Das Modehaus Frey in der Stadt Cham zieht an: Unternehmen wächst überregional

Die wirtschaftliche Lage ist alles andere als rosig – und auch Cham wird da nicht verschont. „Wir spüren die Konsumzurückhaltung“, sagt Helmut Hagner.
Für den Unternehmensleiter und die Frey-Mannschaft ist das kein Grund, zu klagen oder nachzulassen. Es gelte, Kunden mit bester Beratung, großer Auswahl und einem Kauferlebnis zu überzeugen. Aber reicht das heute noch gegen die unerbittliche Onlinekonkurrenz?
Es sei jeden Tag eine Herausforderung für den Einzelhandel vor Ort im Allgemeinen und für Frey als einer der maßgebliche Einzelhändler in Ostbayern im Speziellen, sagt der Geschäftsführer des Handelsunternehmens mit Schwerpunkt Mode und Möbel.
Online bleibt Standbein
„Der Kunde geht dahin, wo er sich wohlfühlt“, betont er. Das wolle das Haus Frey bieten und schaffe das auch weit über Stadt- und Landkreisgrenzen hinaus. „Heute etwa an diesem Freitag haben wir drei Termine mit Regensburger Kunden zum Privatshopping“, beschreibt Hagner – die Stadt kommt aufs Land, um das zu finden, was man sucht. „Wir wachsen überregional“, sagt er.
Ähnlich sei das mit Online-Kunden. Es gebe einige Händler, die sich von diesem Geschäft verabschiedet hätten, weil es ihnen zu aufwendig sei. Aber auch Kunden würden dem Web enttäuscht den Rücken kehren. Hagner hat da eine Geschichte im Kopf: „Wer fünf Pakete geschickt bekommen hat, wovon am Ende kein Teil passt und er allein damit zu Hause sitzt, hat die Nase voll!“ Die Menschen seien auf der Suche nach Emotionen, nach Einkaufserlebnissen á la Pretty Women – das würden die 4000 Privatshopping-Termine von 2024 beweisen.
Bei Frey wolle man alle Türen offen haben – ob im stationären Handel, Online, auf Instagram oder Facebook. Die Auftritte auf Social Media würden von der jungen Kundschaft erwartet. „Wer dort eine schicke Jacke oder anderes entdecke, könne es gleich anklicken und kaufen – so sei hier der Weg. Und das Online-Konzept bei Frey scheint zu funktionieren. Freitag um 9.45 Uhr sind bereits 172 Onlinebestellungen für diesen Tag eingegangen, kann Hagner aktuell auf seinem Tablett sehen.
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„Die Wirtschaftsbedingungen vor unserer Türe können wir nichts beeinflussen, aber was drinnen passiert, das schon!“, so der 62-jährige Leiter des Familienunternehmens, das mittlerweile an fünf Standorten mit Bekleidungs- und Möbelhäusern in Ostbayern zu finden ist und über 500 Mitarbeiter zählt. Man lebe nicht auf einer „Insel der Glückseligkeit“, müsse Kosten anpassen und auch beim Personal immer optimieren – ohne aktuell hier jedoch Veränderungen zu planen, so der Unternehmensleiter. Es gelte, das Beste herauszuholen, so habe das Frey immer gesehen. Man verbinde gute Tradition mit Neuem: „Es hilft nichts, sich auf den Marktplatz zu stellen und zu schreien, dass keiner mehr kommt!“
Schon 2024 sei der Kostendruck etwa durch steigende Energiepreise gewachsen, der Gewinn geschrumpft. Am Ende sei man aber in den schwarzen Zahlen geblieben, sagt Hagner. Der Umsatz habe gestimmt – unter den Top-100-Handelsunternehmen Deutschlands ist die Frey-Gruppe seit 2023 gelistet und geblieben – doch die Ausgaben fraßen mehr vom Ergebnis als in den Vorjahren. 2025 plane das Unternehmen mit einer Seitwärtsbewegung beim Umsatz. Dennoch – und auch dank einer Unternehmerfamilie, die langfristig und nachhaltig denke – werde wie 2024, 2023 und davor weiter investiert. „Wir bringen die Technik und IT in Bad Kötzting auf Vordermann, für 1,5 Millionen. Das sind Sachen, die man nicht sieht“, sagt Hagner.
Zwangsjacke Bürokratie
Von der künftigen EU-Politik erwartet er fürs Unternehmen, dass der Rahmen für einen fairer Wettbewerb hergestellt wird und Plattformen wie Temu in die Schranken gewiesen werden. Zudem müsse die „Zwangsjacke“ Bürokratie bekämpft werden: „Wir schaffen das nicht mehr!“
Frey müsse attraktiv bleiben und immer wieder Neues bieten, neue Kunden und neue Segmente erobern. Auch dafür habe man in Cham in der Innenstadt die Frey Stores in einer großen leeren Immobilie eröffnet. Dadurch gelinge es, für alle Kundengruppen ein breites Angebot vorzuhalten – von normal- bis hochpreisig sei alles zu finden.
Die Chamer Innenstadt ist heute eine zusätzliche Herausforderung für Frey, wo doch vor den Toren im Süden andere Händler locken. Hier etwas zu bewegen, die Menschen in die Stadt bringen, ist auch eine besondere Aufgabe. Mit dem Haus am Marktplatz und dem Restaurant sei es heute wie früher, sagt Helmut Hagner: Man treffe sich bei Frey. Da scheinen sich die Vorzeichen fast zu drehen: Die Innenstadtlage, die das Unternehmen als Einzelhändler seit nun fast 125 Jahren innehat, wird zur Trumpfkarte – für den Einzelhändler, für die übrigen Geschäfte wie für die Stadt an sich. Events bei Frey in ChamHochzeitsmesse: Die Hochzeitsmesse mit 21 Ausstellern, die bei der Premiere 2024 über 3000 Gäste in die Innenstadt Chams lockte, findet am kommenden Samstag, 22. Februar, von 10 bis 17 Uhr im Haupthaus des Unternehmens Frey am Marktplatz statt.
Konzerte: Das Restaurant freys will mit mehreren Konzertevents mit Essen und Trinken Gäste anlocken. Das erste Musikevent ist am 22. März, wo Eastwood bei der freys Musicnight spielen wird. Nur noch wenige Karten (zehn Euro) sind über Frey zu haben.
Late-night-shopping: Für diese Events, die bis zu acht Mal im Jahr stattfinden sollen und ein umfassendes Einkaufserlebnis bis Mitternacht möglich machen werden, plant Frey bereits jetzt. Jedoch hängt die Umsetzung noch an Bayerns Politik – das neue Ladenschlussgesetz, das bereits länger durchs Kabinett ist, muss noch durch den Landtag. Damit rechne man Mitte des Jahres, so Helmut Hagner. Dann könne das Unternehmen allein vier solcher Nächte organisieren, vier lägen organisatorisch in der Hand der Stadt.
