Lammsbräu und Stadt Neumarkt wollen Landwirte belohnen

Von Eva Gaupp · 16. Februar 2025 um 15:00

Je mehr Bauern in der Region Neumarkt auf chemische Dünger und Pflanzenschutzmittel verzichten, desto mehr Geld spart jeder Bürger. Dann muss beispielsweise das Trinkwasser nicht kostspielig aufbereitet werden. Was das Engagement von Bio-Bauern auf Euro und Cent für die Region bringt, rechnet die Neumarkter Lammsbräu derzeit in einem Pilotprojekt aus.

Im vergangenen Jahr war das Projekt mit dem sperrigen Namen „Regionalwert-Leistungsrechnung“ gestartet. Die 180 Bio-Landwirte, die die Lammsbräu beliefern, lassen dafür ihre konkreten Leistungen erfassen, die sie für die Region und die Umwelt erbringen. Im Zuge des Projekts schüttet die Lammsbräu heuer ein Prozent ihres Umsatzes an Prämien an sie aus. Das Besondere an dem Konzept: „Wir wollen Landwirten nicht Maßnahmen vorgeben, sondern honorieren, was sie heute schon tun“, sagt Inhaber Johannes Ehrnsperger.

Zu den Leistungen gehört beispielsweise der Schutz des Grundwassers. Durch Hitzewellen und Dürren verliert Deutschland seit der Jahrtausendwende so viel Wasser wie kein anderes Land weltweit: Jedes Jahr geht laut dem Klima-Monitoringbericht der Bundesregierung etwa die Menge des Bodensees verloren.

Johannes Ehrsperger: Wasser oftmals verunreinigt

Und auch um die Qualität des Grundwassers sowie der Flüsse und Seen ist es nicht gut bestellt, wie die EU-Kommission vor ein Tagen bekannt gegeben hat: Mehr als ein Drittel befinde sich in einem schlechten Zustand.

Deshalb gelte es, alles zu tun, um das bestehende Wasser zu schützen, sagt Ehrnsperger: „Entweder wir bekämpfen jetzt die Ursachen für die Verschmutzung oder wir müssen es später aufwendig reinigen, was auch nicht immer hilft.“ Für ihn ist die Entscheidung klar, denn die Aufbereitung sei etwa zehn Mal so teuer.

Die Landwirtschaft spiele gerade beim Gewässerschutz eine große Rolle. Die Forschungen zu „wahren Preisen“ zeigen, wie viel teurer konventionell erzeugte Lebensmittel eigentlich sein müssten, wenn die Folgeschäden für ihre Produktionsweisen einberechnet würden. Stattdessen kosten jedoch Bio-Lebensmittel mehr – obwohl die ökologische Landwirtschaft Ressourcen schont. Letztlich zahle die ganze Gesellschaft diese Schäden, sagt Ehrnsperger.

Bio-Landwirt aus dem Landkreis Neumarkt ist dabei

Karl Stephan aus Ittelhofen ist einer der Landwirte, die die Lamsbräu mit Braugerste und -weizen beliefert. Außerdem ist er der Vorsitzende der Erzeugergemeinschaft. Alle Mitglieder hätten sich bereiterklärt, an dem Pilotprojekt teilzunehmen, sagt der Landwirt. Es sei Teil des 2024 abgeschlossenen Fünf-Jahres-Vertrags mit dem Unternehmen.

Der Vorteil: Die Regionalwert Leistungen GmbH, die das Projekt begleitet, verarbeite die Daten, die die Bauern für ihre Anträge auf staatliche Leistungen sowieso erheben müssen. „Es ist also keine doppelte Mehrarbeit für uns“, sagt Stephan.

