Pädagogin Ruth Lohr setzt in Kelheim auf tiergestütztes Lesetraining mit Schulhündin Rosi

Lesen lernen ohne Druck: Die Ihrlersteiner Pädagogin Ruth Lohr setzt auf gezielte Leseförderung mit Schulhund Rosi, um Kindern mehr Selbstvertrauen und Lesefreude zu vermitteln. In ihrem Projekt „Menschen(s)kind“ kombiniert sie in der Kelheimer Kultur Kantine ein strukturiertes Lautlese-Training mit der positiven Wirkung tiergestützter Pädagogik.
Schnauzerhündin Rosi versteht kein einziges Wort – und doch ist sie eine der besten Zuhörerinnen, die sich ein Kind wünschen kann. Geduldig sitzt sie neben ihnen, während sie laut lesen. Sie korrigiert nicht, sie bewertet nicht – sie hört einfach zu. Diese besondere Leseatmosphäre erleben Kinder jeden Mittwoch in der KulturKantine, wo die Ihrlersteiner Pädagogin Ruth Lohr gezielte Lesetrainings und Lerncoachings anbietet.
Rosi ist fester Bestandteil dieses Konzepts. Ruth Lohr kombiniert gezielte Leseförderung mit der positiven Wirkung eines tierischen Begleiters. Die Mittelschul- und Beratungslehrerin hat das Projekt „Menschen(s)kind“ ins Leben gerufen, um Kindern eine neue Art des Lernens zu ermöglichen. Ihr Ziel: Lesefreude wecken und Selbstvertrauen stärken – ohne Druck und Angst vor Fehlern. Neben dem Lesetraining begleitet Rosi ihr Frauchen einmal wöchentlich in ihren Unterricht an der Mittelschule Ihrlerstein. Dort sorgt die Hündin für eine entspannte Lernatmosphäre und hilft den Schülern, sich besser zu konzentrieren.
Mehr Selbstbewusstsein durch tierische Unterstützung
Bei ihrem Lesetraining setzt Lohr auf ein mehrstufiges Lautlese-Training in Kleingruppen, kombiniert mit der motivierenden Präsenz von Rosi. „Kinder müssen laut lesen können, bevor sie Texte wirklich verstehen. Viele straucheln jedoch schon bei einzelnen Wörtern und verlieren schnell den Spaß am Lesen“, erklärt Lohr. Deshalb setzt sie auf kurze, intensive Trainingseinheiten, in denen Kinder durch wiederholtes Lesen Sicherheit gewinnen. Auch Schulamtsleiter Michael Kugler sieht im Einsatz pädagogischer Begleithunde großes Potenzial: „Ein Schulhund kann ein hervorragender Unterstützer der Pädagogik an den Schulen sein. Tiere haben oftmals ihre eigenen Zugänge zu Menschen.“ Diese besondere Verbindung spiegelt sich auch in Lohrs Training wider.
Während des Trainings spielt Rosi gerade deshalb eine entscheidende Rolle. „Ein Hund hat keine Erwartungen und bewertet nicht – das macht ihn zum idealen Zuhörer“, sagt Lohr. Kinder, die sonst sehr unsicher sind, lesen der Schnauzerhündin viel selbstbewusster vor. „Rosi nimmt die Angst vor Fehlern. Die Kinder trauen sich mehr, weil sie wissen, dass sie nicht korrigiert werden.“ Doch Rosi ist mehr als nur ein stiller Zuhörer – sie schafft eine beruhigende Atmosphäre. „Die Kinder entspannen sich in ihrer Gegenwart. Das hat einen enormen Einfluss auf ihre Konzentration und ihr Selbstbewusstsein.“ Auch Kugler hebt diesen Aspekt auf Nachfrage hervor: „Alleine die Wirkung eines Schulhundes in der Klasse – ohne speziell thematisiert zu werden – prägt die Klassenatmosphäre. Schülerinnen und Schüler zeigen sich oftmals besonders ruhig, sorg- und achtsam in der Gegenwart des Tieres.“
Lesen als Grundkompetenz
Für Lohr ist klar: Gutes Lesen ist die Grundlage für alle anderen Fächer. Wer flüssig liest, versteht nicht nur Geschichten besser, sondern auch Matheaufgaben und komplexe Sachtexte. Doch viele Kinder rutschen unbemerkt in eine Leseschwäche, die sich mit der Zeit verstärkt. „Deshalb ist es so wichtig, frühzeitig einzugreifen, bevor sich Unsicherheit und Frust verfestigen“, betont die Pädagogin. Mit ihrem Konzept der „Vorhilfe statt Nachhilfe“ will sie verhindern, dass Kinder erst dann Unterstützung bekommen, wenn die Probleme bereits groß sind.
Auch Eltern können viel dazu beitragen, dass ihre Kinder sicherer und motivierter lesen. Ruth Lohr empfiehlt, kurze Texte mehrfach zu lesen, anstatt direkt ganze Bücher anzugehen. Durch Wiederholung gewinnen Kinder außerdem Sicherheit und verbessern ihre Leseflüssigkeit. Ebenso wichtig sei positives Feedback: Eltern sollten nicht nur auf Fehler achten, sondern vor allem kleine Fortschritte loben.
Erfolgserlebnisse fördern
Ein besonders motivierender Ansatz sei das Vorlesen vor Kuscheltieren oder Haustieren. „Ein Hund oder ein Kuscheltier erwartet nichts und korrigiert nicht – das nimmt Kindern die Angst“, so Lohr. Zudem sollten Kinder erst dann ihren Eltern vorlesen, wenn sie bereits geübt haben. „Zuerst Stolpersteine markieren oder sich selbst aufnehmen. Erst wenn die Kinder sicherer sind, lesen sie den Eltern vor – so erleben sie Erfolg statt Frust.“ Schließlich sei es entscheidend, Lesefreude zu wecken. „Lesen muss Spaß machen! Durch spielerische Elemente wie betontes Vorlesen oder Tandemlesen bleiben Kinder motiviert.“
Neben dem Lesetraining bietet Lohr auch ein Lerncoaching an, in dem Kinder verschiedene Lernstrategien erlernen, um sich Inhalte besser einzuprägen. „Jedes Kind ist anders – und jedes Kind kann lernen. Manchmal braucht es nur den richtigen Weg und ein bisschen Unterstützung. Und manchmal eben einen Hund wie Rosi.“, sagt Lohr.
Bildungsprojekt „Menschen(s)kind“
Lesetraining: Im Lesetraining für die 1. bis 4. Klasse wird die Leseflüssigkeit und Lesefreude gefördert. Die Kinder arbeiten in Kleingruppen und nutzen eine mehrstufige Methode: Sie markieren Stolpersteine, lesen im Tandem und üben die Betonung. Schulhund Rosi hilft dabei, die Angst vor dem Vorlesen abzubauen.
Lerncoaching: Das Lerncoaching für die 4. bis 7. Klasse vermittelt gezielt effektive Lernstrategien, um den Schülern ein selbstständiges und strukturiertes Arbeiten zu ermöglichen. Durch gezielte Konzentrationsübungen sowie bewährte Methoden verbessern sie ihre Lernfähigkeit und ihr Gedächtnis.
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Kurse und Anmeldung: Mittwochs in der KulturKantine Kelheim: 16–17 Uhr Lerncoaching, 17–18 Uhr Lesetraining. Anmeldung erfolgt in 5er-Blöcken (100 Euro pro Kind). Nächster Block beginnt am 12. März. Anmeldung bei Ruth Lohr unter Tel.: 01 51/ 11 63 99 24 oder per E-Mail an ruthlohr@icloud.com.
