Insolvenz von Kelheim Fibres: So viele Mitarbeiter müssen gehen

Von Beate Weigert · 8. Februar 2025 um 11:00

Insolvenz von Kelheim Fibres: das Faserwerk baut Stellen ab. Beschäftigte haben ihre Kündigung erhalten. Die Produktion läuft weiter. Alle Hoffnung liegt auf dem Finden neuer Investoren.

Seit gut einem Monat ist das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung von Kelheim Fibres (KF) offiziell eröffnet. Seitdem hat sich einiges getan. Auch zahlreiche Kündigungen sind ausgesprochen.

Seit Herbst 2024 war klar, dass an die 150 Jobs von insgesamt etwa 500 bei dem Viskosefaser-Spezialisten im Feuer stehen. Also etwas weniger als ein Drittel aller Arbeitsplätze.

Kelheim Fibres zählt zu den größten Arbeitgebern in und um Kelheim. Im Januar ist laut KF und Betriebsrat 66 Frauen und Männern „betriebsbedingt“ gekündigt worden.

„Einvernehmliche Lösungen“

In den übrigen Fällen konnten „einvernehmliche Lösungen gefunden werden“, so das Unternehmen. Betriebsratsvorsitzender Josef Rummel wird konkreter: „Etwa 30 ältere Beschäftigte“ hätten sich angesichts eigens ausgehandelter Konditionen zum Gang in die Rente entschieden. Zuvor hatte sich wohl auch bereits eine „erhöhte Fluktuation“ ergeben. Angesichts der unsicheren Situation hatten Ende 2024 bereits selbst einige Mitarbeiter gekündigt.

Noch ausstehen laut Rummel Kündigungen für Kollegen mit Schwerbehinderung und Gleichgestellte, die wohl Ende Februar ausgesprochen werden. Zuvor stehe die Anhörung des Integrationsamts an. Insgesamt werden, wie angekündigt, circa 150 Stellen abgebaut.

„Namensliste“ für Kündigungen und Sozialplan

Vor der Insolvenzeröffnung und final im Januar waren eine „vom Arbeitgeber gewollte“ Namensliste mit zu kündigenden Beschäftigten und ein Sozialplan verhandelt worden, so Rummel. Allerdings lägen nur 2,5 Monatsgehälter pro Betroffenem zur Verteilung in Aussicht. Nach Einschätzung des Betriebsratschefs dürften die „Jüngeren unter 50“ und die Älteren „über 61“, wo ein direkter Übergang in die Rente möglich ist, „eher ziemlich leer ausgehen“. Bei den Kollegen dazwischen reiche es zwar nicht für die Rente, es solle aber ein Ausgleich „für altersbedingt eventuell schlechter bezahlte Arbeitsplätze“ sein.

Kelheim Fibres: Transfergesellschaft geschaffen

Ein Großteil der Gekündigten wechselt, wie auch KF bestätigt, in eine eigens geschaffene Transfergesellschaft, die über die Löhne der Kündigungsfrist (ein bis maximal drei Monate) und eine Anschubfinanzierung durch den Betrieb finanziert werde und „den Leuten in etwa die doppelte Zeit des eingezahlten Vertrags durch das Transferkurzarbeitergeld bringt“, erklärt Rummel. Laut Kelheim Fibres will man mit der Transfergesellschaft die Gekündigten bei einer beruflichen Neuorientierung unterstützen.

Laut Betriebsratsvorsitzendem sind auch sechs Mitarbeiter, die von der 2023 insolvent gegangenen Dolan gewechselt waren, betroffen. „Allerdings schaffen diese jetzt den Übergang in die Rente, was bei Dolan noch nicht möglich war.“

Produktion läuft weiter: „Verbindliche Abnahmezusagen“

Derweil werden laut KF nötige Sanierungsmaßnahmen „wie geplant umgesetzt“. Die Produktion sei auf spezielles Know-how und Alleinstellungsmerkmale ausgerichtet. „Für den Großteil der für 2025 geplanten Produktion liegen verbindliche Abnahmezusagen vor.“ Außerdem soll eine höhere Auslastung der Standort-Serviceanlagen zusätzliche Einnahmequellen schaffen.

Zur langfristigen Sicherung sollen mit Hilfe von Roland Berger Investoren gefunden werden. Mehrere strategische und Finanzinvestoren haben laut KF bereits Interesse bekundet. Währenddessen laufe der Betrieb „unverändert weiter“. Angesicht der „klaren Fokussierung“ blicke man „zuversichtlich in die Zukunft“, ist die Geschäftsführung zitiert.