Arbeitslosigkeit in mittlerer Oberpfalz auf Zehn-Jahres-Hoch – Ausländer füllen Lücken

Die mittlere Oberpfalz lag vergangenes Jahr mit einer Arbeitslosenquote von 3,5 Prozent unter dem bayernweiten Schnitt von 3,7. Aber vergleicht man die Zahl der Arbeitslosen (8718) mit denen der letzten zehn Jahre, fällt auf: So hoch war sie noch nie. Und für 2025 ist kaum Besserung in Sicht.
Die Zahl der Arbeitslosen ist im Agenturbezirk 2024 um 12,3 Prozent gestiegen – 957 Menschen mehr als 2023. „Das ist nicht nur ein Trend in Schwandorf, sondern bayernweit“, sagt Siegfried Bäumler, Chef der Arbeitsagentur Schwandorf. Dem gegenüber standen 6619 offenen Stellen (2023: 7724). Die niedrigste Arbeitslosenquote im Agenturbezirk verzeichnete der Landkreis Cham (3,0), Schwandorf und Amberg-Sulzbach waren gleich auf. In der Stadt Amberg lag der Wert mit 5,8 Prozent am höchsten. 46, 3 Prozent der Arbeitslosen im Agenturbezirk bezogen Bürgergeld.
Den letzten großen Peak bei den Arbeitslosen-Zahlen gab es während der Pandemie 2020 (8308 Arbeitslose). Ein wesentlicher Unterschied: „Wir hatten bei der Corona-Pandemie viel mehr Menschen in Kurzarbeit“, sagt Bäumler. Momentan habe sich dieser Wert im Vergleich zum Vorjahr zwar nahezu verdoppelt, sei aber dennoch auf einem niedrigen Niveau. Deshalb müsse man die Arbeitslosen-Zahlen auch anders einordnen und „nicht Schwarzmalen“.
In einigen Branchen wurde Personal entlassen
Aktuell sei vor allem das verarbeitende Gewerbe – besonders Automobilzulieferer – von Kurzarbeit betroffen. Grund ist die schlechte Branchenlage. Auch Stellen sind im verarbeitende Gewerbe weggefallen. Dennoch war es mit Abstand die mitarbeiterstärkste Branche in der mittleren Oberpfalz, gefolgt vom Gesundheitswesen, das einen Mitarbeiterzuwachs verzeichnete – ebenso zum Beispiel die öffentliche Verwaltung oder das Gastgewerbe. Im Handel, Baugewerbe und bei der Zeitarbeit wurde Personal entlassen.
Auf dem Arbeitsmarkt im Agenturbezirk Schwandorf gab es seit 2014 einen Zuwachs von 21.465 Beschäftigten, 4655 davon Deutsche, 16.816 Ausländer. 2024 betrug der Anteil der Ausländer unter den 173.350 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten 15 Prozent, 85 Prozent waren Deutsche. Aber: Zum ersten Mal seit der Coronapandemie ist die Zahl der Beschäftigten leicht rückläufig – allerdings nur der Anteil der Deutschen.
Hier zeige sich der demografische Wandel, sagt Bäumler. „Hätten wir den Anstieg bei den ausländischen Beschäftigten nicht, würden sich die Arbeitgeber noch viel schwerer tun, Stellen zu besetzen.“
Die Integration von ausländischen Arbeitskräften gelingt
Von den insgesamt 25.980 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ausländern in der mittleren Oberpfalz war der Großteil aus Tschechien und Rumänien. Allerdings zeigt sich auch, dass sowohl die Integration von Ausländern aus nichteuropäischen Herkunftsländern (Afghanistan, Syrien, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia) als auch aus der Ukraine nach und nach gelingt. Aus nichteuropäischen Herkunftsländern überstieg der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (1850) und geringfügig entlohnten (473) deutlich den der Arbeitslosen (920).
Beim Arbeitslosengeld hat die Arbeitsagentur laut dem operativen Geschäftsführer Bernhard Lang mit 60,3 Millionen Euro gut 10 Millionen mehr ausgegeben als 2023. Bei der aktiven Arbeitsmarktförderung − also der Investition in Menschen – sei auffällig, dass trotz der wirtschaftlichen Lage, mehr Gründungszuschüsse gezahlt wurden.
Für 2025 wird keine große Trendwende erwartet. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung erwartet in der mittleren Oberpfalz einen leichten Beschäftigungsanstieg (0,2 Prozent). Gleiches gilt für die Arbeitslosenquote. Die soll von 3,5 auf 3,6 Prozent steigen (Bayern: von 3,7 auf 3,8).
Am 31. Januar stellt die Arbeitsagentur Regensburg ihre Zahlen vor.
Weitere Zahlen zur mittleren Oberpfalz
Cham: Die Zahl der Arbeitslosen ist auf 2277 gestiegen (2023: 2163). Die Beschäftigtenzahl ist auf 55 820 gesunken (2023: 56 635).
Schwandorf: 3000 Menschen im Landkreis Schwandorf waren 2024 arbeitslos gemeldet (2023: 2665). 59 276 Personen waren sozialversicherungspflichtig beschäftigt – zwei mehr als 2023.
Amberg: Die Zahl der Arbeitslosen ist auf 1406 gestiegen (2023: 1139). Die Beschäftigung hat ebenfalls zugelegt (2024: 28 342, 2023: 27 920).
Amberg-Sulzbach: 2035 Menschen waren arbeitslos gemeldet (2023: 1795), Beschäftigung ist von 30 442 auf 29 912 gesunken.