Elena Fritz kandidiert im Wahlkreis Kelheim-Landshut für AfD – „gerade als Migrantin“

Von Martina Hutzler · 31. Januar 2025 um 05:00

Nach gut dreijähriger politischer Abstinenz ist die AfD-Politikerin Elena Fritz in die Politik zurückgekehrt – und bewirbt sich, nach 2021, ein zweites Mal um das Direktmandat im Wahlkreis Kelheim-Landshut. Zentrale Themen wie Migration sieht die 38-Jährige wie die Parteiführung um Alice Weidel. Und beobachtet dafür gestiegenes Interesse vor Ort.

Das Thema Migration, in dem die AfD mit extremen Ansichten von sich reden macht, spielt bei Elena Fritz selbst eine große Rolle. Als deutschstämmige Aussiedlerin kam sie, mit Oma, Mutter und Schwester, im Jahr 1999 aus Kasachstan nach Deutschland. Anfangs ohne Deutschkenntnisse – die seien mit dem Besuch der Neutraublinger Hauptschule gekommen, in einer Klasse mit 80 Prozent Nicht-Muttersprachlern, schildert sie.

Bei den Schulnoten sei sie, in Kasachstan noch Einser-Schülerin, hier erst mal abgestürzt. Bis sie sich zusammengerissen habe, weil ihr bewusst geworden sei, „dass meine Mutter mit der Auswanderung viel aufgeben musste, um uns Kindern hier eine bessere Zukunft zu ermöglichen“. Nach dieser Erkenntnis habe sie dann auch den Sprung aufs Neutraublinger Gymnasium geschafft.

Von der SPD zur AfD

Auswandern um der Kinder willen, das gilt bei vielen Migranten als Hauptmotivation. Und doch sagt Elena Fritz, gerade aus ihrer eigenen Auswanderungs-Erfahrung heraus sei sie – nach zwei Jahren bei der SPD – zur AfD gekommen; sie stellt sich hinter die scharfen Migrations-Beschlüssen der Partei jüngst beim Parteitag in Riesa. „Gerade als Migrantin.“

In Riesa schaffte es unter anderem die umstrittene „Remigration“ ins Parteiprogramm. Unter diesem Schlagwort fordert etwa Partei-Chefin Weidel „Rückführungen in großem Stil“ von Zugewanderten, was für viele die elegante Umschreibung von „Ausländer raus“ ist. Für Elena Fritz nicht: „Wir möchten die Menschen im Land halten, die was erreichen wollen, fleißig anpacken und sich assimilieren“, sagt sie; aber gleichzeitig entwickle die AfD viele Ideen, weil Deutschland „die illegale Migration nicht im Griff“ habe und sicherheitspolitisch und finanziell an Grenzen stoße. „Wie es konkret umzusetzen ist, wenn man diesen Status beenden will, das muss dann die jeweilige Bundesregierung entscheiden“, antwortet die Juristin auf Nachfrage.

Das gelte auch in der Frage, wie der Fachkräftemangel behoben werden soll, den viele Branchen beklagen. Statt über Migration könne man über „alternative Ansätze“ reden: zum Beispiel einerseits in Bereichen wie der Pflege bessere Löhne zahlen; andererseits strengere Regeln aufstellen für „Menschen in der sozialen Hängematte“: Womöglich sei das Krankschreiben zu einfach, der Kündigungsschutz zu streng. Auch das müsse aber die Bundesregierung regulieren.

Also nicht die AfD – denn in der nächsten Bundesregierung sieht Elena Fritz ihre Partei nicht; noch nicht, „weil niemand mit uns redet“. Noch versuchten die anderen Parteien eine „Brandmauer“ gegen die AfD aufzubauen. Aber damit verliere die CDU „als konservative Partei immer mehr an Substanz“, und „manche, zum Beispiel aus der CSU, haben dieses Gerede schon satt“, ist sie überzeugt. Daher „arbeiten wir in der AfD noch ein paar Jahre an unserem Profil und können uns Optionen offen halten, mit wem wir irgendwann zusammengehen“. Bis dahin „sind wir auch in der Opposition sehr gut aufgehoben“.

Partei unter Beobachtung

Dass unterdessen ihre Partei als „rechtsextremer Verdachtsfall“ vom Bundesverfassungsschutz beobachtet wird; dass unter anderem drei Landesverbände als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft sind – das ficht die Diplom-Juristin nicht an. Für sie sind diese Einstufungen „politisch motiviert, nicht juristisch begründet“. Beweis sei, dass der mittlerweile pensionierte Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz Haldenwang jetzt für die CDU als Bundestagskandidat antritt. Das nennt sie „Symptom eines kaputten Systems“.

Beim AfD-Parteitag in Riesa sorgte auch für Aufsehen, was nicht beschlossen wurde. Etwa ein vorliegender Antrag, wonach der Krieg Russlands in der Ukraine als völkerrechtswidrig zu verurteilen sei. Der Angriff auf das Nachbarland „ist zwar nach dem aktuellen Völkerrecht ein völkerrechtswidriger Krieg“, räumt Elena Fritz ein – aber „dann muss man im selben Satz auch andere Kriege so nennen, etwa in Irak, Syrien, Kosovo“. Außerdem habe die Ukraine gegen das Minsker Abkommen verstoßen und damit „den Krieg mitprovoziert“.

Wie er zu beenden sei, darüber „werden sich Trump und Putin einig werden“ und dabei Europa „allenfalls marginal einbinden“, erwartet sie. Bis Jahresende sei der Krieg zu Ende, „da bin ich optimistisch“. Dann bestehe auch keine Gefahr mehr, „dass die Nato in den Krieg hineingezogen wird und unsere Söhne an die Ostfront müssen“.

Wehrpflicht nur für Männer

Befreit von dieser Sorge, könne man dann „unsere Landesverteidigung ausbauen“, samt Wehrdienst: verpflichtend für junge Männer, für Frauen auf freiwilliger Basis. „Frauen sehe ich eher in Bereichen wie Kindererziehung und Pflege. Da bin ich tatsächlich in der traditionelleren Rolle verhaftet“.

Zur Person:

Privates: Elena Fritz ist 38 Jahre alt. Geboren in Kasachstan, lebt sie seit 1999 in Deutschland. 2019 heirateten sie und ihr Mann in Las Vegas. Die beiden haben einen Sohn. Als Hobbies nennt Elena Fritz Fahrradfahren mit der Familie, Bergsteigen und Wandern, am liebsten in Südtirol. Außerdem interessiert sie sich für Kunst und Künstler vor allem aus den „Goldenen Zwanzigern“.

Beruf: Erst wollte Elena Fritz Rechtsmedizin studieren, schwenkte aber auf Jura um und schloss an der Uni Regensburg mit dem Diplom ab. Sie arbeitet, beratend, mit ihrem Mann in der gemeinsamen Firma in der Lebensmittelbranche.

Partei: Elena Fritz hat unter anderem den AfD-Kreisverband Kelheim mitgegründet und wurde 2020 in den Kreistag gewählt. Aus beruflichen und familiären Gründen zog sie sich Ende 2021 aus der Politik vorübergehend zurück.

Wir stellen in einer Serie die Direktkandidatinnen und Direktkandidaten für den Wahlkreis Kelheim-Landshut im Porträt vor. Die Veröffentlichung erfolgt in alphabetischer Reihenfolge.