Arbeitslosigkeit in Kelheim schnellt hoch: Das sind die Gründe – und da gibt es reichlich Jobs

Von Martin Rutrecht · 12. Februar 2025 um 11:00

Auf den ersten Blick wirkt es alarmierend: Die Zahl der Arbeitslosen in der Region Kelheim stieg im Januar im Vergleich zum Dezember um 21 Prozent an. Das sei vorwiegend saisonal bedingt, sagen Experten. Doch ein gedämpfter Arbeitsmarkt werde wohl das ganze Jahr begleiten.

Im Januar 2025 waren im „Bezirk“ (so der Terminus) Kelheim 2867 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind 505 Personen mehr als noch im Dezember und ergibt einen Anstieg um 21 Prozent. „Das ist nicht unüblich“, sagt Robert Brüderlein, Pressesprecher der Agentur für Arbeit im Bezirk Regensburg, zuständig auch für Kelheim. „Der Anstieg ist saisonal bedingt. Vor einem Jahr hatten wir genau dieselbe prozentuale Erhöhung.“

Allein im Gewerbe „Bau und Ausbau“ finden sich 191 Menschen unter den neu gemeldeten Arbeitslosen in Kelheim. „Dort herrscht gerade Winterpause“, so Brüderlein. Ebenso in der Landwirtschaft: Mit 84 Beschäftigungslosen schoss diese Zahl gegenüber dem Dezember um 144 Prozent nach oben. „Aber ein Grund zur Sorge ist das nicht. Mit dem Frühjahr läuft der Jobmotor in diesen Branchen wieder an.“

Inflation, Konsumflaute und politische Unsicherheit

Die saisonale Arbeitslosigkeit ist das eine – aber auch im Vergleich zum Januar 2024 waren ein Jahr später 246 Personen bzw. neun Prozent mehr arbeitslos gemeldet. Die Quote betrug 3,9 Prozent; vor Jahresfrist lag sie bei 3,6 Prozent. „Die Wirtschaftsschwäche war bereits im vergangenen Jahr und ist auch zu Beginn des neuen Jahres deutlich spürbar“, sagt Fred Gaida, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Regensburg, und nennt die Faktoren Inflation, verhaltener Konsum und politische Unsicherheit.

Stelleneingang geht zurück

Erkennbares Anzeichen dafür ist auch das Jobangebot. 95 offene Stellen wurden im Januar im Bereich Kelheim neu gemeldet, 50 weniger als im Dezember und 57 weniger als vor einem Jahr. „Der Stelleneingang ist rückläufig“, erklärt Brüderlein. „Die Unternehmen zeigen sich verhaltener bei der Einstellung von Arbeitskräften“, formuliert es Gaida. „Trotzdem prognostizieren wir für den Arbeitsmarkt auch für 2025 keinen Einbruch.“ Wiewohl sich die bis dato sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf Rekordhöhe heuer abschwächen werde.

Die Arbeitslosigkeit im Bezirk der Agentur für Arbeit Regensburg (einschließlich Kelheim) stieg im Januar 2025 gegenüber dem Dezember um 15 Prozent. Die Arbeitslosenquote betrug 3,8 Prozent (Januar 2025: 3,4).

Qualifizierung, um Mitarbeiter in Firmen zu halten

Eine wichtige Rolle bei der Jobsicherung spiele die sogenannte Transformation, sagt Brüderlein. Er skizziert den Prozess am Beruf des Auto-Mechanikers: „Man braucht noch immer den Schrauber, aber er muss genauso eine Diagnose per Computer auslesen können.“ Dazu biete man Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen in vielen Berufen. „Wir treten auch direkt in Kontakt mit Betrieben. Denn wenn ein Mitarbeiter über zusätzliches Knowhow im Job bleiben kann, rutscht er erst gar nicht in die Arbeitslosigkeit.“

Der jüngste Konjunkturbericht der IHK Oberpfalz/Kelheim spricht trotz stagnierender Lage von „vorsichtigem Optimismus“ bei den regionalen Unternehmen. „Wir sehen die Geschäftserwartungen im leichten Aufwärtstrend“, sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Helmes. Die Zahl der Unternehmen, die optimistisch in die Zukunft blicken, hat sich seit Herbst verdoppelt: von zehn auf 20 Prozent.

Tourismus-Betriebe suchen Arbeitskräfte

Personalbedarf meldet aktuell vor allem die Tourismusbranche, 58 Prozent der Betriebe suchen Mitarbeiter. Die Beschäftigungsabsichten der übrigen Wirtschaft geben jedoch keine Entwarnung. Ein Viertel aller Befragten erwartet in 2025 eine abnehmende Mitarbeiterzahl. Insbesondere in Industrie und Handel soll der Personalbestand sinken.