Chamer Landschaftspfleger schlagen Alarm: Gestrichene Fördermittel sind Rückschlag für Artenvielfalt

Die Chamer Landschaftspfleger und Naturschützer sind empört. Der Grund dafür: Die bayerische Regierung streicht die finanziellen Mittel für den Naturschutz in Bayern um 15 Prozent, also um etwa 18 Millionen Euro. Das trifft auch die Naturschützer und Landschaftspfleger im Landkreis Cham hart.
Sechs Vertreter von vier verschiedenen Vereinen und Verbänden haben sich zusammengetan, um in einem Pressegespräch vor den Folgen zu warnen. „Für die Regierung sind 18 Millionen Euro ein minimaler Betrag“, sagt Dr. Gisela Merkel-Wallner, stellvertretende Vorsitzende des LBV Cham. „Für uns Verbände ist es aber sehr viel.“ Mit einem Vergleich stimmte ihr Peter Zach zu: „Das sind die Kosten für gut einen Autobahnkilometer“, so der Gebietsbetreuer der Regentalaue.
Minimale Einsparung
Die Landesregierung verschlankt das Umweltbudget wegen der Haushaltssperre um 18 Millionen Euro. Bei einem Haushalt von 72 Milliarden Euro sind das 0,00025 Prozent. Die Landschaftspfleger sind der Meinung, dass das die Haushaltslage kaum besser mache. Für sie allerdings sind die Fördergelder entscheidend.
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Die gute Nachricht: Bestandsflächen werden weiterhin gefördert. Die schlechte: Geplante Maßnahmen, bei denen die Förderung noch nicht genehmigt wurde, stehen auf der Kippe. „Ankäufe und Projekte, die geplant sind, müssen verschoben werden“, sagt Merkel-Wallner. Verschoben auf unbestimmte Zeit. Das ist vor allem beim Kauf von Flächen ein Problem.
Die Naturschutzverbände erwerben sie, um die Artenvielfalt zu erhalten und den Pflanzen und Tieren Platz zur freien Entwicklung zu geben. Dabei unterscheide man zwischen guter und schlechter Pflege. „Es gibt einmal die Pflege zur Offenhaltung der Landschaft“, erklärt Konrad Bierlmeier vom Verein zum Schutz wertvoller Landschaftsbestandteile in der Oberpfalz (VSL). Dabei gehe es vor allem um das Visuelle. Also dass gewisse Stellen nicht zuwachsen.
Auch Landwirte sind betroffen
„Und es gibt die gute Pflege, die auf die speziell auf der Fläche vorkommenden Arten abzielt“, erklärt Bierlmeier. Je nach Pflanzen und Insekten auf der Fläche werde entschieden, ob man ein Mal oder sechs Mal, im Winter oder im Sommer und mit welchen Maschinen mäht. „Wenn die Ankäufe öffentlich gefördert werden, gibt es auch Pflegemaßnahmen und Vorschriften“, sagt Merkel-Wallner. Oft arbeiten die Verbände mit Landwirten zusammen. Diese pachten Flächen, kümmern sich um die Pflege und streichen dafür die Fördermittel ein. Davon profitieren Landwirte, Naturschützer und natürlich Pflanzen und Tiere.
Doch durch die fehlende Förderung kommt es dieses Jahr gar nicht so weit, dass sich die Verbände Flächen leisten. „Moorflächen wurden bis zu 90 Prozent bezuschusst – das kann ein ehrenamtlicher Verein nicht tragen“, sagt Robert Kurzmann vom Bund Naturschutz. Für zum Verkauf stehende Flächen, die sich zum Artenschutz eignen, lassen sich in Windeseile andere Abnehmer finden. Für den Landschafts- und Artenschutz sind diese dann meistens verloren.
Über 700 Pflanzenarten
Ein gutes Beispiel für gelungene Landschaftspflege ist die Regentalaue zwischen Cham und Pösing. Auf den 1770 Hektar wachsen über 700 Pflanzenarten, zwitschern etwa 70 Vogelarten und fliegen knapp 40 Libellenarten.
Flächen wie diese werden in diesem Jahr nicht hinzu kommen. Die Haushaltssperre steht. Aber die Chamer Landschaftspfleger und Naturschützer möchten darum kämpfen, dass die Fördermittel zumindest 2026 wieder steigen.
