Roding rückt stark nach rechts: AfD holt in der Stadt bei Bundestagswahl 30,4 Prozent

Von Oliver Hausladen · 25. Februar 2025 um 05:00

Die Stadt Roding und die Gemeinden im Altlandkreis sind bei der Bundestagswahl am Sonntag stark nach rechts gerutscht: Die AfD konnte ihr Ergebnis überall mehr als verdoppeln und stellt in allen Kommunen die zweistärkste Kraft hinter der CSU, die auch leicht zulegen konnte.

Große Verlierer quer durch die Gemeinden sind SPD, Freie Wähler und (wenn auch nicht ganz so stark) die Grünen. Ein Blick auf die Zweitstimmen-Ergebnisse in den Kommunen des Altlandkreises.

• Roding: 7525 und damit 81 Prozent der Wahlberechtigten gaben in der Stadt Roding ihre Stimme ab, 2284 davon machten ihr Kreuz bei der Zweitstimme bei der AfD, das entspricht 30,4 Prozent. Bei der letzten Bundestagswahl 2021 hatte der Wert noch bei 13,7 Prozent gelegen. „Das macht mich traurig und ich kann es mir nicht erklären“, sagt Bürgermeisterin Alexandra Riedl zum starken Aufwind der rechtspopulistischen Partei. In Roding, wo Bewohner aus fast 90 Nationen leben, gäbe es keinen Brennpunkt bei der Migration. „Wir haben viele Asylbewerber, die auch präsent sind“, sagt die Rathaus-Chefin, aber: „Es hat noch nie Zwischenfälle gegeben.“

Die AfD habe überregionale Themen und die Probleme der gescheiterten Ampel-Regierung in Berlin bespielt, was auch bei den Rodinger offenbar gut angekommen sei. Einen richtigen Grund für die enormen Zuwächse vor Ort findet Riedl nicht, vor allem auch, da die AfD in Roding weder einen Ortsverband hat noch im Stadtrat vertreten ist. Sie hofft, dass es nun bald eine neue, stabile Bundesregierung gibt, die es schafft, „den Riss, der offensichtlich durch die Gesellschaft geht, zu kitten.“

Neben der AfD gehörte auch die CSU in der Stadt zu den Wahlgewinnern, sie stieg von 34,9 auf 40,6 Prozent. Klare Verluste mussten hingegen SPD (von 14,4 auf 6,8 Prozent) und die Freien Wähler (16,7 auf 8,0) hinnehmen.

• Falkenstein: Auch im Markt Falkenstein legte die AfD enorm zu, von 12,4 auf 27,8 Prozent stieg die Zahl der Wähler, die bei ihr ihr Kreuz gemacht haben. Leicht nach oben von 38,6 auf 41,5 Prozent ging es für die CSU, im Sinkflug waren entsprechend dem Trend im Altlandkreis SPD (von 13,3 auf 6,9) sowie Freie Wähler (von 16,9 auf 9,2). Die Wahlbeteiligung war mit 86,5 Prozent sehr hoch.

• Stamsried: Mit 38,4 Prozent der Stimmen (2021 waren es 32,6) wurde die CSU auch im Markt Stamsried die stärkste Kraft. Steil nach oben ging es für die AfD, die von 13,1 auf 31,4 Prozent der Stimmen kletterte. Die Freien Wähler stürzten von 22,3 auf 10,5 Prozent ab, die SPD von 13,7 auf 5,7.

• Pösing: In der Gemeinde Pösing wuchs die Zustimmung für die AfD ebenso riesig, allerdings sind 23,3 Prozent der niedrigste Wert im gesamten Landkreis Cham. 2021 hatten jedoch nur 9,9 Prozent der Pösinger der rechtspopulistischen Partei ihre Stimme gegeben. Große Zuwächse gab es auch für die CSU, die von 33,1 auf 43,2 Prozent kletterte. Nur noch wenige Pösinger konnten sich dagegen mit SPD (von 17,6 auf 6,2 Prozent) und Freien Wählern (von 20,3 auf 10,0) anfreunden.

• Michelsneukirchen: 24,5 Prozent der Michelsneukirchener, die ihre Stimme abgaben, votierten bei der AfD, eine Steigerung von 14,5 Prozentpunkten im Vergleich zur Bundestagswahl 2021. Die CSU konnte leicht von 40,2 auf 42,9 Prozent zulegen, steil bergab von 22,4 auf 13,7 Prozent ging es dagegen für die Freien Wähler. Auch die SPD musste eine Schlappe einstecken, von 11,3 ging es hinunter auf 6,4 Prozent.

• Reichenbach; In Reichenbach holte die CSU mit 40,5 Prozent die meisten Stimmen (2021 waren es 37,6 Prozent) vor der AfD, die auch in dieser Gemeinde enorm von 13,0 auf 31,1 Prozent zulegte. Bei der SPD machten nur noch 6,4 Prozent der Reichenbacher, die an der Wahl teilnehmen, ihr Kreuz bei der Zweitstimme, weniger als die Hälfte im Vergleich zur letzten Bundestagswahl (14,7). Der Sinkflug der Freien Wähler war auch hier nicht aufzuhalten, die Zustimmung sank von 12,6 auf 7,0 Prozent.

• Rettenbach: Immerhin noch 13,4 Prozent der Stimmen holten die Freien Wähler in Rettenbach, trotzdem ein Verlust von 7,3 Prozent im Vergleich mit 2021. Die AfD konnte in der Gemeinde stark von 11,3 auf 28,8 Prozent zulegen, leichte Zuwächse von 2,8 Prozent gab es auch für Wahlgewinner CSU. Sogar unter der Fünf-Prozent-Grenze landete die SPD (4,5) in der Gemeinde, bei der letzten Bundestagswahl hatten noch 12,0 Prozent der Rettenbacher den Sozialdemokraten ihre Stimme gegeben.

• Wald: Mehr als verdoppeln konnte die AfD ihren Anteil an den Wählerstimmen auch in Wald, von 11,3 stieg der Wert auf 24,6 Prozent. Nach oben ging es auch für die CSU von 39,0 auf 43,1 Prozent, Verluste gab es auch in dieser Gemeinde für SPD (von 15,4 auf 8,1 Prozent) sowie die Freien Wähler (von 12,8 auf 8,2).

• Walderbach; Massiv verloren haben die Freien Wähler in Walderbach, von 20,2 ging es hinunter auf 8,2 Prozent. Große Verluste musste auch die SPD hinnehmen, nur noch 6,3 Prozent der Wählerstimmen gingen an die Sozialdemokraten, bei der letzten Bundestagswahl waren es noch 14,3 Prozent gewesen. Massiv dagegen auch in Walderbach der Anstieg bei der AfD, von 11,6 ging es auf 27,9 Prozent hoch. Und auch in dieser Gemeinde konnte die CSU von 37,6 auf 42,9 Prozent zulegen.

• Zell: Mit 87,8 Prozent gab es in Zell nach Schönthal (89,7) die zweithöchste Wahlbeteiligung im Landkreis Cham. 43,2 Prozent machten dabei ihr Kreuz bei der CSU, eine Steigerung von genau fünf Prozent. Noch deutlicher nach oben ging es für die AfD, die von 10,0 auf 25,7 Prozent kletterte. Die SPD stürzte in Zell von 13,7 auf 5,5 Prozent ab, für die Freien Wähler ging 17,8 hinunter auf 11,1 Prozent.