Continental sieht „große Chance“ in der Abspaltung der Autosparte

Continental plant die Abspaltung seines Automotive-Geschäfts. Bis Ende diesen Jahres soll daraus ein eigenes Unternehmen entstehen. Wie weit ist das Werk in Regensburg davon betroffen? Und wieso hält Continental den Spin-off für eine gute Idee?
Die Pläne wecken Erinnerungen: Ende Oktober 2019 wurde in Regensburg der neue Markenauftritt der von Continental abgespaltenen Antriebssparte präsentiert. „Vitesco“ prangte auf leuchtend gelbem Grund am Hauptsitz des neuen Unternehmens. Das Schauspiel könnte sich so ähnlich in diesem Jahr wiederholen: Erneut spielt Continental eine Rolle, erneut müssen in Regensburg Schilder ausgetauscht werden.
Im vergangenen Sommer ging der Reifen- und Autozuliefererkonzern aus Hannover erstmals mit der Idee an die Öffentlichkeit, sein Automotive-Geschäft abzuspalten. Nun werden die Pläne immer konkreter. Bis Ende 2025 will die Sparte – das Werk in Regensburg ist Teil davon – als eigenständiges Unternehmen an der Börse gelistet sein. Bereits vorher wird aber schon der neue Name des Zulieferers feststehen: Die Marke soll bis Ende April eingeführt werden.
So viele Stellen hat Continental in Regensburg abgebaut
Das Geschäft mit Automobilelektronik hat dem niedersächsischen Konzern in der Vergangenheit eher wenig Freude bereitet − zumindest, was die Zahlen betrifft. Immer wieder hatte der Bereich rote Zahlen geschrieben. Um die Kosten zu reduzieren, hat Continental ein Sparprogramm aufgelegt. Im dritten Quartal zeigte das nun offenbar Wirkung: Zwar ging der Automotive-Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,7 Prozent zurück, allerdings konnte der Geschäftsbereich die Gewinnmarge deutlich steigern – von 2,8 auf 4,2 Prozent. Offizielle Zahlen für das vergangene vierte Quartal gibt es noch nicht.
Bei Continental ist man aber offenbar zuversichtlich, dass es auch in Zukunft immer mehr Positives zu vermelden gibt. „Die Schritte, die wir eingeleitet haben, führen dazu, dass wir unsere Kostensituation verbessern“, sagt Sebastian Fillenberg, der die externe Kommunikation des Konzerns verantwortet, im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern. Teil des Sparprogramms war auch ein Stellenabbau. In Regensburg traf es den Verwaltungsbereich, wo 350 Aufhebungs- und Altersteilzeitverträge geschlossen wurden.
Continental: Abspaltung soll mehr Flexibilität bringen
Will der Konzern den Automotive-Bereich aber überhaupt noch loswerden, wenn es in der Sparte künftig wieder bergauf gehen wird? Laut Continental geht es nicht darum, einen schwächelnden Unternehmensteil abzustoßen. Stattdessen sollen mit dem Spin-off, wie der Vorgang offiziell heißt, die Potenziale von Automotive voll ausgeschöpft werden. „Fokussierte Unternehmen sind gerade in Zeiten der Transformation agiler“, sagte Continental-Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Reitzle bereits im Dezember. Auch Sprecher Fillenberg betont das gegenüber der Mediengruppe Bayern: Märkte und Kunden insbesondere in der Automobilindustrie würden sich „dynamisch weiterentwickeln“. Künftig sei „noch mehr Flexibilität sowie weitreichender unternehmerischer Handlungsspielraum“ gefordert. „Den Spin-off sehen wir als große Chance“, sagt Fillenberg.
Nachvollziehbar erscheint das Vorhaben auch vor dem Hintergrund, dass erhoffte Synergieeffekte zwischen den Sparten Reifen und Automotive in den vergangenen Jahren eher ausgeblieben sind. Das ist wenig überraschend: Während ersteres auch ein Endkundengeschäft ist, versorgt letzteres die Automobilindustrie mit einer ganzen Reihe an Produkten – von High-Performance-Computern über Display-Lösungen bis hin zu Crashsensoren. Wer ein Auto kauft, bekommt aber in den seltensten Fällen mit, dass Conti-Teile verbaut sind.
Continental-Abspaltung soll bis Ende des Jahres an die Börse
Und dennoch ist die Abspaltung ein Risiko. Eine Garantie, dass die Automotive-Sparte dadurch nach vorne gebracht wird, gibt es nicht. Um die Wahrscheinlichkeit für ein erfolgreiches Unternehmen zu erhöhen, fordern viele eine solide finanzielle Ausstattung für den durch den Spin-off entstehenden Zulieferer.
Viel Zeit, um dazu Entscheidungen zu treffen, hat Continental nicht mehr. Der Zeitplan für das Vorhaben ist ambitioniert: Anfang Dezember hat der Vorstand die Abspaltung offiziell beschlossen, im März muss noch der Aufsichtsrat dafür votieren. Am 25. April findet die Hauptversammlung von Continental statt, wo dann der Spin-off endgültig fix gemacht werden soll. Bis Ende des Jahres soll das neue Unternehmen dann als Europäische Aktiengesellschaft (SE) an der Börse gehandelt werden.
Das sind die Unterschiede zum Regensburger Vitesco-Spin-off
Dass es so schnell geht, ist auch darin begründet, dass ein kompletter Unternehmensbereich abgespalten wird. Ganz im Gegenteil zur Trennung von der Antriebssparte Powertrain vor einigen Jahren, die kurz darauf zu Vitesco wurde. Damals verabschiedete sich Continental nur von einem Teil von Automotive. Deshalb war die Abspaltung sehr aufwendig. Nun ist das anders: „Die Entflechtung ist deutlich einfacher“, sagt Fillenberg.
Bemerkbar macht sich das auch mit Blick auf das Regensburger Continental-Werk. Der Standort gehört komplett zur Automotive-Sparte und wird deshalb in Gänze Teil des neuen Unternehmens werden. „Der Spin-off hat deshalb zunächst keinen großen Einfluss auf den Standort“, sagt Fillenberg. Das bedeutet aber nicht, dass sich dort nichts ändern wird: „Dennoch beobachten wir die Entwicklungen der internationalen Märkte und müssen kontinuierlich an unserer Wettbewerbsfähigkeit arbeiten.“