Endlich weg vom teuren Strompreis: Berching hofft, ab 2026 weniger als 70 Cent/kWh zu bezahlen

Von Bernhard Neumayer · 19. Februar 2025 um 17:00

Der aktuelle Stromvertrag ist mit knapp 70 Cent pro Kilowattstunde deutlich zu teuer. Darin waren sich alle Stadträte am Dienstag einig. Ob die Stadt Berching nach dem bitteren Ausgang zuletzt erneut an der Bündelausschreibung des Bayerischen Gemeindetags teilnehmen sollte, darin schieden sich allerdings die Geister.

Die Ausgangslage ist klar: Die Stadt zahlt für Strom seit Januar 2023 bis einschließlich Ende 2025 knapp 70 Cent/kWh. Das sorgte 2023 für enorme Kosten. Rund 1600 Megawattstunden Strom hat die Stadt nach eigenen Angaben 2023 verbraucht – und dafür circa 710.000 Euro zahlen müssen. So viel wie nie zuvor in den vergangenen Jahren. Größter Stromfresser ist das Berle-Bad.

Stadt Berching: Der Stromvertrag läuft 2025 aus

Ab dem kommenden Jahr besteht die Chance, günstigeren Strom zu beziehen, weil der aktuelle Vertrag Ende 2025 ausläuft. Deshalb machte sich der Stadtrat in der Sitzung am Dienstag Gedanken, welche Stromart bezogen und wie ausgeschrieben werden soll – entweder erneut über die Strombündelausschreibung des Gemeindetags oder über ein externes Büro, das die Stadt selbst beauftragt.

Für Stadtrat Erhard Wolfrum (SPD) war klar: „Wir können nicht wieder die Katze im Sack kaufen.“ Der horrende Strompreis habe dafür gesorgt, dass die Rappersdorfer für Strom in ihrem Dorfhaus „3000 bis 4000 Euro“ bezahlen mussten. Ortssprecher Wolfrum sprach sich deshalb gegen die Bündelausschreibung des Gemeindetags aus. Manfred Rackl (CSU) und Werner Stork (DFB) pflichteten ihm bei. „Wir schließen einen Vertrag ab und wissen nicht, welchen Preis wir bekommen. Wenn ich das daheim machen würde ...“, sagte Stork.

Josef Leidl und Max Stadler (beide CSU) hielten dagegen, dass man in den vergangenen Jahren immer gut mit der Bündelausschreibung gefahren sei – abgesehen von dem Ausreißer zuletzt.

Strom: Bündelausschreibung des Bayerischen Gemeindetags

Bei der Bündelausschreibung, die nun über den Softwareentwickler enPortal aus Schleswig-Holstein läuft, entscheidet der Gemeindetag über den an der Börse gehandelten Strompreis. Beauftragt die Stadt eigens ein Büro, müsste der Bürgermeister innerhalb einer Stunde über das Angebot entscheiden. „Das ist wie Roulette“, sagte Bürgermeister Ludwig Eisenreich, der nach eigenen Angaben froh wäre, wenn die Abwicklung wie zuletzt über den Gemeindetag liefe. Dieser versuche, für mehrere Kommunen günstigere Angebote zu erhalten, als wenn eine Gemeinde das auf eigene Faust versucht.

„Glauben wir ernsthaft, dass wir einen besseren Preis erzielen, wenn wir das selbst in die Hand nehmen?“, fragte Andreas Höffler (CSU) in die Runde, in der zuvor lange diskutiert worden war. Die Wahrscheinlichkeit, bei einem „Massenauftrag“ über den Gemeindetag besser wegzukommen, sei für ihn höher.

Strom: Wo ist er am günstigsten?

Ob der Preis gut oder schlecht sei, wisse man erst im Nachhinein, bilanzierte Manfred Lang vom Bauamt. Er gehe aber davon aus, dass man über eine Bündelausschreibung im Regelfall besser wegkomme. Der Gemeindetag arbeitet dabei mit einem neuen Büro zusammen, der Firma enPortal.

Der Softwareentwickler wolle flexibel sein. Es würden immer wieder Bündel auf den Markt geworfen, die günstige Verträge versprechen, so Lang. Ob dann beispielsweise ein Ein- oder Dreijahresvertrag abgeschlossen werde, könne man noch nicht sagen. Das werde spontan entschieden – je nach Marktlage. Fällig würde eine Grundvergütung von gut 3200 Euro, damit sich der Gemeindetag mit dem Softwareentwickler um die Ausschreibung kümmert.

Die Mehrheit stimmte für die Bündelausschreibung. Mit 12:4 (bei dieser Abstimmung war ein Stadtrat kurzzeitig nicht im Saal) beziehungsweise 13:4 Stimmen sprach sich das Gremium dafür aus, den Vertrag mit der enPortal GmbH abzuschließen und dem Gemeindetag die Vollmacht zu erteilen.

Darüber, welche Stromart (Graustrom oder Ökostrom mit oder ohne Neuanlagenquote) beschafft werden soll, diskutierten die Räte übrigens nicht. Die Mitglieder stimmten mit 10:7 für Graustrom, bei dem der Ökostromanteil bei jedem Lieferanten unterschiedlich sei.

Bevor der Stadtrat überhaupt über die Stromausschreibung diskutierte, hatte Franz Donhauser (DFB) schon zu Beginn der Sitzung den Antrag gestellt, auf einen Beschluss zu verzichten und diesen nachzuholen.

Denn den Stadträten seien zusätzliche Informationen zu kurzfristig zur Verfügung gestellt worden. „Einige haben es deshalb nicht mehr geschafft, sich mit allen Unterlagen auseinander zu setzen“, so Donhauser. Sein Antrag wurde aber mit 4:12 Stimmen abgelehnt.