Hühnerhaltung als Hobby immer beliebter: Das sollten Anfänger wissen

Von Marie Campisi · 22. Juli 2024 um 09:59

Die Deutschen haben ein neues Haustier für sich entdeckt: Hühner. Vor allem in Städten ist die Zahl an Hobby-Hühnerhaltern in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Wer sich Hennen oder gar einen Hahn holen möchte, muss einiges beachten – zwei Expertinnen geben Tipps.

Sie sind sozial, intelligent und neugierig – Hühner werden von vielen nicht mehr nur als Nutztiere wahrgenommen. Das lassen zumindest die gestiegenen Zahlen der Bayerischen Tierseuchenkasse vermuten, wo die Tiere hierzulande gemeldet werden müssen. Geschäftsführer Michael Köstler sagt: „Die Hobby-Haltung hat in den Corona-Jahren ziemlich stark zugenommen, mittlerweile hat sich das auf einem hohen Niveau stabilisiert.“ Die Hobby-Halter lassen sich zwar nicht so einfach in den Zahlen ablesen, jedoch habe sich das Verhältnis zwischen Hühnerbetrieben gegenüber der Anzahl an Hühnern zwischen 2019 und 2023 verschoben, sodass sich die Vögel auf immer mehr Betriebe verteilten.

Mittlerweile sind es über 44.700 Halter mit weniger als 50 Hühnern in Bayern. 2019 waren es laut der Bayerischen Tierseuchenkasse noch rund 36.500 Halter. In den Städten Regensburg und Ingolstadt hat sich deren Anzahl zwischen 2019 und 2023 mehr als verdoppelt. Waren es vor der Pandemie in Regensburg 33 Halter, mit weniger als 50 Tieren, waren es vier Jahre später 84 Kleinhalter. In Ingolstadt waren es zunächst 42 – nach der Pandemie dann 104. In Passau scheint der Trend dagegen schwächer: Zu den 26 Kleinhaltern in 2019 kamen bis 2023 noch acht weiter hinzu.

Hühner brauchen Artgenossen

Auch Christine Schlicht von der Tierhilfe Fünfseenland (München) bestätigt diesen Eindruck. „Wir haben tatsächlich vermehrt Hühneranfragen von Anfängern in den letzten zwei Jahren“, sagt sie. Schlicht und ihre Kolleginnen vermitteln Hennen, die im Legebetrieb ausgedient haben und geschlachtet werden würden, in ein neues Zuhause – immer öfter auch in Wohngebiete, wie Schlicht sagt. Dafür müssen aber auch die Bedingungen stimmen. Der Grundstein dafür sind die Artgenossen: „Hühner dürfen und sollen nicht einzeln gehalten werden, drei Hühner sind wirklich das Mindeste“, sagt Schlicht.

Shana Bergmann, Fachtierärztin für Tierschutz und Tierhaltung am Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), empfiehlt außerdem sich vor der Gruppenzusammensetzung über eventuelle Eigenarten einzelner Rassen und Tiere zu informieren: „Die Hühnerrassen gehen so weit auseinander, da gibt es Zwerghühner unter einem Kilo und andere Rassen, die über fünf Kilo wiegen. Manchmal verstehen sich unterschiedliche Rassen nicht so gut oder deren Eigenheiten passen nicht zu den Vorstellungen der Halter.“ Ein Hahn ist dagegen nicht zwingend erforderlich, kann aber laut den Expertinnen zu einer positiven Gruppengemeinschaft beitragen.

Der Auslauf muss gut strukturiert sein

Dazu gehört aber noch mehr – insbesondere der Auslauf: „Jemand der weniger als 30 Quadratmeter Platz dafür hat, sollte von der Hühnerhaltung absehen“, sagt Schlicht. Denn pro Huhn sollten mindestens zehn Quadratmeter Auslauffläche eingeplant werden. „Das ist unter anderem wichtig, da die Hühner unglaublich viel scharren“, erklärt Bergmann.

