Kelheims ÖDP-Kandidat Max Huber will mit weniger Staat mehr für die Umwelt tun

Von Martina Hutzler · 5. Februar 2025 um 05:00

„Man muss es halt mal anpacken“: Das sagt Max Huber mehrfach im Redaktionsgespräch. Seine Partei, die ÖDP, erhebt etliche sehr weitreichende Forderungen in ihrem Wahlprogramm, etwa zu Klimaschutz und „Mobilitätswende“. All das sei nicht von heute auf morgen zu realisieren, so der ÖDP-Direktkandidat für den Wahlkreis Kelheim-Landshut. „Aber politische Forderungen sind eben dazu da, dass man sie stellt. Die Wähler können dann entscheiden“.

Mit 16 stieß der Ergoldinger zu der Öko-Partei, als diese gerade per Volksbegehren Bayerns Senat abschaffte, ein Gremium mit begrenztem Einfluss auf die Gesetzgebung. „Die Mischung aus Umweltschutz- und ,Schlanker Staat‘-Partei hat mir gefallen“, sagt der heute 42-Jährige: Die ÖDP wolle „nicht alles regeln, nicht den Staat und die Parlamente aufblähen – das unterscheidet uns von den Grünen“. Und die Mischung passe noch heute, findet der promovierte Energietechniker.

Als Beispiel nennt er heimische Batteriespeicher: Die dürfe man nur für selbst erzeugten Strom etwa von der Dach-Photovoltaik-Anlage nutzen, aber nicht für Strom von der Strombörse. Das schränke Anlagen-Besitzer unnötig ein und verhindere, dass die Speicher zum Ausgleich von Stromspitzen beitragen.

Normenflut verteuert Bau

Fassungslos macht den in Landshut tätigen Ingenieur für Energie- und Versorgungstechnik nach eigenen Worten auch die Explosion an Normen im Baubereich. Mehr als 40.000 dieser Fachregeln gebe es mittlerweile - in den 1990er Jahren sei man noch mit rund 5000 ausgekommen. „Und da sind auch keine Häuser zusammengefallen.“ Eine Norm etwa beinhalte, dass jede Wohnung einen Vorraum braucht. „Diese zwei Quadratmeter mehr verteuern das Bauen“: schlecht für Singles, Ältere und andere, die kostengünstigen Wohnraum suchen, findet Huber.

Freilich seien viele Normen die Folge von Rechtsstreitigkeiten oder der Versuch, solchen Streit zu vermeiden, räumt Max Huber ein. Aber dann müsse man eben solche Klagemöglichkeiten einschränken. Und „Vereinfacher“ in die Gremien schicken, in denen Normen und Gesetze entstehen. „Das Heizungsgesetz der ,Ampel‘ zum Beispiel war gar nicht so schlecht – aber es steht viel Überflüssiges drin“. Um all die geforderten Berechnungen für die aktuell geplanten Neubauten zu erstellen, „bräuchten wir 50.000 Energieberater“. Auf die könne man aber im Neubau-Bereich „komplett verzichten“; es brauche nur „klare Regeln wie ein komplettes Verbot von Gas- und Ölheizung im Neubau“.

„Einfach mal anfangen“ würde der Familienvater auch gerne mit der Verkehrswende – hin zu einer „Mobilität ohne eigenes Auto“. Nicht nur aus Umweltschutzgründen, ergänzt der Berufspendler, der selbst aufs E-Bike umgestiegen ist. Auf Alternativen wie den Ausbau von Bahnstrecken und auf wohnortnahe Grundversorgung sei man auch als alternde Gesellschaft dringend angewiesen. Dennoch investiere der Staat immer noch in neue Straßen wie die B15n, während die Bahn mit Elektrifizierung und zweigleisigem Ausbau hinterher hinke. „Aber es sind schon dicke Bretter, die man da bohren muss“, gesteht Max Huber ein.

