Vorträge, Wahl-O-Mat und KI : Wie in Chamer Schulen über die Bundestagswahl geredet wird

Von Bernd Hofmann · 7. Februar 2025 um 19:00

Viele soziale Medien sind bekanntermaßen Echokammern für die politische Meinung. Vor allem in der Zeit vor der Bundestagswahl versuchen Parteien junge Menschen zu beeinflussen. Was wird in den Chamer Schulen getan, damit sich Schüler ihre politischen Ansichten selbstständig bilden können?

„Die Bundestagswahl ist ein aktuelles Thema, das hauptsächlich bei den neunten und zehnten Klassen aktuell ist“, sagt Irene Träxler, Rektorin der Johann-Brunner-Mittelschule. Für die U18 Wahlen, eine symbolische Wahl, die meist kurz vor der offiziellen stattfindet, hatte die Schule dieses Jahr nicht genug Zeit: „Die Wahl-Verschiebung ist da zu kurzfristig gewesen.“ Laut Träxler habe man im Herbst auch mehr Zeit, die Wahl in den Lehrplan zu integrieren. Ähnlich geht es der Marienrealschule. „Wenn wir die Bundestagswahl mit der Europawahl vergleichen, machen wir ein bisschen weniger“, sagt Schulleiter Christian Haringer.

Auch hier liegt das an der kurzen Zeit vor der Wahl und „weil bei der Europawahl zum ersten Mal schon die 16-Jährigen wählen durften“, sagt Haringer. Deshalb sei dort sehr viel informiert worden. „Ich glaube, dass die meisten Schüler sich nicht aktiv über Politik informieren, sondern dass sie das mitkriegen, was im Internet aufploppt“, sagt er. Deshalb sieht er es als Verantwortung der Schule, die politische Bildung zum Teil zu übernehmen: „Ich bin ein Freund davon, dass man sagt, die Schule macht das, was das Elternhaus nicht leisten kann.“

„Du bist als Schule der Don Quijote, der gegen Windmühlen kämpft.“

Uwe Mißlinger

Fragen an die Parteien

Im Robert-Schuman-Gymnasium wird unter anderem eine künstliche Intelligenz für die Information über die Bundestagswahl benutzt. Bei dem auf KI basierenden „wahl.chat“ können die Schüler aktiv werden, so Schulleiter Rudolf Zell. Auf der Internetseite lassen sich Fragen an die einzelnen Parteien stellen, die dann die KI mit Nachweisen auf die Wahlprogramme und das Abstimmverhalten der Parteien beantwortet. Bei den Schülern des RSG sei das Politikinteresse groß. „Sie führen lebhafte Diskussionen über politische Themen“, sagt Zell. Auch die sozialen Medien haben dabei einen hohen Stellenwert: „TikToks werden wohl als Anregung genommen, um zum Beispiel auf die Seiten von ARD, ZDF zu gehen und sich dort weiter zu informieren. Allerdings sind die Parteien laut Schülerschaft unterschiedlich stark auf Social Media aktiv. Linke und AfD sind offenbar sehr, CDU und SPD eher weniger präsent.“ Im Rahmen des Unterrichts werde im Schuman Gymnasium unter anderem in den neu eingeführten Verfassungsviertelstunden über die Bundestagswahl geredet. Seit diesem Schuljahr soll diese die Werte des Grundgesetzes und der bayerischen Verfassung, insbesondere die Grundrechte, thematisieren. Die Viertelstunde findet einmal in der Woche statt, wie das bayerische Kultusministerium erklärt. Hier soll auf aktuelle Themen eingegangen werden, die die Schüler interessieren. Die Viertelstunde sei auch nicht an ein Fach gebunden, sondern ist Auftrag aller Lehrkräfte.

Ein Aussteiger im Fraunhofer

Das Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasium hatte am Donnerstag Besuch eines ehemaligen Mitglieds der rechten Szene. Dieser sei laut Schulleiter Uwe Mißlinger einer der berühmtesten Aussteiger aus der rechten Szene, einen Namen möchte er aber nicht nennen – weil dieser sich um Verfolgung aus seiner ehemaligen Gruppierung sorgt. Organisiert wurde der Vortrag vom Projekt-Seminar der 11. Klasse, Schule ohne Rassismus.

Im Unterrichtsalltag behandelt Mißlinger in einer 10. Klasse die Bundestagswahl. In Ethik thematisiert er, wie Wirtschaftspolitik aussehen soll und wie sozial diese sein sollte. „Ich habe den Eindruck, dass die Schüler extrem interessiert sind an der Thematik“, sagt Mißlinger. Das sich die Generation ihre Informationen von den sozialen Medien holt. hält er für eine Gefahr.

Der Oberstudiendirektor sieht seine Schüler ganz klar als Zielgruppe populistischer Rhetorik. Diese mache keinen Halt vor dem Gymnasium. „Du bist als Schule der Don Quijote, der gegen Windmühlen kämpft.“ Auch mit Blick auf den Besuch des rechten Aussteigers wirkt Mißlinger pessimistisch über die Wirkung auf die Schüler: „Nichtsdestotrotz denke ich, dass am Ende nicht so viel hängen bleibt. Die Schule bleibt die Schule und nicht der Kumpel, der es besser weiß, oder der Vater, der dich in deinen Einstellungen prägt.“