Arbeitsunfähig, aber ohne Unterstützung: Manfred B.s Kampf gegen die Rentenkasse geht weiter

Von Benedikt Baumgartner · 3. Januar 2025 um 09:00

Das Humpeln von Manfred B. ist schlimmer geworden. Zum Teil liegt das am Winter. „Wetterfühlig bin ich immer“, sagt B. Beide Sprunggelenke sind mit zahlreichen Metallschrauben versteift. Dazu hat er Typ-1-Diabetes und starke Kniebeschwerden. Doch er fällt durchs soziale Netz. Noch kann er von Ersparnissen leben.

Mehrere Ärzte haben ihm Arbeitsunfähigkeit bescheinigt, selbst die Rentenkasse geht davon aus, dass er leichte bis mittelschwere Tätigkeiten nicht mehr ausüben kann.

Doch diese Einschränkung ist teuer für Manfred B., denn dadurch erhält er keine Teilerwerbsminderungsrente, um die er eingegeben hat. Auch das Sozialgericht erkannte seine Klage trotz einem Behinderungsgrad von 80 Prozent und Gehbehinderung nicht an.

Arbeitslosengeld erhält der frühere Arbeiter am Trockenbau und einem gemeindlichen Bauhof nicht, da er seiner Tochter Geld für den Hausbau geschenkt hat. Das müsste er zurückfordern, um Anspruch auf Sozialhilfe zu haben. „Aber eher lebe ich von Wasser und Brot“, sagt er. Im Frühjahr hat die Mittelbayerische Zeitung erstmals von seinem Schicksal berichtet. Die Lage von B. hat sich in der Zwischenzeit nicht verbessert.

Netzhaut löst sich ab

„Meine Netzhaut am linken Auge löst sich ab“, erzählt B. Er habe mit diesem nur noch 30 Prozent Sehkraft. Ursache dafür sein Diabetes. Der Blutzucker sei mittlerweile schlecht eingestellt, sein Diabetologe habe um eine neuerliche Reha eingegeben. Auch die Ärzte an der Schmerzklinik der Medbo und der Augenklinik empfehlen das. Die Rentenversicherung lehnte die Eingabe im September ab. Auch ein Widerspruch gegen die Entscheidung blieb erfolglos.

Einmal im Monat bekommt B. nun Augenspritzen. Die erste Behandlung sei ein Fragezeichen gewesen. „Ich wusste ja nicht was auf mich zukommt. Erst habe ich Tropfen zur Betäubung bekommen, dann siehst du die Spritze kommen“, beschreibt B. die Behandlung. Ein leichter Druck, dann blicke man wie durch einen Schleier für ein paar Stunden. „Es ist unangenehm“, sagt er, „aber da sind meine anderen Schmerzen schlimmer.“

Cannabistropfen „möchte ich nicht mehr missen“

Einen Lichtblick gibt es dennoch für den Landkreisbewohner: „Ich bin jetzt Cannabispatient.“ Drei Mal am Tag nimmt er das in Tropfenform ein. „Das hilft mir psychisch auf jeden Fall, das möchte ich nicht mehr missen“, sagt er. Schließlich belasten ihn seine Schmerzen nicht nur körperlich, sondern auch mental. „Ich bin doch zu jung für solche Sachen“, sagt der 55-Jährige. Ohne die Unterstützung seiner Psychologin sowie seiner verschiedenen Ärzte „würde ich das nicht durchstehen“, erzählt B. im Café Zweites Leben auf dem Gelände der Medbo.

Leben von Erspartem „funktioniert nicht mehr lange“

Um ein solches zweites Leben nach seiner Berufskarriere kämpft er. Die – bislang vergeblichen – Bemühungen um eine Teilerwerbsminderungsrente tragen zu seinen psychischen Problemen bei. „Wenn ich morgens aufstehe, quälen mich die Gedanken, und wenn ich abends ins Bett gehe. Immer“, sagt er. „Ich lebe seit einem Jahr von meinen Ersparnissen. Das funktioniert aber nicht mehr lange.“

Er haushalte bereits äußerst sparsam, doch neben den Lebenshaltungskosten muss B. seine Krankenversicherung selbst zahlen. Im Januar wird die Autoversicherung abgebucht. „Das ist hart“, sagt B. Auch Rechtsanwaltskosten werden noch fällig. „Da weiß ich noch gar nicht, was auf mich zukommt“, sagt B.

Klage zunächst abgewiesen

Juristisch kämpft er nach wie vor um eine Teilerwerbsminderungsrente. Am Sozialgericht wurde seine Klage zunächst abgelehnt. Er legte Berufung ein, seine Akte liegt nun am Landessozialgericht in München. Wann sein Fall verhandelt wird, weiß B. nicht. Dass er nicht vollends den Mut verliert, dazu trägt neben seinen Kindern die Musik bei. „Wenn ich meine Instrumente nicht hätte“, sagt B. und lässt den zweiten Teil des Satzes offen. Am liebsten spielt er Steirische Harmonika. In verschiedenen Seniorenheimen musiziert er im Advent für die Bewohner, auch an der Medbo hat er gespielt. Die Augen von Manfred B. strahlen, wenn er davon berichtet. „Das ist für mich Weihnachten.“

Mit sieben Metallschrauben sind der rechte und der linke Knöchel des 55-Jährigen versteift, wie am Röntgenbild zu sehen ist.