Ob er und seine Partei überhaupt einen „Bohrer“ anvertraut bekommen vom Wahlvolk, ist ungewiss. Bei der Bundestagswahl 2021 bekam die ÖDP gerade mal 0,2 Prozent der Zweitstimmen. Ein gewisses Verständnis hat der Kelheim-Landshuter Direktkandidat daher, dass viele zögern, eine kleine Partei zu wählen; aus Sorge, ihre Stimme sei „verloren“. Er selbst hält zwar keine Stimme für „verloren“. Man müsse aber „darüber diskutieren, ob die Fünf-Prozent-Hürde noch zeitgemäß ist“.

„AfD gehört verboten“

Eine Partei indes würde er aus dem Bundestag gerne verbannen: „Die AfD gehört verboten“, weil sie gegen Grund-, Menschenrechte und Demokratie arbeite.

Mit Sorge beobachte er aber auch bei anderen Parteien einen Trend zum gegenseitigen Beschimpfen: „Da kann ich nur zu Mäßigung und Sachlichkeit aufrufen“, gerade auch beim derzeit größten Aufreger-Thema Asyl und Migration.

Selbst aktiv im örtlichen Asylhelferkreis, „schockieren“ ihn die Hürden, die der Staat den Geflüchteten entgegenstelle, wenn diese nach Arbeit, Wohnung und Perspektive suchten. „Das kostet uns viel Geld und demotiviert die Leute“, führe manche Flüchtlinge dann auch in die Kriminalität. Hier müsse man ansetzen, „statt blindwütig alle abzuschieben und überall Grenzen aufzubauen“.

Bürokratie abbauen, und dazu ein gerechteres Abgabesystem beispielsweise mit Einführung einer Finanztransaktions-Steuer: Das wäre generell Hubers Vorgehensweise, um teils teure Wahlkampf-Forderungen gegenzufinanzieren. „Für Kinder zum Beispiel müsste man viel mehr Geld in die Hand nehmen“, um Schulen und Kitas besser mit Personal und Lernmaterial auszustatten, sagt der Vater eines Grundsc

hul-Kindes. Handlungsbedarf sieht er auch im Gesundheitsbereich. „Die ÖDP ist sehr dem Gemeinwohl verpflichtet“ – es sei daher „nicht nachvollziehbar“, dass sich ausgerechnet die Besserverdienenden aus der Solidargemeinschaft der gesetzlichen Krankenkasse „davonstehlen dürfen“.

„Lobbyismus begrenzen“

An entsprechenden Reformen wie etwa der Einführung einer ,Bürgerversicherung‘ sind indes selbst Regierungsparteien schon gescheitert. Das ficht Max Huber nicht an; für ihn ist das unter anderem eine Folge von überbordendem Lobbyismus, der im Bundestag und auch auf europäischer Ebene „viel zu lax gehandhabt“ werde. Die ÖDP habe sich dagegen immunisiert, indem sie keine Spenden von Firmen und Konzernen annehme.

Zur Person

• Privates: Dr. Max Huber ist 42 Jahre alt. Er lebt mit Frau und Tochter (8) in Ergolding. In der Freizeit ist er gerne draußen: mit Familie und Freunden beim Bergsteigen und Radeln. Und auch in seinem Wald, den er naturnah bewirtschaftet. Auf ein gutes Blatt hofft er auch beim Kartenspiel – er ist „passionierter Schafkopfer“.

• Beruf: Der studierte Elektrotechniker hat im Fachbereich Gebäudeenergietechnik promoviert und arbeitet heute als Ingenieur für Energie- und Versorgungstechnik bei der Schott AG in Landshut.

• Politik: Seit 26 Jahren ist Max Huber Mitglied der ÖDP – der damals 16-Jährige folgte mit seinem Eintritt dem Vorbild seiner Mutter. Den früheren Landesvorsitzenden der ÖDP, Bernhard Suttner bezeichnet er als sein politisches Vorbild. Bei der Wahl am 23. Februar hofft der Kelheim-Landshuter Direktkandidat für sich auf ein Ergebnis zwischen zwei und drei Prozent und für die Partei auf den Bundestagseinzug.

Wir stellen in einer Serie die Direktkandidatinnen und Direktkandidaten für den Wahlkreis Kelheim-Landshut im Porträt vor. Die Veröffentlichung erfolgt in alphabetischer Reihenfolge.