Aktien, Gold, Bitcoins: Was ist die passende Strategie? Und was hat ein Hund damit zu tun?

Von Lorenz Nix · 27. Januar 2025 um 09:12

Aktien, Gold oder doch Bitcoins? Der Oberpfälzer Finanzexperte Matthias Herold erklärt, wann welche Anlagestrategie sinnvoll ist – und was die Börse mit Gassigehen zu tun hat.

Die Deutschen sind so reich wie nie. Trotz Konjunkturflaute stieg das Geldvermögen 2024 laut einer Studie der DZ Bank auf 9,3 Billionen Euro – ein Plus von knapp sechs Prozent im Vergleich zu 2023. Ein Großteil der Bundesbürger lagert sein Geld auf Bankkonten. Tages- oder Festgeld sind tatsächlich keine schlechte Wahl, wenn kurz- beziehungsweise mittelfristig darauf zugegriffen werden soll. „Da habe ich schließlich kein Risiko“, erklärt Matthias Herold, Direktor bei der Robert Beer Investment GmbH aus Parkstein (Lkr. Neustadt a.d. Waldnaab). Wer allerdings längerfristig auf sein Geld verzichten kann, sollte sich dem Finanzexperten zufolge auch mit anderen Anlagemodellen befassen. „Die sind dann oft attraktiver.“

Lohnt sich der Aktienkauf trotz Konjunkturflaute?

Immerhin 9,4 Prozent des privaten Geldvermögens der Deutschen stecken laut DZ Bank in Aktien. Tatsächlich hat sich der hiesige Börsenmarkt im vergangenen Jahr gut entwickelt: Während die Wirtschaft schrumpfte, legte der Deutsche-Aktienindex um etwa 18 Prozent zu. Geht das so weiter? Herold zitiert den 1999 gestorbenen Börsen-Altmeister André Kostolany. Der sagte einst: „Das Verhältnis von Wirtschaft zur Börse ist wie das eines Mannes auf einem Spaziergang mit seinem Hund.“ Der Mann, also die Wirtschaft, geht seinen Weg. Mal schneller, mal langsamer, aktuell steht sie in Deutschland sogar still. Der Hund als Symbol für die Börse läuft mal vorneweg oder läuft zeitweise hinterher. Langfristig geht der Hund den Weg des Herrchens nach vorne mit. „Es ist immer schwer zu sagen, wo er im nächsten Schritt hinläuft“, sagt Herold. Deswegen könne man auch nicht vorhersagen, wie sich der Aktienmarkt auf kurzfristige Sicht, also in ein bis zwei Jahren, entwickeln werde. Grundsätzlich könne man aber guten Gewissens in Aktien investieren, so Herold – „wenn man einen langfristigen Anlagehorizont hat“. Wer dann in Standardaktien investiere, könne nur wenig falsch machen.

Einzelaktie, Fonds, ETF: Die Qual der Wahl?

Wer sein Geld in Unternehmensanteile stecken will, hat mehrere Möglichkeiten. Dass man mit Einzelaktien die größten Renditechancen hat, liegt auf der Hand. „Man hat aber auch das größte Risiko“, sagt Herold. Denn trotz positiver Märkte kann man daneben greifen. Ein Beispiel aus der Region: Wer Anfang 2024 in die Oberpfälzer Grammer AG investiert hat, musste beobachten, wie seine Aktien im Laufe des Jahres mehr als die Hälfte ihres Werts verloren haben. Natürlich gibt es aber auch Ausbrecher in die andere Richtung: Siemens Energy legte 2024 um beeindruckende 311 Prozent zu. „Die Spreizung zwischen Gewinnern und Verlieren ist enorm“, sagt Herold. Er rät: „Einzelaktien für den, der weiß, was er tut und sich auskennt.“ Für die meisten seien aber Fonds oder ETFs sinnvoller.

Was ist der Unterschied zwischen Fonds und ETF?

Aktienfonds werden aktiv von einem oder mehreren Fondsmanagern verwaltet. Die passiven „Exchange Traded Funds“ bilden hingegen einen Index nach. Ein Beispiel für so einen Index ist der Dax. Auch der könne aber an Wert verlieren, sagt Herold – unter anderem, weil darin zwar 40 Aktien gelistet seien, fast die Hälfte der Wertentwicklung aber von den fünf größten Titeln SAP, Siemens, Allianz, Telekom und Airbus abgebildet werde. „Wenn die schwächeln, hat der Index und somit auch der Dax-ETF ein Problem“, so der Experte. In dem Fall würde man sich vielleicht einen aktiv gemangten Fonds wünschen. Schließlich könnten die Verantwortlichen dann auf etwaige Kursstürze reagieren, sagt Herold. Allerdings: „Ja, das kostet etwas.“ Entscheidend sei jedoch die Qualität und das langfristige Ergebnis nach Aufwärts- und Abwärtsphasen. Tatsächlich sind ETFs meist deutlich kostengünstiger als klassische Aktienfonds.

Kann ich auch kleine Summen anlegen?

Sowohl Fonds als auch ETFs könne man auch mit Kleinstsummen besparen, sagt Herold. „Egal ob man 25 Euro oder 250 000 Euro investiert: Jeder bekommt die gleichen Aktien.“ Am Ende sei es wichtig, dass man Geld investiert – mache man das regelmäßig, könne man auch mit kleinen Summen einiges erreichen.

Edelmetall statt Aktien: Wie wäre es mit Gold?

Der Goldpreis hat im vergangenen Jahr Rekord-Höhen erreicht. Wer in das Edelmetall investiert hatte, durfte sich freuen. Es ist allerdings nicht ausgemacht, dass die Rallye sich auch heuer fortsetzt. Experten empfehlen deshalb, Gold nur dem Portfolio beizumischen. Der Meinung ist auch Herold. „Wenn ich eine Siemens-Aktie habe, arbeiten tagtäglich hunderttausende Menschen für mich. Die machen Umsatz, Gewinn, ich bekomme Dividende.“ Wer Immobilien besitze, bekomme Mieteinnahmen. Und bei Gold? „Gold bringt weder Zins noch Dividende. Gold ist im Gegensatz zu Geld jedoch nur begrenzt verfügbar. Und historisch die älteste Währung der Welt.“

Sind Krypto-Währungen eine gute Idee?

Krypto boomt: 2024 erreichte der Bitcoin-Kurs erstmals die Marke von 100 000 US-Dollar. Das Problem: Die digitale Währung ist sehr volatil. „Tagesschwankungen von zehn Prozent sind da keine Ausnahme, sondern eher die Realität“, erklärt Herold. Für den Oberpfälzer Finanzexperten ist der Bitcoin deshalb keine Alternative zu klassischen Anlagestrategien. Es könne zwar gut sein, dass der Kurs weiter nach oben geht. Aber: „Es waren sogar mal Tulpenzwiebeln so wertvoll wie Einfamilienhäuser“, verweist Herold auf die sogenannte Tulpenmanie im 17. Jahrhundert in den Niederlanden. Heute kostet eine Tulpenzwiebel unter einem Euro. „Keiner weiß, was mit dem Bitcoin in zehn Jahren ist“, sagt Herold.