„Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist wesentlich besser als die Stimmung“

Von Marion Koller · 4. Januar 2025 um 05:00

Die Zahl der Menschen ohne Job hat auch in Regensburg zugelegt, aber der robuste Jobmarkt fängt viele auf. Das Problem für Mittelständler bleibt die Personalnot.

Die Wirtschaftskrise hinterlässt zwar auch in Regensburg und der Region Spuren. Doch der Arbeitsmarkt zeigt sich robust. Einige Verlierer aber gibt es, darunter den Bausektor, weil zahlreiche Vorhaben verschoben werden. Aber auch in der Autoindustrie, zum Teil im Maschinenbau und in der Metallverarbeitung fallen Jobs weg.

„Aber es ist nicht der große Einbruch“, sagt Sprecher Robert Brüderlein von der Arbeitsagentur Regensburg. „Die Lage ist wesentlich besser als die Stimmung.“

„Wir sind breit aufgestellt“

Matthias Kugler leitet zusammen mit seinem Vater eine Firma im Landkreis mit 14 Mitarbeitern. Am Freitag weilt die Belegschaft der Bau Kugler GmbH noch im Neujahrsurlaub, der Juniorchef werkelt am eigenen Haus. Flaute und Arbeitslosigkeit beschäftigen ihn überhaupt nicht. „Wir sind breit aufgestellt.“ Das Team zieht Einfamilienhäuser hoch, pflastert, baut um und saniert. „Wir kommen auch, wenn einem ein Quadratmeter Putz heruntergefallen ist“, sagt der 32-Jährige. Probleme hätten nur Firmen, die ausschließlich Rohbauten hinstellten.

Kugler plagen ganz andere Sorgen: „Wir suchen händeringend einen Vorarbeiter, der Baustellen leitet, kriegen aber keinen.“ Auch einen Polier und einen Lageristen braucht das Unternehmen. Auf die Anzeigen hat sich niemand gemeldet. Andere Betriebe stellten nur selten Leute frei, vor allem nicht die guten, beobachtet Kugler. Manchmal bewerben sich Arbeiter mit Migrationshintergrund, doch meistens reiche das Deutsch nicht für Kundengespräche aus.

Die Agentur Regensburg hat am Freitag den neuen Arbeitsmarktbericht vorgestellt. Die Arbeitslosenquote in der Oberpfalz liegt bei 3,5 Prozent und somit unter dem bayerischen Schnitt (3,8). In der Stadt Regensburg ist sie auf 4,5 Prozent geklettert. Das sind 4226 Menschen ohne Job. Ein Jahr zuvor waren es noch vier Prozent gewesen. Fast Vollbeschäftigung herrscht im Landkreis mit 2,8 Prozent.

Im gesamten Agenturbezirk Regensburg, zu dem auch Kelheim und Neumarkt zählen, sind knapp 12 000 Menschen arbeitslos, elf Prozent mehr als vor einem Jahr. Über ein Fünftel sind Langzeitarbeitslose. Das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) prognostiziert aber für 2025, dass die Arbeitslosenquote im Agenturbezirk Regensburg sogar um 1,8 Prozent sinken wird. Es gibt nur einen weiteren Bezirk in ganz Bayern, für den es genauso gut aussieht.

Die ersten Abmahnungen

Robert Brüderlein hält den Regensburger Arbeitsmarkt für ziemlich stabil. Die Industrie baut zwar Hunderte Jobs ab, „Doch bei Freiwilligenprogrammen kommt das zeitverzögert auf dem Arbeitsmarkt an.“ Viele Betroffene hätten auch Zeit, etwas Neues zu finden. Allerdings geht die Zahl der Stellenangebote zurück. Nach wie vor gesucht wird in der Dienstleistung, im Handel, im Gesundheits- und Sozialwesen.

In der Region schaut sich auch das Handwerk laufend nach Fachkräften um. Gerhard Gröschl, Chef eines Elektrobetriebs mit 15 Mitarbeitern in Lappersdorf und Verbandsfunktionär auf Bundesebene, bedauert, dass er keine geeigneten Auszubildenden mehr bekommt. Gesellen gebe es auf dem Markt ohnehin nicht. „Der Leistungswille fehlt bei vielen Azubis“, sagt der 62-Jährige. „Die meinen, es fällt ihnen alles in den Schoß.“ Er habe immer Leuten eine Chance gegeben, auch Migranten. In 38 Jahren hat er nie abgemahnt, 2024 musste er siebenmal zu diesem Mittel greifen und zweimal kündigen. Genug Arbeit hat der Betrieb. „Es muss schließlich immer saniert werden.“

Wenige Investoren wagen sich zurzeit an große Wohnbauten wie in der Prüfeninger Straße.