Flüchtlingsschiff MS Rossini: Die Bürger von Bach hätten noch ein paar Fragen

Sehr positiv war kürzlich die Bilanz der Landrätin über die zwei Jahre, in denen das Flusskreuzfahrtschiff MS Rossini nun schon als Flüchtlingsunterkunft dient. Bürgern aus Bach im Landkreis Regensburg kamen dabei ein paar Aspekte zu kurz.
Seit Januar 2023 nutzt der Landkreis das Flusskreuzfahrtschiff MS Rossini als Flüchtlingsunterkunft, über drei Viertel dieser zwei Jahre ankerte es in Bach an der Donau. In einer Art Zwischenbilanz blickte Landrätin Tanja Schweiger vergangene Woche auf die Erfahrungen mit dieser ungewöhnlichen Art der Unterbringung zurück. Ihre Ausführungen glichen einer Erfolgsgeschichte, geprägt von erfolgreicher Integrationsarbeit von Behörden und Bewohnern sowie keinerlei nennenswerter Zwischenfälle an Bord und in der unmittelbaren Umgebung.
Doch nicht alle Einheimischen teilen diese positive Einschätzung. Sie sind organisiert in der Bürgerinitiative Gemeinde Bach – Gemeinsam Stark, kurz BI Bach, und haben ihre Standpunkte bei der erwähnten Zwischenbilanz vermisst. Daher haben sie sich nun separat zu Wort gemeldet.
Schiff bleibt noch länger
Eins vorweg: Etwaige Schwierigkeiten mit den Bewohnern der MS Rossini sind nicht Bestandteil der Stellungnahme der BI. Diese konzentriert sich auf das Thema Liegezeit sowie damit möglicherweise verbundene Umweltproblematiken. Ein Sprecher, der aus beruflichen Gründen nicht namentlich genannt werden will, kritisiert dabei frontal die Landrätin: „Frau Schweiger ist hier für eine der größten vermeidbaren Umweltsünden im Landkreis ebenso verantwortlich wie für ihr gebrochenes Versprechen zur Liegezeit.“
Bei letztgenanntem Punkt bezieht er sich auf eine konkrete Zusage. Bei einer Bürgerversammlung Anfang 2023, als die Bedenken der Bacherer in Sachen Flüchtlingsschiff massiv waren, erklärte die Landrätin wörtlich und unter großem Applaus: „Nach sechs Monaten ist Schluss.“
Diese Ankündigung ist längst obsolet, inzwischen beträgt die Ankerzeit in Bach 18 Monate – und das Landratsamt lässt keinen Zweifel daran, dass es noch länger dauern wird. „Die MS Rossini muss bis auf Weiteres vor Ort in Bach an der Donau bleiben, und zwar so lange es weiterhin Unterbringungsbedarf gibt“, lautet die Auskunft. Das Flusskreuzfahrtschiff ist schlicht und einfach unverzichtbar für die Unterbringung von Flüchtlingen geworden, voraussichtlich ab 1. März wird es neben dem Standort Schierling sogar die einzige Notunterkunft im Landkreis sein.
Auf das Ökosystem am Donauufer hat dies nachhaltig negative Auswirkungen, fürchtet der BI-Sprecher. „Die Diesel laufen rund um die Uhr im Vogelschutzgebiet und lärmen vor sich hin. Die hier vorkommenden Eisvögel sind nicht mehr zu sehen. Dafür leben wir mit dem Krach, Gestank und Lärm“, schimpft er und sieht obendrein das Freizeitangebot beeinträchtigt: „Dass die Bürger in Bach und Frengkofen nicht mehr in der Donau schwimmen gehen, ist offenbar egal.“
Was die vermutete Vergrämung des Eisvogels angeht, sieht das Landratsamt keine Anhaltspunkte. Die Brutplätze dieser streng geschützten Art befänden sich im Bereich offener, unverbauter Steilufer, als Jagdrevier diene die gesamte Wasserfläche. Es sei jedoch schlüssig, wenn die Tiere dem Umfeld eines anliegenden Schiffes fern blieben. „Naturschutzfachlich und naturschutzrechtlich ist die Meidung eines naturfernen Uferabschnittes nach Auffassung der Unteren Naturschutzbehörde unkritisch zu sehen“, fasst die Pressestelle des Landratsamts zusammen.
Ein weiterer Kritikpunkt der BI ist das Thema Abwasser. Zehntausende Liter davon flössen in die Donau, „obwohl bei Genehmigung des Stegs jegliche Einleitung durch die Regierung der Oberpfalz im Genehmigungsbescheid untersagt wurde“. Hier hält das Landratsamt dagegen, dass in besagter Erlaubnis aus dem Jahr 2009 kein Verbot zur Einleitung von gereinigtem Abwasser ausgesprochen worden sei.
Reicht die Kläranlage?
An der Frage, ob die Kleinkläranlage der MS Rossini dafür ausreicht, scheiden sich die Geister. Während die BI starke Zweifel hat, sagt das Landratsamt: „Nach unserem letzten Kenntnisstand erfüllt die an Bord befindliche Abwasserbehandlungsanlage die entsprechenden Vorgaben.“ Die Überwachung durch die Wasserschifffahrtsverwaltung des Bundes und die Wasserschutzpolizei lege dies nahe.
Den BI-Sprecher besänftigen all diese Ausführungen nicht. „Wir fühlen uns verraten und verkauft“, hadert er mit dem Vorgehen der Kreisbehörde und ihrer Chefin und unkt: „Das Schiff bleibt, bis es auseinander fällt.“