Der Auslaufbereich sollte nicht nur mit Zäunen und eventuell einem Netz gegen Fressfeinde geschützt werden, sondern auch gut strukturiert sein. „Es gibt nichts schlimmeres als eine grüne Wiese, auf der nichts steht“, sagt Schlicht. Es brauche auch Schutzmöglichkeiten vor Wind, Wetter und Hitze sowie Greifvögeln – „das kann alles Mögliche sein“, sagt sie, ob Bäume und Sträucher, ein einfacher Unterstand, Sonnensegel oder aufgestellte Paletten. Auch ein Sandbereich ist unerlässlich, denn das Sandbaden ist für die Gefiederpflege der Tiere essenziell.

Der Auslauf sollte nach Möglichkeit direkt mit dem Stall verbunden sein. Hier verbringen die Hühner in der Regel aber nur die Nacht. Auch deswegen muss er nicht unbedingt groß sein. Zwei bis drei Hühner auf einen Quadratmeter, empfiehlt Schlicht. Eine Grundfläche von zwei bis vier Quadratmetern sollte er laut Bergmann aber auch bei einer sehr kleinen Hühnergruppe haben. „Je mehr Platz im Stall desto besser. Wichtig dabei ist, dass er gut isoliert ist“, sagt sie. Denn Zugluft, Nässe und auch Hitze tun den Vögeln nicht gut. Ebenso wie für den Auslauf gilt: Er muss Ein- und Ausbruchssicher sein. Ansonsten braucht es aber nicht viel: Eine Sitzstange, Kotbrett und Legenester. Schlicht empfiehlt als Nester Katzenklos – „die kann man gut reinigen.“

Falls der Stall klein ist, sollte man allerdings an eine mögliche Erweiterung denken – denn: „Die Aufstallungspflicht kann auch Hobbyhalter treffen. Dann sollte man einen geeigneten Stall bereit haben oder leicht einen Wintergarten anbauen können“, erklärt Bergmann. Sobald eine Stallpflicht wegen einer Tierseuche verhängt wird, dürfen auch die Hühner nicht mehr frei umherlaufen.

Hühner sind meldepflichtig

Und noch etwas sollte zum Zeitpunkt der Anschaffung der Hühner vorausgeplant werden: „Man sollte auf jeden Fall einen Vogel-versierten Tierarzt in petto haben“, sagt Bergmann. Denn wenn Hühner Symptome zeigen, ist die Erkrankung meist schon fortgeschritten und der Tierarztbesuch drängt.

Wer sich Hühner holt, sollte ihnen außerdem zweimal täglich einen Besuch abstatten: „Mindestens zweimal am Tag solle man nach den Hühnern schauen, füttern und das Wasser wechseln“, sagt Bergmann.

Und: „Zumindest einen Moment lang sollte man sich nehmen für einen kurzen Check: geht allen gut?“, sagt Schlicht.

Wer sich für Hühner als Haustiere entschließt, muss laut dem LGL drei offizielle Stellen kontaktieren. Denn Hühner sind zwar nicht genehmigungspflichtig, müssen aber bereits vor Beginn die Hühnerhaltung beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten anmelden. Anschließend muss die Haltung auch beim Veterinäramt und bei der Tierseuchenkasse gemeldet werden.

Brut von Küken gut durchdenken

Wer möglichen Ärger vermeiden will, sollte auch mit den Nachbarn sprechen, auch wenn deren Zustimmung nicht erforderlich ist. „Es gibt unglaublich viele Urteile, in denen Nachbarschaftsstreite zu Ungunsten der Hühner ausgegangen sind. Da ging es meistens um Hähne, die natürlich krähen, wann sie wollen“, erklärt Bergmann. Zwischen 22 und 6 Uhr muss der Halter sicherstellen, dass kein Krähen zu hören ist.

Hähne bereiten Schlicht mittlerweile besonders viel Arbeit. „Viele lassen ihre Hühner unüberlegt brüten. Wir kriegen mindestens eine Anfrage wöchentlich, weil jemand einen Hahn abgeben will“, erzählt sie. Weil sich mehrere Hähne in einer Gruppe in der Regel nicht vertragen, müsse man vor Brutbeginn bereits einen Plan im Kopf haben, was mit den wachsenden Küken später passiert.