Spinnenphobie überwinden: Wie Giovanno Neigert mit seiner Ausstellung Ängste abbaut

Von Antonia Zuruev · 12. Februar 2025 um 19:00

In seiner Ausstellung „Insectophobie“ zeigt Giovanno Neigert, wie man Ängste vor Spinnen und Insekten abbauen kann. Am Sonntag, 16. Februar, macht er Halt in Kelheim – mit über 500 exotischen Tieren, die den Besuchern helfen, ihre Phobien zu überwinden.

Während die meisten Menschen bei Spinnen panisch das Weite suchen, hält Giovanno Neigert (43) sie als Haustiere – und das seit seiner Kindheit. Heute besitzt er eine beeindruckende Sammlung mit über 500 exotischen Tieren. Mit Deutschlands größter mobiler Spinnen- und Insektenausstellung „Insectophobie“ reist er seit 2011 durch den deutschsprachigen Raum, um Ängste abzubauen und mit Vorurteilen aufzuräumen. Am Sonntag macht er Halt in Kelheim – für alle, die mehr über diese faszinierenden Tiere erfahren oder sogar ihre eigene Phobie überwinden möchten. In einem Gespräch mit unserer Zeitung verrät Neigert, vor welchen Insekten er selbst Respekt hat und wie sich der Biss einer Vogelspinen anfühlt.

Herr Neigert, während viele Menschen beim Anblick einer Spinne erschrecken, empfinden Sie Begeisterung. Wie entstand Ihre Faszination für diese Tiere?

Neigert: Schon als Kind hatte ich ein großes Interesse an Insekten und Spinnen. Ich habe sie gesammelt und als Haustiere gehalten. Meine Faszination wurde durch eine kleine Zoohandlung in meiner Nachbarschaft geweckt. Der Besitzer ließ mich beim Säubern der Terrarien und beim Füttern helfen. Mit zwölf Jahren habe ich meine Mutter überredet, mir meine erste Vogelspinne zum Geburtstag zu schenken. Von da an wuchs meine Sammlung stetig. 2011 entschied ich mich schließlich, meine Leidenschaft in eine berufliche Richtung zu lenken. Um mein Hobby zu finanzieren, mietete ich eine Turnhalle und stellte meine Tiere aus. Die Resonanz war überwältigend, sodass ich ein Gewerbe anmeldete und die Ausstellung nun hauptberuflich betreibe.

Von der größten Vogelspinne bis zu seltenen Geißelskorpionen

Was fasziniert Sie an diesen Tieren besonders?

Neigert: Mich persönlich fasziniert die unglaubliche Vielfalt, die Insekten und Spinnen bieten – sowohl in ihren Formen als auch in ihrem Verhalten. Es gibt nirgendwo in der Tierwelt so viele verschiedene Arten und so viele, die ihre eigenen, einzigartigen Verhaltensmuster haben. Die Insektenwelt ist definitiv die vielfältigste unter den Tieren. Man findet so viele verschiedene Lebensformen, dass es fast unvorstellbar ist.

Und welche Exemplare bekommen die Besucher neben Spinnen in Ihrer Ausstellung zu sehen?

Neigert: Wir haben ganz verschiedene Tiere. Wir haben zum Beispiel große Achatschnecken, Gottesanbeterinnen und Skorpione. Wir haben auch verschiedene Arten von Schaben, Landeinsiedlerkrebse und so weiter. In meiner Ausstellung gibt es auch ein paar Lebensformen, die man nicht mal im Fernsehen zu sehen bekommt – Geißelskorpione zum Beispiel. Sowas sieht man wirklich sehr selten.

Was ist Ihre persönliche Lieblingsspinne?

Neigert: Im Moment fasziniert mich am meisten die Theraphosa blondi, die größte Vogelspinne der Welt. Diese Art kann eine Spannweite erreichen, die ungefähr der Größe eines Esstellers entspricht. Der Querschnitt wurde schon bei etwa 30 Zentimetern gemessen, und die Körperlänge kann bis zu 20 Zentimeter betragen – das ist wirklich ein Riesentier! Ich habe so ein Exemplar auch in der Ausstellung, und es ist wirklich beeindruckend, diese Spinne in Echt zu sehen.

