Negativtrend der Oberpfälzer M+E-Branche hält an – Mehr Betriebe verlagern Bereiche ins Ausland

Verhaltene Produktions- und Investitionspläne, Stellenabbau: Die wirtschaftliche Lage der Oberpfälzer Metall- und Elektroindustrie (M+E) hat sich im zweiten Halbjahr 2024 weiter verschlechtert. Ist der Tiefpunkt nun erreicht?
„Die Deindustrialisierung nimmt immer weiter an Fahrt auf und die Oberpfälzer M+E-Industrie verharrt wegen der sich ausweitenden Konjunktur- und Strukturkrise in der Rezession“, sagte Alexandra Bornemann, Vorstandsvorsitzende von bayme vbm Regensburg und Werksleiterin bei Continental, bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse der Mitgliedsunternehmen.
An den Entwicklungen in Bayern ließ sich nichts schönreden: Die Produktion kenne seit über einem Jahr nur noch einen Trend – und zwar abwärts. Von Januar bis November lag sie acht Prozent unter dem Vorjahresniveau, berichtete Bornemann. Den bayerischen Arbeitsagenturen wurden ein Fünftel weniger Stellen gemeldet, die Beschäftigtenzahl sank im Herbst 2024 um 7500 auf 865.000.
Produktion muss teilweise gedrosselt werden
Nicht unbedingt besser bewerten die Oberpfälzer Unternehmen die Lage: Die Produktionspläne sind nach wie vor verhalten. Weniger als 20 Prozent der M+E Betriebe will die Produktion hier in den kommenden Monaten ausweiten, 27,2 Prozent sind gezwungen, sie zu drosseln.
22,5 Prozent bewerten das Inlandsgeschäft als gut, 33,5 Prozent das Auslandsgeschäft. Für das erste Halbjahr 2025 zeichnet sich im Vergleich zum letzten Sommer aber eine Besserung ab: 37,6 Prozent erwarten eine Verbesserung der Inlandsgeschäfte, beim Export sind es 46.
Der Großteil der Unternehmen – 33,8 Prozent – gibt an, Investitionsausgaben zurückzufahren, lediglich 15,8 wollen diese im Inland erhöhen. Dabei werden nur zehn Prozent der geplanten Ausgaben für Erweiterungen ausgegeben, den größten Anteil machen Ersatzbeschaffungen aus (37 Prozent). Elf Prozent sollen in Rationalisierungen investiert werden. Gut jeder fünfte Oberpfälzer M+E-Betrieb rechnet 2024 mit Ertragsverlusten. Die Nettogewinnmarge lag bei einem Viertel unter zwei Prozent.
Weitere Stellen sollen gestrichen werden
Auch das Thema Stellenabbau wird die Branche 2025 weiter beschäftigen. Über 30 Prozent befürchten, im ersten Halbjahr Stellen streichen zu müssen, 20 Prozent planen, zusätzliche Arbeitskräfte einzustellen. Gleichzeitig berichten mehr als 50 Prozent der M+E-Betriebe laut Umfrage, von Produktionsbehinderungen durch Fachkräftemangel. „Wir gehen davon aus, dass die Zahl der Beschäftigten in der Oberpfälzer M+E-Industrie im Verlauf des Jahres um 2500 zurückgehen wird“, prognostizierte Bornemann. Aktuell seien knapp 99 000 Menschen in der Oberpfalz in der Branche beschäftigt.
Was außerdem die wirtschaftlich schwierige Situation unterstreicht: „Ein Teil unserer Mitgliedsunternehmen hat bereits seit einigen Monaten Kurzarbeit angemeldet“, sagte Bornemann.
Unternehmen mit Standortbedingungen unzufrieden
Für die Vorsitzende ist klar: „Wir haben es nicht nur mit einer konjunkturellen Krise zu tun, sondern auch mit einer strukturellen Standortkrise.“ Auch drei Viertel der Unternehmen bestätigen, dass sich die Standortbedingungen hierzulande verschlechtert haben – vor allem in Hinblick auf Bürokratie sowie Arbeits- und Energiekosten. Die Folge: Ein Viertel der Oberpfälzer Unternehmen haben in den vergangenen zwölf Monaten bereits Bereiche ins Ausland verlagert, 50 Prozent planen es. Beliebte Ziele: Indien und Mexiko, so Bornemann.
Die Metall- und Elektroarbeitgeberverbände hoffen, dass der Tiefpunkt erreicht und der Trend bald wieder aufwärts geht. „Wir brauchen eine echte wirtschaftspolitische Wende“, sagt Bornemann. Dringend sei das auch in Hinblick auf das schwierige außenwirtschaftliche Umfeld – gerade auch durch den Amtsantritt Trumps. Die USA ist der größte Exportmarkt für die M+E-Industrie.
Die Hoffnungen dafür werden in die Bundesregierung gelegt, die im Februar neu gewählt wird. Bornemann fordert Entlastungen bei Arbeits-, Energie- und Unternehmenssteuern sowie Bürokratieabbau. „Wir sind in Deutschland zu teuer, zu langsam, zu bürokratisch.“