So nah dürfen Windräder an Kelheimer und Sinzinger Häuser heranrücken

Manch Sinzinger sieht Kelheims Windpark-Pläne „nur auf Kosten der Nachbargemeinde“ gehen. Diese Fragen treiben Kelheimer und Sinzinger derzeit um. Kommende Woche beschäftigen sich wohl auch Kelheims Stadt- wie Sinzings Gemeinderat mit dem Thema.
Kelheims Windpark-Pläne treiben Anwohner in den nordöstlichen Dörfern der Kreisstadt wie auch im Nachbar-Landkreis Regensburg weiter um. Insbesondere die Fragen, wie nah Windräder an Häuser heranrücken dürfen, und wie die Fläche, die die Gemüter erregt, überhaupt ins Interesse der regionalen Windplanung und Projektierung gerückt ist.
• Abstand zu Wohnhäusern: Die Info, dass Windräder mit weniger als 1000 Metern Abstand zu ihren Häusern gebaut werden könnten, beschäftigt die Menschen, die um das Gebiet nördlich von Kapfelberg leben. Für einen 36-jährigen Saxberger gehört zur Brisanz, „dass die Kreisstadt ein Windvorranggebiet ins Feld führt, um Flächenziele zu erfüllen, aber nur auf Kosten der Nachbargemeinde“. Zu Kelheimer Dörfern hätten die geplanten Anlagen „deutlich größeren Abstand“. Zusätzliche Sorge der Anwohner aus beiden Kreisen: Sobald die Vorrangflächen im Regionalplan offiziell ausgewiesen sind, „dürfen die Windräder näher an die Wohnbebauung heranrücken und man kann nichts dagegen tun“.
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• Das sagen die Experten: Aktuell kann laut Windkümmerin Lilli Wolff von der Energieagentur Regensburg ein Abstand von 1000 Metern zu Wohnhäusern nur unterschritten werden, „wenn man ein Bauleitverfahren durchführt“. Dies war der „übliche Weg“, als überall 10H gegolten habe. Hier sei so etwas nicht geplant. Mit Blick auf künftig Erlaubtes erklärt Michael Gottschalk, der Geschäftsführer des Planungsverbands der Region 11 (zu dem Kelheim gehört): „Künftig sollen im Regionalplan 900 Meter zu Wohn-, Misch- oder Dorf-Gebieten mit Bebauungsplan erlaubt sein und 550 Meter zu Wohngebäuden im Außenbereich“.
Christoph Walter vom Bögl-Projektteam bestätigt, dass man sich mit den Entwürfen innerhalb der Abstände bewege, die in der Regionalplanung vorgesehen seien. „Die genauen Distanzen ergeben sich später, wenn wir wissen, welche Eigentümer mitmachen und durch die weiteren Planungen im Zuge der Antragstellung zur Baugenehmigung.“
• Wie kam die Fläche aufs Tableau? Die Kelheimer Initiative „Heimat retten“ sieht bei den Mitbürgern seit dem Info-Abend der Stadt „große Verunsicherung“ in Bezug auf die Regionalplanung und die „Handlungsmöglichkeiten der Stadt“, sagt Sprecher Florian Karl. „Stadt und Windkümmerin erwecken den Eindruck, als gäbe es keine Alternativen und man könne nichts dagegen tun.“
Es gehe aber nicht darum, dass die Kreisstadt 1,1 Prozent ihrer Fläche für Windkraft ausweisen müsse. Die Zahl müsse im gesamten Planungsverband zustande kommen. „Wenn keine geeigneten Flächen vorhanden sind, besteht kein Zwang zur Meldung“, so sieht es Karl.
Auf Nachfrage, was passierte, wenn eine Gemeinde genau damit argumentierte und nichts meldete, entgegnet Michael Gottschalk: „Wegen der zu erfüllenden Flächenbeitragswerte wurden vom Planungsverband Flächen nach planerischen Gesichtspunkten ergänzt“. Zumal es wegen „militärischer Restriktionen nötig war, im Landkreis Kelheim weitere Flächen zu identifizieren“. Überhaupt zeichnet sich laut Gottschalk „nach Auswertung der Einwände im Beteiligungsverfahren“ ab, dass wegen militärischer Einschränkungen große Teile des Landkreises Kelheim südlich der Donau nicht für die Ausweisung als Vorranggebiet infrage kommen“.
