Aus Liebe zu den Tieren: Gertraud Götz-Volkmann kandidiert in Kelheim für die Tierschutzpartei

Von Martina Hutzler · 4. Februar 2025 um 05:00

Offiziell heißt die Partei „Mensch, Umwelt, Tierschutz“ – aber ihr Kurzname „Tierschutzpartei“ drückt auch aus, warum Gertraud Götz-Volkmann sich dort als Direktkandidatin im Wahlkreis Kelheim-Landshut engagiert: Der Landshuterin sind Tiere, ob wild oder beim Menschen lebend, besonders wichtig.

„Schon seit meiner Kindheit bin ich der Natur und Tieren sehr verbunden“, schreibt die Tochter eines Tierarztes in ihrem Porträt auf der Partei-Website. Heute leben im Haus und im Garten der 65-Jährigen ihre beiden Hunde, zwei Pferde, Katzen und allerlei wildes Getier, bis hin zu Besuchs-Rehen. Über ihre Tätigkeit fürs Landshuter Umweltzentrum, dessen Umweltmesse sie mitorganisiert hatte, stieß sie vor zehn Jahren auf die Tierschutzpartei. „Ich wollte mich eh noch mehr für dieses Thema engagieren“, studierte also das Parteiprogramm – und trat bei.

Einmal mehr will sie nun mit ihrer Direktkandidatur im Wahlkreis Kelheim-Landshut mithelfen, das Langzeit-Ziel der Kleinpartei zu erreichen: den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde in den Bundestag. Deswegen begrüßt sie, dass man sich im Wahlprogramm zu allen Politikfeldern positioniert hat.

Auch Wirtschaft und Soziales

Gefordert werden darin unter anderem „soziale Gerechtigkeit“ beispielsweise in Gestalt einer Kinder-Grundsicherung, eine „menschliche Asylpolitik“ unter anderem mit einem Bleiberecht für Geflüchtete aus Syrien; es enthält wirtschaftlichen Forderungen wie die nach Vermögens-Umverteilung und einer „Post-Wachstums-Ökonomie“, in der „Lebensqualität und Zufriedenheit der Bürger:innen“ der Erfolgsmaßstab sind; den Ruf nach einer Verkehrswende und nach Digitalisierung und andere Aspekte.

Dennoch, schildert Gertraud Götz-Volkmann, sei ihr besonders wichtig, dass der Tierschutz nicht nur wie „bei anderen Parteien zwar im Programm steht, aber dann doch nicht richtig verfolgt wird“, sondern breiten Raum einnimmt. Die Forderungen sind weitreichend: Es sollten beispielsweise „sofortige Maßnahmen zur Beendigung der Massentierhaltung“ ergriffen und „Intensivtierhaltungen […] und nicht artgerechte Haltungsformen verboten werden“; Landwirte will man unterstützen beim Umstieg „auf pflanzliche Landwirtschaft“, die im Idealfall „bio-vegan“ ist. Jedem Tier wird „das Recht auf sein Leben und körperliche Unversehrtheit“ zugesprochen, weshalb nicht zuletzt die Abschaffung von Tierversuchen, von Tier-Schauen in Zirkussen, Zoos, Shows und von der „Hobbyjagd“ im Wahlprogramm steht.

Das seien strikte Forderungen, räumt die Direktkandidatin ein; nimmt aber für sich einen pragmatischen Ansatz in Anspruch: „Ich bin keine Missionarin, die anderen vorschreibt, wie sie zu leben haben“. Jeder sei für sich selbst verantwortlich – und ihr selbst hätten eben zum Beispiel Videos aus riesigen Tierställen gezeigt, dass sie Massentierhaltung rundweg ablehne. Das würden wohl viele unterschreiben; trotzdem gehen solche Überzeugungen erfahrungsgemäß bei vielen Menschen an der Fleischtheke im Supermarkt mit den („ganz schlimm!“) XXL-Angebotspackungen verloren.

„Eigenes Ministerium nötig“

„Viele verschließen eben die Augen“, erklärt sich das die überzeugte Veganerin und Jagd-Gegnerin. Sie fordert deshalb, den Tierschutz in den Schulunterricht aufzunehmen und „endlich ein eigenes Tierschutz-Ministerium“ zu schaffen. Wie man dann lebe, bleibe jedem selbst überlassen. „Ich finde nur, dass jeder pflanzliche Nahrungs-Alternativen zumindest mal ausprobieren sollte.“

Ein Unding sei für sie auch die Unterscheidung in Nutz- und Haustiere. Den kompletten Verzicht landwirtschaftlicher Tierhaltung mag sie – nach eigenen Worten „Gegnerin von allem Extremen“ – trotzdem nicht gleich predigen. Keine Massentierhaltung, mehr Bio-Landwirtschaft, das listet sie als ihre „pragmatischen Forderungen“ auf.

Diese Forderungen unters Wahlvolk zu bringen, sei gar nicht so einfach, sagt die Bundes-Schatzmeisterin der Tierschutzpartei: In Niederbayern gebe es etwa 15 aktive Parteimitglieder, davon zehn im Raum Landshut. Der Wahlkampf könne jetzt erst anlaufen, weil in den vergangenen Wochen erst mal Unterstützerunterschriften gesammelt werden mussten, für die Wahlzulassung. Aber es gebe auch unterstützende Nicht-Mitglieder, und „wir werden immer bekannter“, gerade wenn es um Tierschutz-Themen gehe, gibt sich die Direktkandidatin kämpferisch.

In Brüssel vertreten

Bei den letzten drei Europa-Wahlen – im EU-Parlament gibt es bislang keine Sperrklausel – brachte die Partei laut Wikipedia immerhin je einen Abgeordneten nach Brüssel; die ersten beiden traten allerdings nach der Wahl jeweils aus der Partei aus.

Für ein Bundestagsmandat freilich müsste die Partei in diesem Februar ihr Zweitstimmen-Ergebnis der Bundestagswahl 2021 (1,5 Prozent) schon gewaltig steigern. Aber auch, wenn die Mission diesmal noch nicht gelinge, seien die Wählerstimmen nicht „verschenkt“, ist Götz-Volkmann überzeugt: „Jede Partei hat mal klein angefangen!“

Zur Person:

Privates: Gertraud Götz-Volkmann ist 65 Jahre alt und verwitwet. Sie lebt in Landshut und ist froh, dass schon ihre Eltern auf dem Familienanwesen der Natur viel Raum ließen. Heute kümmert sie sich um den naturnahen Garten, betreut mit einer Freundin zusammen zwei Pferde, zwei Hunde und Katzen, „alle aus dem Tierschutz“ und weiß sich „glücklich, dass ich hier leben darf“. Wenn Zeit bleibt, liest sie oder läuft „mit offenen Augen durch die Natur“.

Beruf: Die Landshuterin hat sich mit einem „Mobilen Sekretariat“ selbständig gemacht: Sie ist damit für kleinere Firmen und Betriebe tätig, um deren Sekretariat und Buchhaltung sie sich kümmert.

Politik: Vor zehn Jahren startete Gertraud Götz-Volkmann ihr politisches Engagement und trat der Partei Mensch, Umwelt, Tierschutz bei. Ihre erste Kandidatur, 2018 für den Bezirkstag, war „ein Abenteuer“, erinnert sie sich lachend. Mittlerweile ist sie Landesgeschäftführerin und Bundes-Schatzmeisterin ihrer Partei.

Wir stellen in einer Serie die Direktkandidatinnen und Direktkandidaten für den Wahlkreis Kelheim-Landshut im Porträt vor. Die Veröffentlichung erfolgt in alphabetischer Reihenfolge.