Gespräch mit Lucas Nemmer: Warum es Holzspielwaren „Made in Germany“ schwer haben

Von Stefan Weber · 8. Februar 2025 um 19:00

Noch ist gar nicht alles aufgeräumt bei Spielwaren Nemmer in Miltach. Fünf Tage Spielwarenmesse in Nürnberg, der größten ihrer Art weltweit für das Fachpublikum, haben auch in der Firma am Regen noch Arbeit übrig gelassen – und das für immer weniger Nutzen für das Unternehmen, wie Junior-Chef Lucas Nemmer eine Woche nach Ende der Messe sagt.

Die Bezeichnung „größte Messe der Welt ihrer Art“ treffe auf das Treffen der Händler, an dem Nemmer zum 53. Mal teilgenommen hat, leider immer weniger zu. Eine Entwicklung, die das Unternehmen mindestens seit Ende der Corona-Pandemie feststellt, sei, dass die Messe immer mehr durchmischt werde. Wo es früher einen eigenen Bereich für Holzspielwaren gegeben habe, sie das Angebot in ihrer Halle so vielfältig bestückt gewesen wie noch nie.

Viele Gründe für Rückgang

Was wiederum zur Folge habe, dass sich zunehmend weniger potentielle Kunden an Stände von Unternehmen begäben, mit denen sie zuvor noch nie Kontakt gehabt hätten. Natürlich seien auch in diesem Jahr einige Gespräche geführt und vor allem Kontakte zu langjährigen Kunden gepflegt worden; Das sei auch ein Punkt, der trotz aller technischen Möglichkeiten nicht zu ersetzen sei. Dennoch stelle sich am Ende der Woche die Frage, ob Aufwand und Kosten auch in Zukunft noch im Verhältnis stehen würden.

Das habe auch mit der allgemeinen Situation von Holzspielwaren „made in Germany“ zu tun, weiß Lucas Nemmer. Das Unternehmen samt seiner 19 Mitarbeiter habe neben den Spielwaren schon länger drei weitere Standbeine: Neben der Auftrags-Arbeit und Werbemitteln sei vor allem der Bereich Kindergarten-Ausstattung ein Feld, das immer mehr an Bedeutung gewinne. Ohnehin, schätzt Lucas Nemmer, machten Spielwaren „nur noch“ rund 50 Prozent des Umsatzes aus.

Dass gerade dieser Bereich an Bedeutung verliere, hat für ihn mehrere Gründe. Da seien zum einen die hohen Auflagen, die zu erfüllen sind. Das gelte nicht nur bezogen auf verwendete Stoffe, sondern reiche bis hin zum Nachweis, wo und wann welche Bäume geschlagen worden seien, die im Spielzeug Verwendung fänden.

Wo Qualität noch zählt

Prinzipiell nicht die schlechtesten Forderungen, doch koste deren Einhaltung viel Geld; Geld, das Konkurrenten aus Asien im Gegensatz zu deutschen Unternehmen nicht an ihre Kunden weitergeben müssten. Für das Unternehmen einer von vielen Punkten, weshalb der Spielwaren-Bereich keiner mehr sei, in dem es sich großes Wachstum ausrechne – auch mit Blick darauf, dass die Branche in den vergangenen Monaten und Jahren mit Insolvenzen auch unter den ganz großen Firmen für Aufsehen gesorgt hat. Der Preis sei nun mal für viele Kunden das erste Argument, dann erst kämen Punkte wie Qualität.

Anders sei das zum Beispiel bei Kindergarten-Ausstattungen. Bei Möbeln und Spielzeug, das täglich dem Anspruch von mehreren Kindern ausgesetzt sei, da komme es sehr auf die Qualität an, und das sei ein Bereich, in dem Nemmer weiter punkten könne.

Bei der Spielwarenmesse 2026 in Nürnberg wird Lucas Nemmer wohl wieder mit einem eigenen Stand vertreten sein, auch wenn sich einige Unternehmen, die viele Jahre vor Ort gewesen seien, den Weg mittlerweile sparen. Im Moment sieht es aber so aus, dass der Unternehmens-Bereich für Holzspielzeug in Zukunft noch weiter zurückgehen wird.

Das Unternehmen

Anfänge: Nemmer fertigt sicheres und schönes Holzspielzeug „made in Germany“ - und das mittlerweile in der vierten Generation. Wie schon zur Gründung im Jahr 1952 werden bei der Nemmer Holzspielwaren in Miltach innovative Spielsachen aus Holz hergestellt. Nemmer ist ein inhabergeführtes Unternehmen mit eigener Produktentwicklung, eigener Fertigung und eigenem Vertrieb.

Produktion in Deutschland: Die lange Tradition schafft die Grundlage für jahrzehntelange Erfahrung in der Holzverarbeitung. Ständiges Wachstum und Weiterentwicklung macht Nemmer zu einem modernen Betrieb mit eigener Fertigung und umfassenden Maschinenpark. Neben Bürogebäude und Fertigungshallen mit eigener Lackiererei gibt es ein großes Lager für schnelle Abwicklung und Versand, sowie einen Werksverkauf auf dem Betriebsgelände.