Die meisten Spinnen sind für Menschen ungefährlich

Gibt es ein Tier, das Ihnen Respekt einflößt oder sogar unangenehm für Sie ist?

Neigert: Ja, es gibt einige, aber nicht in meiner Sammlung. In der Natur gibt es zum Beispiel eine Schlupfwespe, die sticht und ihre Eier unter die Haut legt. Die Larven verpuppen sich dort und fressen sich dann wieder raus – das ist schon ziemlich unangenehm. Eine andere, die mir Respekt einflößt, ist die Antrax robustum, eine Falltür-Spinne. Sie baut eine Falltür und zieht alles rein, was vorbeiläuft. Diese Spinne, auch bekannt als Trichternetz-Spinne in Australien, gilt als eine der potenziell tödlichsten für den Menschen. Davor hätte ich definitiv Respekt und wäre vorsichtig.

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Wurden Sie schon einmal von einer Spinne gebissen?

Neigert: Nein, noch nie. Wenn man weiß, wie man mit den Tieren umgeht und den nötigen Respekt hat, kann das ausgeschlossen werden. Viele Menschen glauben, dass Spinnen aktiv auf den Menschen zukommen und beißen, aber das ist ein großes Missverständnis. Wir räumen mit solchen Vorurteilen auch in unserer Ausstellung auf – Spinnen beißen nicht einfach so. Ein weiteres Vorurteil ist, dass Spinnen für den Menschen lebensgefährlich sind, was nur auf einen winzigen Bruchteil der Arten zutrifft.

Mit abgestorbenen Spinnenhäuten Phobien abbauen

Und wie gefährlich sind die Tiere in Ihrer Ausstellung für Menschen?

Neigert: Ich habe keine Tiere, die für den Menschen wirklich gefährlich sind. Bei Vogelspinnen zum Beispiel ist der Biss in etwa so schmerzhaft wie ein Wespenstich – es schwillt an, tut kurz weh und heilt dann schnell wieder ab. Das gilt auch für die Skorpione, die wir in unserer Ausstellung zeigen.

In Ihrer Ausstellung helfen Sie Menschen, ihre Spinnenphobie zu überwinden. Wie gehen Sie dabei vor?

Neigert: Wir sind natürlich keine Psychologen, aber wir nehmen uns viel Zeit für die Besucher, die panische Angst oder eine Spinnenphobie haben. Zuerst räumen wir mit allen Vorurteilen auf und beantworten jede Frage. Der erste Schritt ist, mit Exuvien – der abgestorbenen Haut einer Vogelspinne – zu arbeiten, die sich genauso anfühlt wie eine echte Spinne. Das ist für viele der Einstieg, um sich langsam an die Tiere zu gewöhnen. Schritt für Schritt geht es dann weiter bis zum Halten einer Vogelspinne. In der Ausstellung klappt das meist sehr gut – oft sehen wir, dass ein bis zwei Personen, die zu Beginn noch Angst haben, am Ende tatsächlich eine Vogelspinne auf die Hand nehmen. Die sichere und gut erklärte Umgebung spielt dabei eine große Rolle.

„Insectophobie“ – die Ausstellung

Highlights: Besucher können laut Veranstalter ihre Spinnenphobie mit persönlicher Betreuung abbauen. Ein Streichelzoo ermöglicht den direkten Kontakt mit Spinnen und Insekten. Zudem sind die größte lebende Vogelspinne, der weltgrößte Skorpion und über 500 weitere exotische Tiere zu sehen.

Nächster Termin: Die Ausstellung gastiert am Sonntag, 16. Februar, im Dormero Hotel Kelheim, Donaustraße 22-26, von 11 bis 18 Uhr.

Eintrittskarten: Tickets gibt es an der Tageskasse für acht Euro für Kinder von drei bis 15 Jahren und zehn Euro für Erwachsene.

Interview: Antonia Zuruev

Seit seiner Kindheit hält Giovano Neigert Vogelspinnen, Skorpione und Co. als Haustiere – und wurde trotz unzähliger Begegnungen noch nie gebissen.