„Handwerker-Engel“ aus Regensburg: Systematische Abzocke oder alles rechtens?

Der Mammut-Prozess gegen einen Regensburger Unternehmer und drei Mitangeklagte hat begonnen. 211 Fälle von gewerbsmäßigem Bandenbetrug legt die Staatsanwaltschaft ihnen zur Last. Die Verteidiger kündigen Einlassungen für Tag 2 an.
Auftakt im Prozess gegen den sogenannten „Handwerker-Engel“: Ein Regensburger Unternehmer steht seit 20. Februar in Regensburg vor Gericht, weil er Verbraucher quer durch Deutschland und in Österreich betrogen haben oder es versucht haben soll. Die Anklage weist 211 Fälle des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs aus, in 45 davon ist zudem Wucher angeklagt. Der 56-Jährige soll der Kopf und Chef eines Abzocker-Systems sein. Er weist jede Schuld zurück.
Gemessen daran, wie viele Beschwerden und Warnungen es zum Hauptangeklagten persönlich oder den vielen Unternehmen, die ihm gehören oder an denen er beteiligt gewesen sein soll, ist das Interesse mehr als überschaubar. Nur ein Zuhörer nimmt neben Pressevertretern im Sitzungssaal des Landgerichts Platz. Zunächst aber ist viel Geduld gefragt. Allein die Verlesung der Anklageschrift nahm über zwei Stunden am ersten Verhandlungstag ein. Nach einer Stunde wird die erste Pause gefordert, der Prozess für 15 Minuten unterbrochen. Bis kurz nach 12 Uhr dauert es, bis jeder einzelne Fall, den Ermittler zusammengetragen haben, verlesen ist.
Notdienst-Nummern endeten in Callcenter in Regensburg
Der angeklagte Unternehmer, vor allem bei Verbraucherschützern besser bekannt als „Handwerker-Engel“, soll demnach mit einem ausgeklügelten System Menschen quer durch Deutschland aufgebaut haben. Wer im Internet einen Notdienst suchte, soll im Callcenter in Regensburg gelandet sein – statt bei Handwerkern vor Ort, die die Kunden anrufen wollten. Von wo die Monteure dann anreiste, soll gezielt verschwiegen worden sein, sagt die Anklage.
Sie sollen deutschlandweit unter Vertrag genommen und von einem der drei Mitangeklagten geschult worden sein. Aufträge seien nach einer Liste vorrangig an Monteure gegangen, die hohe Umsätze machten, so die Anklage. Und: Der „Handwerker-Engel“ soll anteilige Provisionen von bis zu 65 Prozent kassiert haben. Gemessen an 2132 Euro, die in einem Fall für den Tausch eines Schließzylinders fällig wurden, ein einträgliches Geschäftsmodell.
Deal mit Bewährungsstrafe wurden ausgeschlagen
Wie der Vorsitzende Richter Thomas Zenger am Donnerstag bestätigte, gab es im Vorfeld des Prozesses einen Erörterungstermin, bei dem den Angeklagten höchstens zwei Jahre auf Bewährung in Aussicht gestellt wurden. Der 56-Jährige und die Mitangeklagten lehnten das ab. Strafverteidiger Michael Haizmann sagte in einer Pause, dass sich sein Mandant umfassend äußern werden.
Auch die übrigen Verteidiger, Prof. Dr. Jan Bockemühl, Dagmar Ciccotti, Dr. Florian Münch und David Hölldobler, ließen klar durchblicken, dass man sich zu den Vorwürfen einlassen werden. Allerdings soll das erst Mitte März sein, wenn die Hauptverhandlung fortgesetzt wird. Tag 1 war nach der Verlesung der Anklageschrift bald vorbei.
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Wann in dem Fall ein Urteil gesprochen wird, ist offen. Die Verteidigung deutete an, dass „jeder einzelne der mutmaßlichen Geschädigten angehört werden“ muss. Vom Landgericht wurden mehr als 40 Prozesstage bis Oktober angesetzt.
