1,1 Millionen Euro: Berle-Bad in Berching verzeichnet Rekord-Verlust

Von Bernhard Neumayer · 27. Februar 2024 um 19:00

70 Cent pro Kilowattstunde Strom zahlt die Stadt Berching im Landkreis Neumarkt. Insbesondere die Energiekosten sind der Grund, warum das Defizit im Berle so hoch ausfällt wie noch nie zuvor. Das Problem: Aus den Stromverträgen kommt die Stadt bis Ende 2025 nicht heraus. Jetzt soll eine Machbarkeitsstudie helfen.

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CSU-Stadtrat Achim Christl fragte in der jüngsten Stadtratssitzung, wie schlimm die „hochdefizitäre“ Lage im Berle-Bad ist. Neben seinen zwei weiteren Anfragen zu Schule und Kindergarten ging diese Frage unter. Eine Antwort im offiziellen Teil der Sitzung bekam Christl jedenfalls nicht. Jetzt äußern sich Bürgermeister und Kämmerer auf Nachfrage unserer Zeitung.

2023 machte das Bad über 1,1 Millionen Euro Verlust (1.108.000 Euro). Noch nie in der 26-jährigen Geschichte des Berles lag das Defizit so hoch wie im vergangenen Jahr.

Stadt Berching zahlt 70 Cent/kWh Strom

Grund ist nach Angaben der Stadtverwaltung vor allem der hohe Strompreis. Er liege bei knapp 70 Cent pro Kilowattstunde – und damit deutlich über dem Preis, den Privatkunden in der Regel zahlen. Der vorherige Strompreisvertrag sei Ende 2022 – und damit zur Unzeit für die Stadt – ausgelaufen. Denn die Gemeinde habe mitten in unsicheren Zeiten, insbesondere wegen des Ukraine-Kriegs war die Stromversorgung unklar, einen neuen Vertrag abschließen müssen. „Da war der Preis natürlich am Höhepunkt“, heißt es aus dem Rathaus. Der Bayerische Gemeindetag hatte versucht, für mehrere Kommunen günstigere Angebote bei einer europaweiten Ausschreibung zu erhalten und die Versorgung sicherzustellen. Auch die Stadt Berching schloss sich an – und zahlt nun seit Januar 2023 knapp 70 pro kWh.

Bis einschließlich 2025 sei die Stadt noch an diesen Preis gebunden. Eine Möglichkeit, aus den Verträgen herauszukommen, gebe es nicht. Ob die Verwaltung ab 2026 einen günstigeren Tarif abschließen kann, sei noch nicht absehbar. Das Ergebnis werde sich aus einer Strompreisausschreibung 2025 absehen lassen.

Um weniger Strom zukaufen zu müssen, schlagen Stadträte schon seit Jahren vor, eine PV-Anlage zu errichten. Ein Statiker hat mittlerweile grünes Licht gegeben, auf Teilen des Bad-Dachs Photovoltaikmodule zu verbauen.

Doch inwiefern könnte eine mögliche PV-Anlage auf dem Dach die Stromkosten des Bads senken? „Das kann nur schlecht geschätzt werden“, teilt der Kämmerer mit. Denn es sei nicht klar, welche Strommengen durch eine potenzielle Anlage produziert werden, die im Eigenverbrauch genutzt werden können.

Insgesamt würde sich eine PV-Anlage aber positiv auf die Kosten auswirken, da die Stadt dann weniger teuren Strom zukaufen müsste, sagt Kämmerer Christian Rogoza, wenngleich die Rechnung nicht so einfach ist. Denn eine PV-Anlage wäre nach Angaben des Kämmerers als eigene Einrichtung im Haushalt zu führen und der eingespeiste, selbstverbrauchte Strom intern zu verrechnen. Buchhalterisch komme es daher kaum zu einer Einsparung, hier zähle der Klimaschutzgedanke und die Einsparung von CO2.

Wie unsere Grafik zeigt, ist das jährliche Defizit im vergangenen Jahr um 368000Euro gestiegen im Vergleich zu 2022. Die Defizite der Jahre zuvor sind nach Angaben der Stadt nicht aussagekräftig. Denn 2021 und 2020 war von Corona geprägt und 2019 sowie 2018 herrschten wegen des Schadens am Dach eingeschränkte Betriebszeiten. Nachdem Sturmtief Fabienne im September 2018 einen Teil des Berle-Dachs abgerissen hatte, eröffnete das Bad erst wieder Ende November 2019. Zuvor pendelte sich das Defizit von 2014 bis 2017 zwischen 631.000Euro und 720.000Euro ein.

„Wie wir wissen, sind alle Bäder defizitär“, sagt Bürgermeister Ludwig Eisenreich. „Alle Bürgerinnen und Bürger können durch Besuche das Defizit verringern.“ Nichtsdestotrotz sei der Stadt der Betrieb des Berle-Bads wichtig, vor allem wegen der Volksgesundheit und des Schwimmenlernens, wie Eisenreich anführt.

Diese zwei wichtigen Gründe seien ausschlaggebend, das Bad weiter zu betreiben, auch wenn die Stadt mitteilt: „Aus Kostengründen und im Hinblick auf anstehende Aufgaben müsste der Betrieb des Bads auf den Prüfstand.“ Letztlich entscheiden politische Entscheidungsgremien darüber. Neben den „jährlich kontinuierlichen kleineren Sanierungsarbeiten“ (O-Ton Eisenreich), werde derzeit auch eine Machbarkeitsstudie zur Sanierung erstellt. Gegen Ende des zweiten Quartals, das mit Ablauf des Monats Juni endet, solle das Ergebnis vorliegen.

Berle-Bad in Berching: Sanierung wird geprüft

Ziel der Machbarkeitsstudie sei es, Gebäude und die verbaute Technik zu bewerten und einen Sanierungsbedarf zu prüfen. „Sobald ein passendes, bereits seit langem in Aussicht gestelltes, Förderprogramm des Freistaates kommt, soll die Generalsanierung vorangetrieben werden“, sagt Eisenreich.

Was konkret saniert werden muss, soll oder kann, obliege der Beurteilung des Bauamts. Eine erste Idee gibt es laut Eisenreich bereits. Die Küche der Cafeteria solle ausgelagert werden. Nach Angaben des Bauamtes könnte diese in einen neuen Anbau rechts vom Haupteingang Platz finden. Dann wäre die Küche mit den Fritteusen auch geruchlich vom Innenbereich des Bads getrennt. Bisher seien das nur erste Überlegungen, einen Auftrag an einen Planer gebe es noch nicht.

Und Geld würde ein Anbau ja auch kosten – und das kann die Stadt Berching in den kommenden Jahren an anderer Stelle gut gebrauchen – Stichwort: Schule.