Wie „Hühnermamis“ den Kelheimer Geflügelzuchtverein neu beleben

Von Antonia Zuruev · 4. Februar 2025 um 19:00

Geflügelzuchtvereine sind altbacken und langweilig? Von wegen: Der in Kelheim blüht neu auf. Statt professioneller Züchter füllt eine neue Gruppe von Geflügelfans die Reihen – die „Hühnermamis“.

So nennt Herbert Gebetsberger, Vorsitzender des Geflügelzuchtvereins (GZV) Kelheim, die immer größer werdende Gruppe neuer Mitglieder, die Hühner im eigenen Garten halten. „Sie lieben ihre Tiere, geben ihnen Namen und freuen sich über ein paar frische Eier“, erklärt er mit einem Lächeln. Die Bezeichnung steht für einen wachsenden Trend: Immer mehr Menschen entscheiden sich für die private Haltung von Hühnern – als nachhaltiges Hobby und Ausdruck eines bewussteren Lebensstils.

Geflügelzuchtverein Kelheim: „Hühnermamis“ sorgen für frischen Wind

Während deutschlandweit viele Geflügelzuchtvereine mit sinkenden Mitgliederzahlen kämpfen, erlebt der GZV in Kelheim einen überraschenden Aufschwung. „Vor ein paar Jahren waren wir in der Versammlung oft nur acht oder neun Leute. Jetzt kommen 25 bis 30 Mitglieder“, berichtet Gebetsberger. Insbesondere die „Hühnermamis“ sorgen für frischen Wind: Hobbyhalterinnen, die mit der Zucht wenig am Hut haben, aber Freude an ihren Hühnern und deren Eiern finden.

Ein Beispiel für diese neue Generation von Geflügelhaltern sind Sandra und Holger Geillinger. In ihrem Garten in Kelheim halten sie vier Hühner – Toffi, Sanny, Reserl und Lotta – die für sie weit mehr als bloße Nutztiere sind. „Die bestimmen schon unseren Alltag“, erzählt Sandra Geillinger. Ihre Hühner bekommen nicht nur frischen Salat, gekochten Reis oder Nudeln, sondern auch viel Aufmerksamkeit. „Wenn wir in den Garten gehen, stehen sie schon bereit und erwarten uns“, sagt Holger Geillinger schmunzelnd.

Die eigenen Hühner legen die besten Eier

Auch die Nachhaltigkeit spielt für sie eine große Rolle. „Wir haben so gut wie keine Küchenabfälle mehr, weil die Hühner fast alles verwerten“, erklären die beiden.

Der Mist wiederum wird von den Nachbarn als Dünger genutzt – ein geschlossener Kreislauf, den sie als besonders wertvoll empfinden. Für ihre Mühen werden sie mit „den besten Eiern“ belohnt. „Das kann man mit keinem Ei vergleichen, das man im Laden kauft“, sagt Sandra Geillinger. „Es schmeckt anders, und man hat einfach ein besseres Gefühl dabei.“

Der GZV hat sich auf diese neue Zielgruppe eingestellt. Ein zentraler Anziehungspunkt ist die regelmäßig organisierte Impfaktion. „Das ist mittlerweile ein richtiges Event“, erzählt Gebetsberger. „Die Leute bleiben oft nach der Ausgabe, trinken ein Bier oder einen Kaffee und tauschen sich aus.“

Vom Wissen der langjährigen Mitglieder profitieren

Bestimmte Impfungen, wie die gegen die hochansteckende Newcastle-Krankheit, sind für Hühnerhalter gesetzlich vorgeschrieben. Im Verein können Mitglieder den Impfstoff regelmäßig abholen und ihre Tiere selbst impfen. „Das ist die günstigste Variante, die es gibt“, betont Gebetsberger. Ein zusätzlicher Vorteil: Die Halter müssen sich nicht selbst um die Beschaffung kümmern.

Die Vorteile des Vereins gehen weit über die Impfaktion hinaus. Viele Hobbyhalter nutzen die Treffen, um von den erfahrenen Züchtern zu lernen. „Wir sind Spezialisten in der Gesunderhaltung der Tiere“, betont Gebetsberger. Das Wissen der langjährigen Mitglieder sei ein großer Schatz, von dem Neulinge profitieren könnten.

Auch die Geillingers haben diesen Erfahrungsschatz genutzt und viel daraus gelernt. „Als wir mit der Hühnerhaltung angefangen haben, wussten wir nicht, dass manche Rassen körperlich unter der hohen Legeleistung leiden“, berichtet Sandra Geillinger. „Durch den Verein haben wir gelernt, worauf man achten muss – sei es bei der Futterwahl, der Haltung oder der Gesundheit der Tiere.“ Besonders die erfahrenen Mitglieder hätten ihnen stets mit Rat und Tat zur Seite gestanden. „Egal, ob es um Krankheiten, Futter oder den Stallbau ging – wir haben immer jemanden gefunden, der uns helfen konnte“, ergänzt Holger Geillinger.

Die klassische Zucht bleibt fester Teil des Vereinslebens

Trotz der neuen Hobbyhalter bleibt die klassische Zucht ein fester Bestandteil des Vereinslebens. Mit 128 Senioren, sechs Jugendlichen und acht aktiven Ausstellungszüchtern züchtet der GZV Kelheim vor allem Rassetauben und Rassehühner. „Die Vereinsausstellungen, von der Lokalschau bis hin zur deutschen Meisterschaft, sind nach wie vor ein Highlight für unsere Züchter“, erklärt Gebetsberger. Der GZV legt zudem großen Wert auf die Förderung der nächsten Generation. Besuche von Kindergärten und Schulen bieten Kindern die Möglichkeit, Hühner und Tauben aus nächster Nähe zu erleben und den respektvollen Umgang mit Tieren zu lernen. „Ein Tier in der Hand zu halten, ist für viele ein prägendes Erlebnis“, betont Gebetsberger.

Wissen wird im Kelheimer Geflügelzuchtverein offen geteilt

Für neue Mitglieder und Hobbyhalter bietet der GZV eine Plattform, um sich Wissen rund um die Geflügelhaltung anzueignen. Während früher Züchter ihre Methoden oft geheim hielten, setzt der Verein heute auf Transparenz. „Wer zu uns kommt, darf alles sehen und fragen – von der Futterzusammensetzung bis zur Stallgestaltung“, erklärt Gebetsberger. Das offene Teilen von Wissen schafft Vertrauen und unterstützt vor allem Neulinge, die noch wenig Erfahrung mit der Haltung von Geflügel haben.

Hühner sind keine Deko

Doch warum holen sich immer mehr Menschen Hühner in den Garten? Für Herbert Gebetsberger ist es eine Mischung aus Trend und bewussterem Leben. „Die Leute wollen gesunde Eier und schätzen die Tiere als Teil ihres Alltags“, sagt er. Doch Hühner sind keine Deko – sie brauchen täglich Pflege. „Das muss einem bewusst sein.“ Wer sich jedoch darauf einlässt, wird mit einer besonderen Verbindung zu seinen Tieren und besten Eiern belohnt.

GZV-Vorsitzender Herbert Gebetsberger präsentiert eine Taube der Rasse Giant Homer.