt, ist die Einbindung der Leute, die damit arbeiten müssen“, sagt Semmler.

Sinnvoll für die Notaufnahme

Unter Medizinern sei aktuell noch nicht klar, wie die ePA in der Praxis tatsächlich aussehen werde, sagt er. „In der Notaufnahme wäre es total sinnvoll, auf Unterlagen des Patienten zugreifen zu können – das wäre dann eine Notfallakte. Wenn es sich bei der patientengeführten Akte allerdings nur um eine ungeordnete Ansammlung von PDF-Dateien handelt, könnten wir die Zeit, die wir haben, vermutlich auch sinnvoller verwenden.“

Generell rät Semmler, Informationen zu benötigten Medikamenten und wichtige Befunde immer mit sich zu führen. „80 Prozent der Leute haben ein Handy, mit dem sie etwa in den Notizen Infos zu Medikamenten und Allergien hinterlegen können. Wenn es Befunde gibt, wie etwa einen Schlaganfall oder einen Bandscheibenvorfall, ist es sinnvoll, die letzten zwei, drei Arztbriefe bei einem Notfall dabei zu haben.“

Unsicherheit bezüglich der elektronischen Patientenakte gebe es nicht nur im Kollegenkreis, sondern natürlich auch unter seinen Patienten, sagt der Hausarzt. Nicht nur bezüglich der Datensicherheit gebe es Bedenken. „Man muss die Leute mitnehmen. Auch, wie eine Widerspruchslösung aussehen soll, ist noch nicht hundertprozentig geklärt.“ Grundsätzlich sei er für Digitalisierung. „Alles hat zwei Seiten“, sagt er. Wichtig sei, dass eine gute Versorgung aufrechterhalten werde. „Dass die elektronische Patientenakte das Tool wird, auf das wir alle gewartet haben, glaube ich allerdings nicht. Es wird kein Schweizer Taschenmesser werden.“

Sensible Informationen in der Psychotherapie

Auch Stefan Hetterich, tiefenpsychologischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut mit Praxis in der Regensburger Innenstadt, beschäftigt die kommende Einführung der elektronischen Patientenakte. „Ich habe damit begonnen, mit Eltern oder Jugendlichen darüber zu sprechen. Sie sollen sich Gedanken machen, wie wir das Thema handhaben sollen, wenn es so weit ist.“

Als Psychotherapeut ist er nach jetzigem Stand grundsätzlich verpflichtet, alle offiziellen Daten in die Akte einzupflegen. Gerade in seinem Bereich handle es sich dabei um sensible Informationen, die zudem noch Kinder und Jugendliche betreffen. „Das höchste Gut in der Psychotherapie ist die Schweigepflicht“, sagt er. „Die Gefahr, die ich sehe, ist, dass die Leute nicht gut genug aufgeklärt werden, wie mit den Daten umgegangen wird.“ Aufklärung, auch über Widerspruchsmöglichkeiten für bestimmte Bereiche, halte er für entscheidend. „Der Informationsbedarf ist aktuell sehr hoch – das ist meine Erkenntnis aus den Gesprächen. Ich denke, bis man die elektronische Patientenakte sinnvoll einsetzen und nutzen kann, braucht es noch etwas Zeit.“

Apotheker in Regensburg: Nicht die einzige Baustelle

Zwiegespalten zeigt sich auch Birgit Specht, Inhaberin der Königsapotheke in der Altstadt und Sprecherin des Bayerischen Apothekerverbands für Regensburg. „Die elektronische Patientenakte wird kommen – und das wahrscheinlich mit vielen Vor- und Nachteilen.“

Derzeit gebe es für die Apotheker in der Region jedoch erst einmal noch andere Baustellen. „Zunächst wäre es sinnvoll, wenn es mit dem E-Rezept problemlos läuft“, gibt Specht zu bedenken. Von Apothekerseite würde das zwar funktionieren. Noch immer aber gebe es Ärzte, die Rezepte nicht digital ausstellen. Ähnlich könnte es sich in Zukunft mit einer elektronischen Patientenakte verhalten. „Wenn von den Medizinern wirklich alles eingepflegt wird, wäre das eine sinnvolle Sache“, sagt die Apothekerin.

Die elektronische Akte wird kommen – wahrscheinlich mit Vor- und Nachteilen, sagt Apothekerin Birgit Specht.
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut Stefan Hetterich setzt bei seinen Patienten auf Aufklärung.
Dr. Stefan Semmler ist nicht überrascht, dass sich die Einführung der elektronischen Patientenakte verzögert.