Beschmiert, beklebt, zerrissen: Chamer Parteien kämpfen mit Plakat-Vandalismus

Normalerweise besteht der Wahlkampf schlimmstenfalls aus Wortgefechten. Richtig handgreiflich wird es nur selten – stattdessen werden Wut und Frust an Wahlplakaten ausgelassen. Sie werden getreten, beschmiert oder von ihren Plätzen heruntergerissen. Wie sieht das bei Parteien in Cham aus, fünf Tage vor der Bundestagswahl?
Ein Wahlplakat von Marianne Schieder liegt im Regen an der Florian-Geyer-Brücke. Es ist kein Einzelfall, sagt Horst Frey vom Ortsverband der SPD in Cham. Er hängt für die Partei Plakate in der Stadt auf. „In Cham ist ganz schön rumgeräubert worden“, sagt Frey. Ein Fünftel der rund 40 SPD-Plakate sei in der Stadt entfernt worden und musste ersetzt werden.
„Im Vergleich zu den letzten Wahlkämpfen wird mehr heruntergerissen“, weiß Martin Schoplocher. Er ist Vorsitzender des Chamer Ortsverbands der SPD. Der Grund für den vermehrten Vandalismus: Es gibt mehr Plakate. Die ist nämlich im Vergleich zur letzten Wahl erhöht. Außerdem sind die Wahlwerbungen auch an Plätzen befestigt, an denen sie leichter heruntergerissen werden können. „Der Vandalismus trifft nach meiner Einschätzung alle Parteien“, sagt der Vorsitzende.
Auch die Wahlwerbung der CSU sei von Vandalismus betroffen, so Kreisvorsitzender und Landtagsabgeordneter Gerhard Hopp. Die Schmierereien und Beschädigungen habe in letzter Zeit ein Stückweit zugenommen. „Aber das ist ein Trend, der die letzten Jahre schon zu sehen war“, so Hopp. Er verweist auch auf einen Vorfall. Wie das unsere Zeitung berichtet hat, soll AfD-Bundestagskandidat Reinhard Mixl ein Wahlplakat der CSU-Bundetagsabgeordneten Martina Engelhardt-Kopf mit seinem eigenen Plakat überklebt haben.
Auch die Grünen in Cham haben mit Vandalismus zu kämpfen. Ein Unbekannter hat zum Beispiel das Wort „Huhre“ auf ein Plakat von Annalena Baerbock geschrieben. In Cham-Janahof wurde ein Plakat mit einem Sticker der Schwarzen Sonne, einem Symbol aus der Zeit des Nationalsozialismus beklebt. Andrea Leiterman, Vorsitzende des Kreisverbands der Grünen, hat den Sticker schon öfter entfernt, aber ein neuer kommt immer wieder an das Plakat. „Da vermute ich, dass das jemand aus der näheren Umgebung ist“, sagt sie.
Der krasseste Fall, so Leitermann, sei ein Plakat, das beschmiert und in einen Misthaufen gesteckt wurde. Trotzdem empfindet die Kreisvorsitzende den Kampf um die Wahlplakate dieses Mal ruhiger als sonst. Sie erklärt sich das mit dem Zeitpunkt der Wahl. „Im Sommerwahlkampf sind die Menschen öfter draußen unterwegs“, sagt sie.
Mit einem Hakenkreuz auf der Stirn wurde die Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht der Partei BSW (Bündnis Sahra Wagenknecht) gezeichnet, so Stefan Scheingraber, Direktkandidat der Partei.
In der Falkensteiner Straße in Roding sei das Plakat beschmiert und heruntergerissen worden. „In der ganzen Oberpfalz erleben wir Beschädigungen und Schmierereien auf unseren Plakaten in einer Intensität, wie ich es bei vorhergegangenen Wahlkämpfen noch nicht erlebt habe“, sagt Scheingraber. Er habe außerdem Strafanzeige gestellt. Indirekt sieht Scheingraber einen Zusammenhang mit Diffamierungskampagnen, die seiner Ansicht nach gegen das BSW gerichtet sein sollen.
Genaue Zahlen in Sache des Vandalismus an Wahlplakaten in der Region konnte die Polizeiinspektion Cham auf Nachfrage nicht nennen. Generell gehe man den Anzeigen der Parteien nach, dabei handle es sich meistens um den Tatbestand der Sachbeschädigung.


