Cherry verfehlt Ziele, Aktienkurs schwächelt – aber: „Für uns war 2024 kein Krisenjahr“

Bei Cherry aus Auerbach im Landkreis Amberg-Sulzbach lief es im vergangenen Jahr alles andere als rund. Der Vorstandsvorsitzende Oliver Kaltner nimmt auch die Politik in die Verantwortung.
Das vergangene Jahr hat für den Oberpfälzer Tastaturhersteller Cherry mit einer Gewinnwarnung begonnen. Kurz vor der Veröffentlichung der Zahlen für 2023 teilte das Unternehmen mit, dass die Prognose verfehlt wurde. Vorstandsvorsitzender Oliver Kaltner blickte damals dennoch optimistisch in die Zukunft.
Ebitda-Marge: Tastaturhersteller verfehlt Prognose
Und was wurde daraus? Es wirkt wie ein Déjà-vu: Am Donnerstag will Cherry seine vorläufigen Zahlen für 2024 bekanntgeben. Allerdings gab es vor einigen Tagen erneut eine Gewinnwarnung: Wieder wurde die Prognose nicht erreicht. Noch dazu ist der Aktienkurs im vergangenen Jahr weiter in den Keller gerauscht. Ein Krisenjahr für den Konzern? Kaltner widerspricht.
Vor etwa einem Jahr hatte der Cherry-Chef der Mediengruppe Bayern noch folgendes mitgeteilt: „Der Plan für 2024 sieht Profitabilität in allen drei Geschäftsbereichen vor.“ Kurz zuvor hatte sein Unternehmen die Prognose für die bereinigte Ebitda-Marge für das Jahr 2023 deutlich verfehlt: Statt zehn waren es am Ende nur zwei Prozent. Beim Ebitda handelt es sich um den Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen. Dessen Verhältnis zum Umsatz, also die Marge, ist eine wichtige Kennzahl für die Profitabilität einer Firma.
Cherry: 2024 Weichen für die Zukunft gestellt
Für 2024 rechnete Cherry, das seinen Hauptsitz in Auerbach im Kreis Amberg-Sulzbach hat, zunächst von einer bereinigten Ebitda-Marge zwischen sieben und acht Prozent. Mitte Oktober dann die Korrektur: drei Prozent. Die Gewinnwarnung von vor etwa zwei Wochen setzte nun noch einen drauf: Den vorläufigen, ungeprüften Zahlen zufolge kommt Cherry für das vergangene Jahr auf eine negative Ebitda-Marge von minus zwei Prozent. Grund sei das Absinken des Umsatzes, teilte das Unternehmen mit. Erwartet hatte Cherry hier etwa 120 Millionen Euro, vor Aktualisierung der Prognose im Oktober waren es sogar 140 bis 150 Millionen Euro. Nun die Ernüchterung: Im vergangenen Jahr erzielten die Oberpfälzer einen Umsatz von circa 110 Millionen Euro.
„Für uns war 2024 kein Krisenjahr, sondern eine Phase der notwendigen Weichenstellungen“, sagt Kaltner dennoch auf Anfrage der Mediengruppe Bayern. Man habe mit „gezielten strukturellen Maßnahmen“ die Grundlage für langfristige Wettbewerbsfähigkeit geschaffen. Deshalb sehe man für 2025, „trotz unverändert notwendiger Kraftanstrengungen, positive Perspektiven“, so der Vorstandsvorsitzende.
Aktienkurs der Cherry SE soll wieder nach oben gehen
Seinen Optimismus zieht Kaltner zum einen aus einer teilweisen Neuordnung und Neuausrichtung der Geschäftsbereiche. Aber auch „mögliche politische Weichenstellungen nach der Bundestagswahl“ lassen den Cherry-Chef auf einen Richtungswechsel hoffen, „im Zuge dessen Deutschland aus der Rezession geführt werden muss“, wie Kaltner mitteilt. Ihm zufolge trägt die Politik eine wesentliche Mitschuld an der Performance des Oberpfälzer Tastaturherstellers. 2024 sei für den gesamten deutschen Mittelstand herausfordernd gewesen, auch für Cherry, so Kaltner. „Wir sind aber sicher, dass wir bei gleichbleibenden Rahmenbedingungen, unsere Prognose erreicht hätten.“ 2025 müssten „Politik und Wirtschaft gemeinsam Lösungen finden, um nachhaltiges Wachstum zu ermöglichen“, sagt der Vorstandsvorsitzende.
Das soll sich dann auch im Aktienkurs der Cherry SE widerspiegeln. Denn der setzte im vergangenen Jahr seine Talfahrt fort. Das Unternehmen ging Mitte 2021 mit einem Kurs von 32 Euro an die Börse. Von da an ging es fast kontinuierlich nach unten. Der bisherige Tiefpunkt wurde im vergangenen Oktober erreicht. Nur 52 Cent war eine Aktie zwischenzeitlich wert. Danach ging es immerhin wieder etwas bergauf: Aktuell schwankt der Kurs etwa zwischen 80 Cent und einem Euro.
Kaltner nennt Forderungen an die Politik
„Der Aktienkurs spiegelt nicht immer unmittelbar die fundamentale Entwicklung eines Unternehmens wider“, sagt Kaltner der Mediengruppe Bayern. Allerdings sei er als Teil des Managements selbst Aktionär und deshalb „eng mit der langfristigen Wertentwicklung verbunden“. Entscheidend sei aber „nicht die kurzfristige Kursbewegung, sondern substanziell tragfähige Maßnahmen, um das Unternehmen strategisch weiterzuentwickeln“. 2025 wolle man sich dazu verstärkt auf mittel- bis langfristige Ziele fokussieren. Konkret bedeutet das Kaltner zufolge: keine Quartalsprognosen mehr. „Angesichts der volatilen Rahmenbedingungen, insbesondere der politischen und geopolitischen Unsicherheiten und der möglichen Handelsbeschränkungen“ setze man 2025 nur auf eine belastbare Jahresprognose. Dass diese nicht wieder verfehlt wird, ist offenbar auch eine Sache der neuen Bundesregierung. Die Forderungen sind Kaltner zufolge klar: „Wir brauchen weniger Bürokratie, mehr unternehmerischen Freiraum und eine Entlastung von Kostendruck, um aktiv zur wirtschaftlichen Stabilität beizutragen.“