Die Nachhaltigkeit sei der einzige Bereich, in dem ein Landwirt weiter wachsen könne, ohne dass es zulasten eines anderen gehe, erklärt er sein Engagement. „Wenn sich ein Betrieb weiterentwickeln will, braucht er entweder mehr Flächen oder er muss die Produktivität steigern. Oft ist dann die Natur der Verlierer.“

Da auch die Agrarpolitik in den vergangenen Jahren ihre Subventionen immer stärker auf Umweltleistungen fokussiert habe, ist er optimistisch, dass es bald weitere Projekte wie das der Lammsbräu geben wird. „Warum sollten es nicht auch Milchwerke oder Molkereien probieren?“

Auch konventionelle Landwirte einbeziehen

Zwar beteiligen sich an dem Pilotprojekt nur Bio-Bauern, grundsätzlich sieht Johannes Ehrsperger aber alle Landwirte mit im Boot. Denn sie brächten sich nicht nur beim Gewässerschutz ein, sondern noch in vielen anderen Bereichen, die wertvoll für die Region seien: Wenn sie zum Beispiel Kindern zeigten, wie Lebensmittel produziert werden, oder dafür sorgten, dass der Hof von der nächsten Generation weitergeführt wird. Auch das sind Bewertungskriterien.

Durch die Prämie aus Unternehmensmitteln will die Neumarkter Lammsbräu den beteiligten Bauern ihrer Erzeugergemeinschaft diese Leistung bezahlen und damit im Kleinen zeigen, wie es im Großen funktionieren könnte: Bisher müsse die Gesellschaft die hohen Kosten für die Schäden in Umwelt und Natur tragen.

Eine Umstellung der Lebensweise und der Lebensmittelproduktion jedoch könne verhindern, dass die Schäden an Boden, Wasser und Luft überhaupt erst entstehen. „Wir wollen einen Anstoß geben“, sagt der Unternehmer und ist gespannt auf die Ergebnisse, die dieses Jahr zum ersten Mal ausgewertet werden.

Diesen Anstoß hat die Stadt Neumarkt in der Zwischenzeit aktiv aufgegriffen: Denn noch immer existieren auf städtischem Gebiet rund 100 Höfe. Einige von ihnen, aber auch Bauern aus dem Landkreis, haben Flächen von der Stadt gepachtet. Zusammen mit der Hochschule für Management in der Ökobranche wurde die Idee entwickelt, Bauern für ihr nachhaltiges Wirtschaften konkret zu belohnen.

Ralf Mützel leitet Projekt der Stadt Neumarkt

Im November hatte dazu eine erste Informationsveranstaltung stattgefunden, vergangene Woche eine zweite. Inzwischen haben sich fünf Landwirte fest angemeldet, sagt Ralf Mützel, der Leiter des Amts für Nachhaltigkeit in der Stadt Neumarkt. „Das ist sehr erfreulich.“ Mit den weiteren Interessenten hofft er letztlich auf rund zehn Teilnehmer. In einem Workshop im April soll gemeinsam mit ihnen besprochen werden, wie die finanziellen Anreize aussehen könnten.

Denkbar wäre zum Beispiel, einen Fonds zu gründen, in den Bürger, Firmen und eventuell auch die Stadt Neumarkt einzahlen, sagt Mützel, der das Projekt vonseiten der Stadt leitet.

„Wir möchten die Leistung der Landwirte sichtbar machen.“ Dieses Vorhaben sei eine Chance, das Thema Nachhaltigkeit außerhalb der Innenstadt zu beleuchten, unterstreicht Mützel. „Das Stadtgebiet Neumarkt ist nicht nur der bebaute Raum – uns ist wichtig, dass wir auch die Land- und Forstwirtschaft einbeziehen.“

Doch wie könnten solche Leistungen der Landwirte über Modellprojekte hinaus im großen Stil finanziert werden? Die Bio-Branche fordere schon seit Jahren einen Verzicht auf die Mehrwertsteuer bei Bio-Produkten, nennt Johannes Ehrnsperger eine Antwort. Doch politisch sei das nicht leicht umzusetzen. „Wir können nicht auf die Politik warten. Das macht ja Pioniere aus, dass sie es wagen, neues Terrain zu betreten.“