„Fader Beigeschmack“
Und: Derzeit werde eine „fachlich geeignete Fläche“ (Anm. d. Red.: gemeint ist die nördlich von Kapfelberg) von „umweltrelevanten Fachstellen bezüglich einer Aufnahme ins Regionalplanverfahren vertieft geprüft“. Lilli Wolff geht „nach Rückmeldung des Planungsverbands“ davon aus, „dass die Fläche oder ein Teil“ enthalten sein werde. Im ersten Entwurf war sie es noch nicht, weil es die Fläche im Stadtwald bei Ihrlerstein war. Bekanntlich kann diese aber wegen militärischer Belange (Tiefflugkorridore für Hubschrauber) nicht für Windkraft genutzt werden. So war der Planungsverband laut Wolff „gezwungen, neue Flächen als Vorranggebiete aufzunehmen und hat diese ermittelt“. Kelheims Bürgermeister Christian Schweiger schildert es ähnlich: Im Mai 2024 habe ein Vertreter des Planungsverbands in der Arbeitsgruppe zum Energienutzungsplan (in der alle Fraktionen eingebunden gewesen seien) diese Fläche vorgestellt. Konsens sei gewesen, dass man sie für gut befinde, so Schweiger. Drei Monate später habe man dies offiziell dem Planungsverband mitgeteilt. Bei den Kritikern hinterlässt dieses Vorgehen einen „faden Beigeschmack“, so Wolfgang Schneider, Sprecher von „Heimat retten“. „Auch bei Befürwortern der Energiewende schleicht sich der Eindruck ein, dass der Standort für Quoten-Windräder herhalten soll.“
• Gesinnungswechsel? Auf die Frage, was wäre, wenn die Kreisstadt ihre Meinung änderte, antwortet Gottschalk: „Dies würde wie die fachlichen Einwände in Abwägung gestellt, bewertet und im Gesamtkontext mit der Regionalplan-Fortschreibung dem Planungsausschuss zur Billigung vorgelegt.“ Allerdings gelte es zu berücksichtigen, dass der Ausbau erneuerbarer Energien „im überragenden öffentlichen Interesse liegt“.
• Bereits zu viel gemeldet? Stimmen aus der Kommunalpolitik, wie Regensburgs CSU-Kreistagsfraktion, kritisieren, dass insgesamt bereits deutlich mehr Flächen auf Verbandsebene gemeldet seien, als nötig. Laut Gottschalk erreiche der im Entwurf enthaltene Umfang drei Prozent der Regionsfläche. Wegen unklarer Aspekte wie Militär oder Denkmalschutz seien „zahlreiche Pufferflächen“ eingeplant, um voranzukommen, so Gottschalk. Ziel sei „soweit möglich eine gleichmäßige Verteilung der Vorranggebiete über die gesamte Region“.
• Stadt- und Gemeinderat: Am Montag, 24. Februar, 18 Uhr, sind Windkraft und Freiflächen-PV nahe Kapfelberg erneut Thema im Kelheimer Stadtrat. Am Mittwoch, 26. Februar, 19 Uhr, soll nach MZ-Informationen auch im Sinzinger Gemeinderat mindestens ein Windkraft-Antrag auf der Tagesordnung sein.
Wie geht es bei der Initiative „Heimat retten“ weiter?
Initiative: Wir haben viel Zuspruch“, sagt Florian Karl, Sprecher der Initiative „Heimat retten“. Obwohl beim Info-Abend der Stadt von Dritten von einer bestehenden „Bürgerinitiative“ die Rede war, gibt es sie noch nicht, so Karl.
Wunsch: Die Mitglieder verfolgten die Entwicklungen genau. Dann werde man sehen. Von der Stadtratssitzung am Montag (Eil-Antrag der CSU zu Windkraft und Solarparks) wünschten sich die Bürger aus den Dörfern „ein Bekenntnis“ von den Stadträten zu ihrer Sicht auf die beiden Themen.

